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Kriegsende in Weiler

1945

Am 16. März 1945 gegen 18:00 Uhr rückten die amerikanischen Kampftruppen mit 3 schweren Panzern und mehreren Fahrzeugen in Weiler ein. Drei Tage vorher sollte der Weilerer Volkssturm, bestehend aus dem Volkssturmführer Herr Zorn und sieben Mann, über den Rhein abrücken. Die sieben Volkssturmmänner zogen es aber vor, vielleicht auf Anraten ihrer Ehefrauen, statt mit Gewehren und Patronen, mit Decken und Verpflegung sich in einem undurchdringlichen Teil des Waldes zu verbergen. Der Anführer ging also allein nach der anderen Rheinseite, wurde später von den Amerikanern gefangen und kam in ein Kriegsgefangenenlager in der Normandie. Dort musste er ½ Jahr bleiben. Die sieben anderen ergaben sich am Roten Kreuz den amerikanischen Kampftruppen, die von der Fleckertshöhe anrückten. Die Amerikaner ließen sie kurzerhand auf die Panzer aufsitzen und kamen mit ihnen ins Dorf. Dort hatten eine Stunde vorher 2 Kompanien der Waffen-SS Weiler verlassen. Ihr Kommandant hat sich am Ziehbach erschossen.

Vor dem Einmarsch der Kampftruppen hatte man Hitlerfahnen und Bücher, die von Hitler und seiner Zeit berichteten, verbrannt. Auch die Schulbücherei verschonte man nicht. Dabei fiel auch die Schulchronik den Flammen zum Opfer. Vielleicht hatte ein übereifriger Lehrer darin Eintragungen vorgenommen, die man lieber den Flammen als den anrückenden Amerikanern anvertraute. Jedenfalls verdanke ich es dem Umstand, dass ich nun fast 5 Jahre dazu brauchte, um in meiner Freizeit alles für diese Schulchronik zusammenzutragen. Dazu waren auch 2 Ermahnungen von Herrn Schulrat Zensen notwendig.

Die Weilerer Bevölkerung hatte sich im Dorfe, beim Hause der Wwe. Fleischhauer einen Bunker in den Felsen gesprengt. Dorthin waren alle Einwohner geflüchtet. Man hatte eine weiße Fahne vor dem Bunker angebracht und harrte mit Angst und Schrecken der Dinge, die da kommen sollten. Beim Erscheinen der Panzer ging Herr Karbach, unser damaliger Bürgermeister, den Amerikanern entgegen. Es fiel kein Schuss. Nach Erkundigung der Lage wurden die beiden Weilerer Soldaten, die sich gerade im Urlaub befanden, festgenommen und am nächsten Tag in ein Kriegsgefangenenlager gebracht. Es waren Toni Bender, der den Amis in Uniform mit EK I entgegentrat und Ludwig Börsch. Beide sind aber wieder heimgekehrt. Am gleichen Abend mussten die Waffen abgeliefert werden, die teilweise im Besitz der Leute von Weiler waren und auch teilweise von den abrückenden Soldaten stammten. Am anderen Tag hatte die Zivilbevölkerung schon drei Stunden Ausgang und zwar von 8:00 Uhr bis 9:00 Uhr, von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr und von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Jeder durfte in sein Haus zurück.

14 Tage später mussten sich sämtliche Einwohner im Hofe des Herrn Karbach einfinden, wo sie registriert wurden. Die Amerikaner suchten besonders nach Kriegsverbrechern und Nazis. In Weiler gab es aber keine berühmten und berüchtigten dieser Sorte, trotzdem auch hier einige Männer wohl mehr aus Angst um Stellung, Beruf und Fortkommen als aus Überzeugung der SA angehörten. So konnten alle hier im Dorf bleiben.

