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Das Bauern- und Winzerdorf Weiler

 

Die Existenzgrundlage für die Weilerer Bevölkerung in der kurtrierischen Zeit bildete die Landwirtschaft, insbesondere der Ackerbau und die Viehzucht. Auch der Wald wurde teilweise der Viehzucht dienstbar gemacht. Die Hänge an Ziehbach- und am Weilerer Bach lieferten gut bezahlte Trauben.

 

Schon früh waren große Teile der Weilerer Flur im Besitz des Adels und kirchlichen Einrichtungen. So waren im Jahre 1662 in Weiler begütert der Kurfürst von Trier, der Propst von Hirzenach, der Erbmarschall von Eltz, der Junker Boos von Waldeck und das adelige Jungfrauenkloster Maria Roth bei Waldesch. Auch viele Ausmärker hatten Anteil an der Weilerer Gemarkung.

 

Eine eingehende Schilderung der Weilerer Flur, der Culturarten und er Eigentümer gibt das Grund- und Extraktenbuch aus dem Jahre 1719.

Damals ließ Kurfürst Franz Ludwig durch besondere Kommissionen eine Vermessung und Eigenschätzung aller grundsteuerpflichtigen Liegenschaften durchführen, um eine gerechte Steuerverteilung zu ermöglichen. Zur Unterstützung der Kommissare wurden ihnen in jeder Gemeinde drei Astimatoren oder Taxatoren mit unterschiedlichem Landbesitz beigegeben. In Weiler waren es die Landwirte Jakob Boost, Jakob Bach und Johann Rheinbay. Sie mussten der Kommission Rede und Antwort stehen über Nutzung aus Weinbergen, Ackerland, Schiffelland, Wiesen, Weiden und Wald.

 

Das Grundbuch wurde nach den Hauptkulturen Weinbergs-, Acker und Wiesenland aufgeteilt. Die Fragen und Antworten wurden in Form eines Protokolls auf den ersten Seiten eingetragen. Aus den Antworten der Weilerer Taxatoren geht hervor, dass ein großer Teil der Flur schlechtes, steiniges Land war, das mit vielen Obstbäumen bestanden war.

Die Felder nach Salzig zu und die auf dem Kirchenflur wurden jedes zweite Jahr mit harter Frucht besät, waren also zweigünstig. Die nach der Zeil zu liegende Flur wurde im 1. Jahr mit harter, im 2. mit leichter Frucht besät und blieb im 3. Jahr brach liegen.

Acker- und Wiesenland und auch die Weinberge wurden in je drei Ertragsklassen eingeteilt. Die Größe der Weinberge wurde nach der Anzahl der Stöcke angegeben.

Für die Vermessung der übrigen Ländereien diente als Normalmaß der Morgen = 160 Ruten. Der Morgen entsprach einer Größe von 34,56 Ar. Nach Angabe der Taxatoren betrug in Weiler der Ernteertrag eines Morgens Ackerland in Klasse III 1 Malter. Bei den nach der Zeil zu gelegenen Äckern gab es keine Klasse I.

Der Ertrag in Klasse II wurde auf 10 Simmer und in Klasse III auf 6 Simmer geschätzt. Ein Malter Roggen wurde in 8 Simmer und 32 Sester eingeteilt und entsprach ca. 215 Litern.

Das Wiesen- und Baumgartenland lieferte nach Aussage der Taxatoren pro Morgen in Klasse I 6 Zentner Heu, in Klasse II 3 1/2 und in Klasse III 1 1/2 Zentner Heu.

Für die Klasseneinteilung der Weinberge war nicht Güte des Weins, sondern die Menge des Ertrags maßgebend. Zu 1 Fuder Wein waren 9000 Stöcke der Klasse I, 12000 Stöcke der Klasse II und 18000 Stöcke der Klasse III erforderlich.

 

In Weiler wohnten damals 32 Familien, von denen 3 den Vater verloren hatten. Es gab weder einen Wirt noch einen Krämer im Ort. Von Interesse ist die Nachricht, dass der Junker Boos von Waldeck auf der Zeil eine Hütte oder Baracke hatte; darin wohnte sein Hofmann, der den dort gelegenen, freiadligen Distrikt bebaute.

 

Die Weilerer Weinberge lagen in folgenden Fluren:

Im Rheinberg, Pfleg an der Bayer Bach, Bruderstück, In der Steghe, Langes Stück, In der Foßhöhlen, Im Acker, Auf Heulein, Ufm Behemmer, In der Hanehek, In der Perschell, Am Mühlberg, Im Hasenberg, Zehberg, Im Geyfluß, Im Sperling, Ufm Schutter und Ufm Hurst.

 

Die insgesamt 478 Parzellen trugen 129.683 Weinstöcke von denen zu Klasse I 13.659, zu II 33.570 und zu III 82.454 gehörten. 145 dieser Wingerte, also fast ein Drittel, waren Teilwingerte oder Drittelgüter, das heißt als Pacht musste ein Drittel des Ertrages dem Grundherrn abgegeben werden. Die Kirche in Weiler verlangte sogar von 5 Wingerten die Hälfte des Ertrags.

 

Bei weitem den größten Weinbergbesitz in Weiler hatte das Bopparder Hospital, nämlich 37.557 Weinstöcke in den 87 Teilwingerten, also ca. 29%. Es hatte einen besonderen Weingartengeschworenen in Weiler, der die Aufsicht führte. Der Schultheiß erhielt vom Hospital 6 Albus und wegen fleißiger Aufsicht im Herbst nochmals 12 Albus. Außer dem Hospital waren Besitzer von Teilwingerten die Heiliggeist-Bruderschaft zu Boppard, Kloster Marienberg, die Bopparder Karmeliter, die Propstei Hirzenach und die dortige Bruderschaft, die Herren von Boos und von Bürresheim. Die Pastorei Salzig und die Weilerer Kirche nannten 1576 Weinstöcke ihr eigen.

