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Der
Königsstuhl von Rhens ist ein steinerner, zweistöckiger Achteckbau
als vergrößerte Darstellung eines Throns an der Stelle des Nussbaumgartens
zu Rhens am Rhein (südlich von Koblenz), an der im Mittelalter häufig die
Wahl zum Römisch-deutschen König durchgeführt wurde. Das heute zu
besichtigende Bauwerk ist ein inzwischen versetzter Neubau aus dem Jahre
1842 nach Zerstörung des Originals im Jahre 1795.
Seit 2002 ist der Königsstuhl Teil des UNESCO-Welterbes
Oberes Mittelrheintal.
Der Königsstuhl geht in seinem Grundriss
wahrscheinlich auf einen älteren Holzbau zurück. Der heutige Achteckbau
besteht aus einer achteckigen Bodenplatte, auf der sieben Außenspitzbögen
auf acht Außenpfeilern (mit je einem Strebepfeiler auf gemeinsamen Sockel)
über den Seiten und acht Innenbögen zusammen mit einer achteckigen
Mittelsäule eine ebenfalls achteckige, mit einer Mauer umgebene Plattform
tragen, zu der eine 17stufige Treppe (anstelle des achten Außenbogens) im
Südwesten durch einen weiteren Spitzbogen mit Treppengiebel führt. Das
Bauwerk ist aus schwarzen Lavaquadern, die acht Pfeiler und die
Mittelsäule aus Basalt errichtet. Vom Vorgängerbau stammen der Fuß und das
Kapitell der Mittelsäule. Die Pfeilersockel waren anfänglich weiß
getüncht.
Der ursprüngliche Königsstuhl (errichtet
vor 1398) unterschied sich von seinem Nachfolgebau von 1842 in vieler
Hinsicht: Er besaß keinen Giebel über dem Treppenbogen des Aufgangs,
dessen Umfassungsmauerabschluss und der der Plattform auf einem Niveau
lagen. Die rechtwinklig geführte Treppe wies zwischen ihren ersten Stufen
(Richtung NW weisend) und ihrer Weiterführung zur Plattform (Richtung NO
wie heute die gesamte gerade Treppe) einen Absatz auf. Zudem wurde der
hintere Aufgangsabschnitt anstelle von massivem Mauerwerk von einem
treppenbreiten Bogen getragen, der damit einen Durchgang unter der Treppe
freiließ, so dass alle acht Pfeilersockel frei standen. Die Wände waren
verputzt und weißlich getüncht, es war also keine Steinsichtigkeit (freier
Blick auf die unverputzte, unbemalte oder unverschalte Mauersubstanz)
gegeben. Die Pfeilersockel waren bis zur halben Treppenhöhe und die
Treppenbogeneinfassung komplett rötlich abgesetzt. Die acht Strebepfeiler
waren kürzer und mit eigenem Sockel versehen, die heutigen haben mit den
Bogenpfeilern einen gemeinsamen Sockel. Die acht Außenbögen waren flacher
gehalten und erschienen damit etwas weiter als beim heutigen Bau. An der
Südostaußenwand Richtung Rhein war auf den hellen Putz über dem Bogen der
Doppeladler des römischen Kaiserreiches aufgemalt.
Im Jahre 1273 fand erstmals im Nussbaumgarten am
Rheinufer zu Rhense eine Vorbesprechung der vier rheinischen Kurfürsten
(die Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln und der Pfalzgraf bei Rhein) zur
Wahl Rudolfs von Habsburg statt, da dort ihre Territorien zusammentrafen.
Nach weiteren Vorbesprechungen für die Wahlen von Heinrich VII. und Ludwig
dem Baier zum römisch-deutschen König in den Jahren 1308 bzw. 1313/14,
wurde im Jahre 1338 der Kurverein von Rhense geschlossen, der kurz darauf
in Frankfurt am Main zum Reichsgesetz erhoben wurde.