Die amerikanischen Truppen gingen hier mit Granatwerfern und schweren Maschinengewehren in Stellung. Die Panzer rollten weiter nach Bad Salzig und Boppard. Nach den Kampftruppen lagen 14 Tage lang 60 amerikanische Soldaten hier. Nach 8 Tagen wurde erste die andere Rheinseite eingenommen. Dann zogen die Amerikaner nach Bad Salzig. Bei diesen Truppen waren auch erstmals Neger dabei. Im allgemeinen benahmen sich die Soldaten anständig gegen die Zivilbevölkerung. Die große Registrierung wurde durchgeführt und jeder Einwohner bekam eine Registrierkarte mit seinem Daumenabdruck. War jemand in der SS, SA, HJ oder einer sonstigen Formation, so wurde das vermerkt.

Nach einiger Zeit wurden die Amerikaner von französischen Truppen abgelöst. In den Hotels von Bad Salzig lagen als Besatzung 1 Kompanie und 1 Stab. Wegen der Naturalabgabe wurde Weiler und Bad Salzig ein Platzkommandantenbereich. Der franz. Küchenchef verlangte im Auftrage des Kommandanten pro Woche von Weiler 1 ½ - 2 kg Butter, 1 Zentner Kartoffeln und in erträglichen Grenzen Gemüse, Obst und Eier. Ein Jahr musste Weiler diese Abgaben entrichten. Das die Forderungen nicht größer waren, können die Weilerer nur ihrem Bürgermeister Karbach verdanken, der am 2.4.1945 Bürgermeister geworden war und mit den Franzosen geschickt verhandelte.

Der Krieg hatte viele Landstriche, Städte, Dörfer und Verkehrswege zerstört. Dazu waren viele Menschen heimatlos geworden. Mit ihnen bevölkerten Vagabunden und Verbraucher die Straßen und machten diese unsicher. Hunger und Elend waren entsetzlich. Viele Städter kamen nach Weiler, um ihre wenige Habe bei den Kleinbauern gegen Esswaren einzutauschen. Das Geld war längst wertlos geworden. Die nichts zum Tauschen hatten, die stahlen wo sie nur konnten. So pflückte ein Weilerer Kirschen. Während des Pflückens stahl man ihm Korb und Kirschen unter dem Baum weg. Kartoffelfelder und Gärten wurden nachts von Dieben heimgesucht. Von den Kornkasten, die zum Trocknen auf den Feldern standen, schnitten dreiste oder hungernde Menschen die Ähren ab. Auf die einzelnen Gemeinden wurden die Naturalabgaben für die Zivilbevölkerung umgelegt. So mussten die Bauern noch Schlachtvieh, Milch, Butter, Eier, Kartoffeln, Roggen, Weizen und Ölfrüchte je nach Größe der Felder abgeben. Jeder Hof konnte kontrolliert werden. Bonbons, Schokolade, Südfrüchte, Bohnenkaffee, Tee und viele Dinge bekam man überhaupt nicht zu sehen.

 

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1948

Am 20, Juni 1948 wurde endlich die Währungsreform durchgeführt. Besonders hart getroffen waren die Besitzer von Sparguthaben, weil diese im Verhältnis 100 RM zu 6,50 DM abgewertet wurden. Für viele war es sehr schmerzlich. Dafür konnte man aber nun über Nacht für die DM wieder kaufen. Die Lebensmittelkarten wurden abgeschafft, die Geschäfte füllten sich mit Waren und das Leben begann wieder normal zu werden

Nachkriegszeit

Wie überall, so wurde auch in Weiler von der französischen Besatzungsmacht Holz eingeschlagen. Im Weilerer Wald schlugen französische Arbeitskommandos 2000 Festmeter ein. Das war ein harter Schlag für die Gemeinde und viele Kahlflächen entstanden. Da in Deutschland Inflation herrschte, bezahlten die Franzosen das Holz mit der wertlosen Reichsmark. So wurden viele Gemeinden schwer geschädigt. Weiler hatte jedoch insofern Glück, dass der Holzeinschlag später getätigt und die Währungsreform gerade noch rechtzeitig durchgeführt wurde. So erhielt Weiler für die 2000 cbm Holz 39.000,-- DM.