 

Die 322 Morgen, 42 Ruten Ackerland verteilten sich auf folgende Flursteile:

Uff der Horst, In der Eltzgrube, Im Piesstück, Uf Ziegelruhr, Uf der Kegelbahn, Uf Birkert, Ufm Bongart, Am Krummen Acker, Uf dem Klopp, Am Meisborn, Hinter dem Schlag, Ufm Scheidt, In der Schätteil, In der Rompforth, Kirchenflohr, Uf der Hell, In der Geyers Hell, Im Hasenberg und am Bayer Weg,

 

Im ganzen waren die 322 Morgen in 1288 Parzellen aufgeteilt, von denen nur 681 in Weilerer Eigenbesitz waren, Größere Stücke Ackerland besaßen die Propstei Hirzenach (31 Morgen), Junker Boos von Waldeck /10 Morgen), die Bopparder Karmeliter (10 Morgen) und das Bopparder Hospital

(9 Morgen).

Unter den Eigentümern befanden sich auch die Kirchen in Weiler und in Boppard und die Pastorei Salzig.

An Pachtzins erhielt die Weilerer Kirche außer 13 Gulden 25 Albus 4 3/8 Pfund Öl und 1 1/2 Pfund Wachs.

 

Merkwürdig ist, dass als Pacht für einzelne Äcker Getreide in die Almosenkasse gezahlt wurde, insgesamt 1 Malter, 5 1/2 Simmer und 6 Sester Korn (nach heutigem Maß also 403 Liter) womit man schon allerlei Brot für arme Leute backen konnte.

 

Die 131 Morgen Wiesen lagen:

In der Ziehbach, Auf Mauerscheid, In der Hell, Im Rosenacker, In der Geyers Hell, Ober der Trift, Unter der Trift, In der Oberst Rewersbach, In der Zeylen, In  Ockelt, In der Nothseifen, In Grauwies, Im Kerndter, Heyerswies, Rothbergwies, Kohlwies, In der Hinterwies, Ufm Wasumb, Hinter der Kirch, Im Alten Weingarten, In den Seifen, Ufm Thöngen und Uff Eltzgruben.

 

Von den insgesamt 973 Parzellen waren nur 315 in Weilerer Privatbesitz. 204 Parzellen gehörten Salziger Besitzern.

Alle möglichen adligen und geistlichen Grundbesitzer hatten in der Weilerer Flur Wiesen, die sie teils selbst bebauten, teil verpachtet hatten.

Die Weilerer Kirche löste an Wiesenpacht 3/4 Pfund Öl, 1/8 Pfund Wachs, für 12 Albus Wachs und an Geld 29 Albus.

Pastorei und Kirche zu Salzig hatten 208 Ruten Wiese in Eigenbesitz. Die Gemeinde Weiler hatte 2 Morgen 120 Ruten eigene Wiesen und 8 Morgen 109 Ruten verpachtet.

In die Almosenkasse flossen an Wiesenpacht 3 Simmer und 1 1/2 Sester = ca. 91 Liter Roggen.

 

Wingerte, Acker- und Wiesenparzellen waren von recht unterschiedlicher Größe. Neben Weinbergen von mehr als 1000 Stöcken gab es kleine Stückchen von 20 bis 50 Stöcken. Neben Äckern von über einem Morgen Größe fanden sich Kleinstparzellen von 2 bis 7 Ruten. Den großen Wiesenkomplexen der Propstei Hirzenach (9 1/2 Morgen) und des Junkers Boos von Waldeck (21 Morgen) standen kleine Wiesenparzellen von 3 bis 5 Ruten gegenüber.

Während die Ländereien der Großgrundbesitzer meist in der ursprünglichen Größe erhalten blieben, waren die einzelnen Weingärten, Äcker und Wiesen der Weilerer durch die unseligen Realteilungen immer winziger geworden.

Im Gegensatz zu Salzig spielte die Viehzucht in Weiler eine bedeutende Rolle. Zwar gaben die Taxatoren, nach der Menge der Weilerer Rindviehs gefragt, außer den Fahrochsen nur 35 Stück an, welche Zahl wohl anzuzweifeln ist.

Im Jahre 1737 wurden in Weiler 76 Ochsen, 51 Kühe, 32 Rinder, 10 Kälber und 13 Ziegen gezählt, zu denen noch die Schweine kamen.

Gemeindehirten betreuten die Herden. Sie wurden mit Naturalien entlohnt. Im Jahre 1810 erhielten der Kuhhirt 5 Malter 2 Simmer Roggen, halb Gerste; außerdem durfte er 7 Hämmel treiben.

 

Eine besondere Schafherde hatte die Gemeinde nicht. Sie verpachtete die Schafweide vielmehr für mehrere Jahre an auswärtige Metzger und Geschäftsleute. Im Jahre 1788 wurde die Schafweide an den Oberweseler Metzger Davis für eine Dauer von 12 Jahren zu einer Gesamtpacht von 1174 Reichstalern nebst 20 Reichstalern trockenen Weinkauf vergeben. Das Weinkaufgeld fiel gewöhnlich an die Bürger der Gemeinde.

 

Die großen Herden verlangten natürlich ein umfangreiches Weidegebiet. Da war man vor allem auf den kärglichen Graswuchs im Niederwald, in den sogenannten Pfahlhecken, angewiesen. Einen großen Teil der eigenen Pfahlhecken wandelten die Weilerer in Wiesen und Ackerland um.

 

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