Die erste Königswahl in Rhens wurde am Königsstuhl im
Jahre 1346 bei der Wahl Karl IV. zum Gegenkönig durchgeführt. Zehn Jahre
später wurde durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. Frankfurt als der
Ort der Königswahl bestimmt. Im Jahre 1376 wurde deshalb am Königsstuhl
die Wahl des Sohn Karls IV. Wenzels zum König vorbereitet und am 10. Juni
1376 in Frankfurt vollzogen. Wenig Tage nach dessen Krönung verfügte Karl
am 9. Juli 1376, dass ein »steynen gestuel« (steinernes Gestühl) zu
errichten sei, auf dem die Kurfürsten den zukünftigen König zu benennen
haben.
Erbauen mussten den Königsstuhl die Bürger von Rhens,
die allerdings für die entstandenen Kosten und den späteren Unterhalt des
Bauwerks von Karl ein Zollprivileg erhielten.
Im Jahre 1398 wurde das Gestühl zum ersten Mal
schriftlich erwähnt, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem Besuch
Wenzels in Rhens. Nach der Absetzung Wenzels im Jahre 1400 wurde Ruprecht
III. von der Pfalz als erster König und künftiger Kaiser auf dem
steinernen Königsstuhl erhoben. Nach dem Tode Ruprechts verlor Rhens
allmählich seine Stellung als Beratungs- und Wahlort, jedoch wurde im
Jahre 1433 Friedrich III. auf den Königsstuhl erhoben. Er leistete an
dieser Stelle einen Eid auf das Reich und erhielt den Ritterschlag.
Maximilian I. bestieg auf der Fahrt von Frankfurt nach Aachen den
Königsstuhl bei Rhens. - Nach anderen Quellen war Ruprecht III. von der
Pfalz der erste und letzte König, der in Rhens auf dem Königsstuhl gewählt
wurde, da Frankfurt als Wahlort bereits festlag, und der Bau des
Königsstuhls durch Karl IV. (für künftige Versammlungen zur Vorbereitung
der Königswahl) von manchen Historikern als Ausgleich für den verlorenen
eigentlichen Wahlort angesehen wird. Die nachfolgenden Könige und Kaiser -
auch Friedrich III. - ließen sich in Frankfurt wählen und besuchten nur
noch auf der Fahrt zur Krönung nach Aachen den Königsstuhl in Rhens,
bestiegen ihn zur Leistung des Treueides und zur Präsentation dem Volke
gegenüber. Um 1550 verlor sich dieser Brauch unter den Nachfolgern
Maximilians I. ebenfalls[1].
Nach einer Restaurierung des Königsstuhl durch Landgraf
Georg II. von Hessen im Jahre 1624 verfiel er in den nächsten
hundertsiebzig Jahren allmählich. Nach seiner Zerstörung und Verkauf der
Steine an Rhenser Bürger durch französische Soldaten in den Kriegswirren
der Napoleonischen Kriege im Jahre 1795 wurde der Königsstuhl 1806
endgültig abgetragen. Nach einer durch eine von Karl Bernhard Hundeshagen
im Jahre 1826 entworfene Neujahrsplakette mit dem Relief des Königsstuhls
ausgelöste Spendenaktion, die von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen
unterstützt wurde, kam es zu einem Aufruf zur Wiedererrichtung des
Denkmals, und in den Jahren 1841 bis 1843 zum Neubau des Königsstuhls
durch den Baumeister Johann Claudius von Lassaulx. 1848 fand eine
feierliche Versammlung aus Anlass der Frankfurter Nationalversammlung
statt.
Im Jahre 1929 wurde der Königsstuhl vom Nussbaumgarten
außerhalb von Rhens an seinen jetzigen Platz auf der Rheinhöhe Schawall
nahe der Umgehungsstraße (B9) mit Sicht auf Rhens und das Rheintal
verlegt. Eine Tafel am Rhein zeugt vom einstigen Standort des Bauwerks.
Von 1979 bis 1982 sanierte die Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz das
Denkmal und fügte dem Bauwerk das rheinland-pfälzische Wappen hinzu.
Lange Jahre war der Königsstuhl bei Rhens der Ort, an
dem die Koblenzer Bürgermeister ihre Amtskette überreicht bekamen. Seit
Pfingsten 1978 gab es wieder häufige Treffen der Bürgermeister von Koblenz
und Rhens auf dem "Königsstuhl zu Rhense".
Quelle: Wikipedia |