1949

Auf Beschluss des Gemeinderates wurde mit diesem Geld 1949 die Dorfstraße gepflastert, die Flurwege größtenteils mit einer Schotterdecke versehen, der Backes, der zu verfallen drohte, wurde teilweise erneuert, ein neuer Backofen eingesetzt, ein neuer Backtisch angefertigt und die Schule frisch gestrichen. Das Jahr 1949 schließt im Haushaltsplan der Gemeinde mit der Nachkriegsrekordsumme von 38.391,-- DM in Einnahmen und Ausgaben.

1950

Am 6.3.1950 kaufte die Gemeinde von der Erbengemeinschaft Mallmann den Dorfplatz. Er ist 1 Ar groß und kostete 400,-- DM. Außerdem ging man daran, die Kahlschläge, die die Franzosen geschlagen hatten, wieder aufzuforsten. An die Bezirksregierung zu Koblenz richtete man durch den Herrn Schulrat Himstadt in Boppard die Bitte, einen Lehrer zu versetzten, der die instand gesetzte Wohnung beziehen sollte, da seit Jahren kein Lehrer mehr in Weiler ansässig war, weil eben die Wohnung fehlte. So wurde ich, Lehramtswärter Hermann Schulz, geboren am 19.11.1924 in Koblenz-Horchheim, am 15.5.1950 von Langscheid bei Oberwesel nach Weiler versetzt.

Die Wohnung bestand aus Küche und 2 Zimmern. Die Miete dafür betrug 25,-- DM. Später bekam ich die Räume im Erdgeschoß dazu. Jetzt zahlte ich eine Monatsmiete von 43,--  DM. Heute (1964) bewohne ich die Lehrerdienstwohnung in der neuen Schule und zahle für Küche, Bad, 5 Zimmer und Garten eine Monatsmiete von 96,-- DM.

Am 24.8.1950 erhielt der Sportverein Felder, die zuvor Hans Bach erworben hatte und dem Verein schenkte, auf dem „Dünchen“ und richtete einen Sportplatz her. Der Weilerer Sportverein blau-weiß erhielt von der Totozentrale Koblenz dazu eine Beihilfe von 1.500,-- DM. Irrtümlich zahlte die Totogesellschaft gleich zweimal. Es war schnell verausgabt und die Zurückzahlung unterblieb. Die Mitglieder des Sportvereins ebneten kostenlos die Felder ein und richteten den Sportplatz her. Auch die Schuljugend beteiligte sich an diesen Arbeiten.

Der Frondienst wurde abgeschafft, da die Männer Geld verdienen mussten und daher ihre Frauen oder ihre größeren Kinder zum Frondienst schickten. So brachte der Frondienst zwar für die Familien keinen Schaden, für die Gemeinde aber auch keinen Nutzen.

Für 10.000,-- DM wurde die Dorfstraße im Ortsteil Fleckertshöhe und die Zufahrtswege mit Mayener Schotter ausgebaut, dazu die dortige Kapelle instand gesetzt und das Türmchen neu errichtet.

1951

Baute die Gemeinde den Weg zum Landhaus Rheinberg aus. Herr Wuppermann der Besitzer des Landhauses, gab der Gemeinde als Beihilfe 17.500,-- DM für dieses Vorhaben.

 Das Fest der Goldenen Hochzeit feierten Philipp Bach und seine Frau Christine, geb. Krautkrämer. Abends brachte der Kirchenchor, dem der Jubilar lange Zeit angehörte, unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Karbach, dem Jubelpaar ein Ständchen. Das ganze Dorf war vor dem Hause des Jubelpaares versammelt und freute sich mit den zahlreichen Verwandten und Gratulanten.

1952

Wurde ein ganz neuer Backesofen eingemauert. Fast alle Familien buken zu dieser Zeit noch selbst ihr tägliches Brot. Wenn die Mittagsglocke läutete, kamen die Frauen, die am nächsten Tage backen wollten, vor dem Backhaus zusammen und losten die Reihenfolge der Backzeit aus. Es war keine Seltenheit, dass der Backes von morgens um 5:00 Uhr bis spät in abends in Betrieb war. Vor hohen Festtagen wurde sogar nachts durchgebacken und scherzhaft konnte man annehmen, dass man an solchen Tagen Weiler mit Kuchen zudecken konnte. Jedenfalls bringt kein Bäcker heute solch gutes Brot zum Verkauf als damals die Leute selbst buken. Heute (1964) sieht man nur noch ganz selten jemanden, der sich sein Brot noch selbst backt und das tut eigentlich ein bisschen weh. Man hat halt keine Zeit mehr und beim Bäcker kauft es sich bequemer.

Die Lehrerin Frl. Hildegard Hesch kam als 2. Lehrerin nach Weiler. Heute ist sie Lehrerin in Bad Salzig, mit dem Schuhmacher Albert Schladt verheiratet und hat 2 Kinder.

1952 war unsere Kirche zu klein geworden und fasste an den Sonn- und Feiertagen nicht mehr die Gläubigen. Insbesondere die Männer, die ja immer hinten standen, fanden keinen Platz mehr. Deshalb beschloss man, die Kirche 6 Meter zu verlängern. Dabei wollte man auch gleich eine Warmluftheizung einbauen. Bei den Ausschachtungsarbeiten stieß man auf ein Massengrab, in dem die Skelette in großer Zahl und dicht gedrängt und kreuz und quer übereinander lagen. Der ehemalige Vorsteher Anton Bender glaubte, es sei das Pestgrab, von dem ihm noch seine Urgroßeltern erzählt hätten. Im 15. Jahrhundert habe die Pest Weiler fast entvölkert, so hätten hier die schwarzen Pocken gewütet (vielleicht lässt sich daraus erklären, dass niemand mehr von Schloss Wiesenstein weiß. Heute noch heißt ein Flurteil in der Nähe des Schlossgrabens und dem vermutlichen Standort des Schlosses „Parrb“ (Pfarrhof).

Mit dem Kirchenbau riss man auch die alte Sakristei ab und baute eine geräumigere an dieselbe Stell.

Die Maul- und Klauenseuche brach im Orte aus. Vier Gehöfte waren von dieser schrecklichen Plage befallen. Es waren die Familien Mayer, Dorweiler, Rheinbay und Waldforst, in deren Ställen die Seuche festgestellt wurde. Die 4 Familien wohnten alle zusammen. Kein Tier durfte mehr aus dem Ort. Selbst Katzen mussten eingesperrt werden, was für viele schon mehr als ein Kunststück war. Vor jedem Stalle lagen dicke Säcke, die mit Desinfektionsmittel getränkt waren. Jetzt putzten sich die Bauersleute sogar fleißig die Schuhe ab, wenn sie ihren Stall betraten. Äußerste Sauberkeit musste herrschen, wollte man die Seuche nicht weiter tragen.

Da es kurz vor Weihnachten war und die Familie Dorweiler sich durch ihr Lebensmittelgeschäft für das Fest gerichtet hatte, so blieb sie auf den ganzen Waren sitzen. Kaum einer wagte sich dort einzukaufen, aus Angst es könne sich selbst die Seuche in den Stall schleppen. Die bedauernswerten Familien wurden in dieser Zeit wohl mehr gemieden als wenn sie die Pest hätten.

Bei der Familie Mayer gingen auch 2 Rinder an der Seuche zugrunde.

1953

wurde ein weiterer Teil der Dorfstraße gepflastert. Im Oberdorf versah man die Straße mit einer Teerdecke. Dabei setzte sich eine schwere Straßenwalze in Bewegung. Der Fahrer konnte nicht mehr abbremsen und lenkte sie geistesgegenwärtig in den nächsten Hof. Dieser Hof war aber sehr schmal und so kam die Walze erst im Wohnzimmer der Eheleute Bröder zum Stehen. Die beiden älteren Leute kamen mit dem Schrecken davon. Die Walze aber war gebrochen und musste auseinandergebaut und abtransportiert werden. Den Schaden bezahlte die Versicherung.

In diesem Jahr versah der Kreis die Straße von Bad Salzig nach Weiler mit einer Teerdecke. Endlich verband eine feste Straße Weiler mit der Außenwelt. Früher konnte man nur durch die Hohl Weiler erreichen. Das war ein steiler, enger und oft schlammiger Hohlweg, den ein Auto kaum schaffen konnte. Wehe, wenn sich zwei Fuhrwerke begegneten, denn keins konnte am anderen vorbei. Auf diesem Weg wurden die Baumaterialien nach Weiler geschafft. Nur Ochsen zogen die schweren Wagen bergauf.

1954

Die Wasserleitung, die der Vorsteher Anton Bender 1929 hatte legen lassen, brachte schon längere Zeit nicht mehr genügend Wasser. Da aber am Überlauf der Quelle viel Wasser abfloss, musste die Zuleitung oder die Dorfleitung gebrochen oder verstopft sein. Deshalb ließ die Gemeinde die Rohre säubern. Dabei wurde an verschiedenen Stellen der Boden aufgegraben, die Wasserleitung angeschnitten und ein starkes Drahtseil mit einem Bohrkopf durch die Leitung gezogen. Dabei stellten die Arbeiter fest, dass sich die Rohre im Laufe der Zeit mit Rost fast zugesetzt hatten. Auch fand man Rohrbrüche und an einer Stelle waren sogar Baumwurzeln in die Rohre eingedrungen (wahrscheinlich infolge eines früheren Bruches).

Das ganze Dorf hatte so längere Zeit kein Wasser und somit kam der Dorfbrunnen wieder zu hohen Ehren. Tag und Nacht standen die Leute mit Eimern und Kesseln an schleppten das notwendige Nass für Mensch und Vieh nach Hause. Wehe, wenn die Frauen alle 14 Tage große Wäsche hatten. In langer Schlange stand man für 2 Eimer Wasser an und alle Familienangehörigen mussten fleißig mithelfen. Oft durfte es einen ganzen Tages, um genügend Wasser vorrätig zu haben. Man wollte ja nicht nur alleine Wasser holen. Die Arbeiten dauerten fast 2 Monate. Nachher floss das Wasser zwar reichlicher, doch für den gestiegenen Bedarf langte es immer noch nicht (In einige Häuser waren erstmals Badewannen installiert worden). Das Problem war als damit nicht ganz gelöst.

In diesem Jahr forderte der Verkehrstod zwei Opfer von Weiler. Anna Maria Dormann, eine Tochter des Verwalters von Haus Rheinberg, kamen bei einem Autounfall auf der Hunsrückhöhenstraße ums Leben. Georg Minning verunglückte auf der Moselstraße tödlich.

Auf der Fleckertshöhe kaufte Gastwirt Busjan das Berghotel und eröffnete wieder eine Gastwirtschaft.

1955

Der Winter herrschte hier mit strengem Frost und Unmassen Schnee. 20° - 23° Kälte wurden im Ort gemessen. Fast alle Nussbäume im Dorf erfroren. Lange blieb der hohe Schnee liegen. Die Schulkinder von Fleckertshöhe fuhren mit ihren Schlitten zum Unterricht. Viele Leute gingen mit Ketten oder Seilen in den Wald und schleppten wegen der grimmigen Kälte Brennholz nach Hause.

Goldene Hochzeit feierten die Eheleute Kunz („Reich-Kunz“) wohnhaft auf der Fleckertshöhe.

1956

eröffnete der Schreinermeister Helmut Waldforst seine Schreinerei. Leider schloss der tüchtige Schmied Franz Thum seine Werkstatt. Die Weilerer Landwirte mussten nun ihre Arbeitsgeräte beim Schmied in Bad Salzig schärfen und in Ordnung bringen lassen. 

Erstmalig schafften sich 4 Familien Traktoren für die Felsarbeit an. Den ersten Traktor besaß Herr Peter Rheinbay. Etwas später kauften sich die Familien Bender, Karbach und Gilbert gleichfalls Traktoren.

Für 4.600,-- DM erhielt unsere Küche neue Bänke. Gleichzeitig wurde von einem Bopparder Orgelbauer eine neue Orgel erworben.

Die Dorfstraße besserte man aus und ein weiterer Teil versah man mit einer Teerdecke. Auf der Fleckertshöhe begann die Post mit dem Bau einer Fernsehstation.

Im Spätsommer brannte das Haus der Familie Kasper (Fleckertshöhe) fast ganz ab. Der Besitzer war aber zum größten Teil versichert, so dass die Versicherungsgesellschaft für den Schaden aufkam.

1957

Endlich wurde auch einmal etwas für die Schule getan. Der Schulsaal erhielt einen neuen Anstrich und eine Neuwieder Schulmöbelfabrik brachte eine neue Wandschiebetafel an. So konnten wir die alten Tafeln, die noch auf Holzgestellen ruhten und dazu leicht umfielen, endlich abschieben. Für den Handarbeitsunterricht bewilligte der Gemeinderat 400,-- DM zum Ankauf einer Nähmaschine.

Die Salziger Firma Kahl baute die Bruchsteinmauer hinter der Kirche für 8.200,-- DM.

Erstmals wurden in Weiler Drillinge geboren. Die Frau des Schrankenwärters Willi Bröder schenkte drei gesunden Buben das Leben. Das ganze Dorf nahm Anteil an diesem Ereignis. Mutter und Kinder sind wohlauf. Prächtig wachsen die drei Buben heran. 1963 wurden alle drei eingeschult.

Der Gemeinderat beschließt, die Jahrespauschale für den Wasserverbrauch von 8,-- DM auf 12,-- DM pro Haus zu erhöhen.

In diesem Jahr hat Weiler nach dem Haushaltsplan an Einnahmen 83.317,12 DM und an Ausgaben 79.432,43 DM. Es bleibt ein Überschuss von 3.884,69 DM  

Beschlossen wird, den Brandweiher, der neben der Gastwirtschaft Rheinbay lag, einebnen zu lassen. Gleichzeitig überlässt man dem Schifferverein 25 m2 zum Bau eines Schiffermastes. Dafür muss der Verein eine jährliche Anerkennungsgebühr von 0,50 DM an die Gemeinde zahlen.

Da die Einwohner von Fleckertshöhe immer noch keine Wasserleitung besaßen, beschloss man erstmals dort nach Wasser zu schürfen. Diese Schürfkosten betrugen 2.197,27 DM.

Die Schulreinigung wurde neu vergeben, da die Wwe. Gertrud Krambrich ihr Arbeitsverhältnis zum 31.10.1957 kündigte. Auf die öffentliche Bekanntmachung meldete sich aber niemand, der fortan die Reinigung übernehmen wollte. Auf die Bemühung des Vorstehers hat sich schließlich Frl. Elisabeth Bach bereiterklärt, ab 1.11.1957 die Schulreinigung für eine Jahresentschädigung von 600,-- DM zu übernehmen. Darüber hinaus hat die Gemeinde die Sozialversicherung zu zahlen. Der Gemeinderat erklärte sich mit dieser Regelung einstimmig einverstanden. Mit Rücksicht darauf, dass  die vorstehende Vergütung mehr als das Doppelte der bisher an Frau Krambrich bezahlten Vergütung beträgt, beschließt der Gemeinderat dieser Frau als Anerkennung für ihre langjährige Arbeitsleistung eine einmalige Zahlung von 300,-- DM zu leisten.

1958

In der Sitzung vom 31.1.1958 beschließt der Gemeinderat den Bau eines Backhauses auf der Fleckertshöhe. Die Arbeiten werden wie folgt vergeben:

1.      Erd- und Maurerarbeiten         Baugeschäft Kühn, Buchholz                3.866,70 DM

2.      Zimmer- und Schreinerarbeiten Heidesäge Jak. Vogt, Buchholz              862,20 DM

3.      Dachdecker- und Klempnerarbeiten Ww. Anton Staaden, Boppard          581,40 DM

4.      Backofen Herbert Schlich, Bell, Kr. Mayen                                           937,00 DM

5.      Die Anstreicherkosten werden geschätzt auf                                       150,00 DM

6.      Die unvorhergesehenen Ausgaben sind zu beziffern auf                        402,70 DM

                                                                                                      6.800,00 DM

Nachdem der Gemeinderat die Kosten für das Kriegerdenkmal bewilligt hatte, lieferte dies die Firma Karl Schneider aus Würzburg für einen Preis von 1.100,00 DM. Für die Transportkosten zahlte Weiler 237,60 DM. Am 30.11.1958 fand die Einweihung statt.

Heuer setzte sich der Schuster Kleemann zur Ruhe und die Weilerer müssen ihre Schuhe zum Flicken nach Bad Salzig tragen.

Das Wirtschaftswunder geht auch an Weiler nicht spurlos vorüber. Als ich 1950 nach Weiler kam, besaß nur eine Familie ein Lastauto, Personenautos, Traktoren, Einachsschlepper, Motorräder, Mopeds, Fernsehgeräte, Waschmaschinen, Kühlschränke, Staubsauger und elektrische Öfen fehlten vollkommen.

Heute sieht die Sache schon anders aus. Am 15.12.1958 besaßen die Weilerer: 2 Lastautos, 15 Personenautos, 7 Traktoren, 12 Einachsschlepper, 13 Motorräder, 7 Mopeds, 8 Fernsehgeräte, außer 2 Familien besaßen alle ein Radio, 12 Waschmaschinen, 10 Kühlschränke, 20 Staubsauger und 54 elektrische Öfen. Dazu entstanden 11 neue Wohnhäuser und 34 Familien bauten ihre Häuser um oder an.

 

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Preistafel 1958 in Kg (Dez. 1958

 

1 kg     Butter                           6,80 DM         1 kg     Linsen                         1,20 DM

1 kg     Margarine                      2,04 DM         1 kg     Salz                            0,40 DM

1 kg     Weißmehl                     0,98 DM         1 kg     Zucker                         1,22 DM

1 kg     Schmalz                       3,20 DM         1 kg     Bohnenkaffee              24,00 DM

1 kg     Rinderfett                     1,00 DM         1 kg      Malzkaffee                   2,20 DM

1 kg     Speck                          4,40 DM         1 kg     Haferflocken                0,90 DM

1 kg     Schweinefleisch            5,00 DM          1 kg    Gemüsenudeln             1,40 DM

1 kg     Ochsenfleisch               5,00 DM         1 kg      Reis                            0,90 DM

1 kg     Kalbfleisch                   5,60 DM         1 kg     Bananen                      0,98 DM

1 kg     Erbsen                         0,90 DM         1 kg     Apfelsinen                    0,95 DM

1 kg     Bohnen                        1,20 DM         1 kg     Mandarinen                  1,10 DM

1 kg     Brot (3Pfd.)                  1,10 DM          1 Tafel Schokolade                   1,00 DM

1 l        Öl                               1,50 DM          1 l Milch                                  0,43 DM  

1 Moped                              600,00 DM          1 Fernsehgerät                  1.150,00 DM

1 l        Essig                         0,60 DM           1 Motorrad                         1.884,00 DM

1 l        Wein                          2,20 DM          1 Gogo (Auto)                    3.300,00 DM

1 l        Kognak                     12,50 DM         1 Mercedes                       10.000,00 DM

1l         Likör                           6,50 DM      

Auch in Weiler wird das Wasser knapp. So schürften die Weilerer selbst nach Wasser. Auch ein Wünschelrutengänger wurde bemüht.

1958

Erntebericht

Kirschen erbrachten eine mittelgute Ernte. Das Pfd. Kostete 28 – 5 Pfg. Die Erdbeerernte war verregnet. Der Preis betrug 0,75 DM – 1,18 DM. Äpfel und Birnen erbrachten Rekordernte (Preis 3 – 15 Pfg. je Pfund). Weinberge brachten mehr Quantität als Qualität (1 Kg – 0,56 DM). 1 Zentner Kartoffeln kostete 7,50 DM.

1959

Beginn der Ausschachtungsarbeiten zur Verlegung der Fleckertshöher Wasserleitung. Den Auftrag übernimmt die Firma K. und P. Monnerjahn aus Emmelshausen zu einem Preis von 74.708, 66 DM.

Das Jahr brachte eine große Hitze und eine Dörre, wie sie seit langem nicht mehr festgestellt wurde. Der Rhein führte nur noch wenig Wasser. Die Schiffe mußten in Bad Salzig geleichtert werden. Die Wiesen verbrannten, die Kartoffeln blühten ununterbrochen und die Erdbeeren vertrockneten an den Pflanzen. Einzig die Winzer freuten sich auf die Qualitätsernte.

Auch in Weiler wurde das Wasser knapp. Deshalb wurde das Wasser abwechselnd für´s Ober- und Unterdorf angestellt. Der Dorfbrunnen brachte aber noch immer Wasser und war von früh bis spät belagert. In den Gärten vertrocknete das Gemüse. Gießen war bei Strafe verboten. Da fasste Weiler den Entschluss, die Quelle „in der grünen Wiese“ zu fassen. Die Hauptquelle dort brachte noch bei der anormalen Trockenheit in 30 Sek. 8,5 l Wasser, die Nebenquelle brachte in 10 Sek. 0,5 l Wasser. Pro Tag brachten beide also 28,8 cbm.

Die Altanlage lieferte zur Zeit noch 17 cbm pro Tag. Damit würden dann 45,8 cbm/Tag zur Verfügung stehen. Der Wasserverbrauch beliefe sich ungefähr für Weiler auf 30 cm/Ta. Somit sei die Wasserversorgung auf absehbare Zeit sichergestellt. Die Kosten der Quellenfassung wurden auf etwa 30.000,-- DM veranschlagt.

Der Haushaltsplan wird immer größer in Einnahmen und Ausgaben. In diesem Jahr beträgt beides 265.000,-- DM. Trotzdem beschließt der Gemeinderat wegen der unzureichenden Wasserversorgung in diesem Jahr nur ein Pauschalbetrag von 6,00 DM je Familie festzusetzen.

Bei der Hitze konnte es auch nicht ausbleiben, dass Waldbrände entstanden. Auch der Weilerer Wald wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die „Buchlay“ stand 8 Tage in Flammen. Der Verwalter des Hauses Trift machte auf seiner Wiese ein Feuerchen und in kurzer Zeit stand die Buchlay in Flammen. 6 Hektar Niederwald und Hecken fielen dem Brand zum Opfer. Die Feuerwehren der Nachbarorte Bad Salzig, Boppard und St. Goar eilten herbei, die Einwohner des ganzen Dorfes liefen zur Brandstelle und nur mit Hilfe der Bundeswehr konnte man den Brand unter Kontrolle bringen. Noch heute (1964) zeugen verbrannte Baumstümpfe von dieser Katastrophe.

1960

In diesem Jahr wurde die Wasserleitung auf der Fleckertshöhe in Betrieb gesetzt.

In der Kirche wurden die neuen Stationen angebracht.

Die alte Straßenbeleuchtung wurde erneuert und erweitert.

Zur Schuleinweihung stiftete die Landesregierung der Schule ein neues Rundfunkgerät (Nord-Mende-Parzifal). Von der Schuleinrichtung habe ich bereits auf einer vorherigen Seite berichtet.

Die Neuwahl des Gemeinderates und des Bürgermeisters fand statt. Neuer Vorsteher von Weiler wurde Herr Willi Krambrich.

1961

Erstmals konnte man nun von Weiler nach Bad Salzig mit einem Linienbus, der im Auftrag der Bundesbahn verkehrte, fahren. Für viele, besonders für die, die jeden Tag Boppard oder Koblenz zur Arbeit mussten, bedeutet das eine große Erleichterung. Der Bus fährt zweimal frühmorgens, einmal um 14:00 Uhr und kommt abends dreimal nach Weiler.

Weiler beteiligt sich auch an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und errang auch gleich einen achtbaren Preis. Der Dorfplatz wurde in Ordnung gebracht. Die Gemeindeverwaltung stellte dort zwei Ruhebänke auf und pflanzte die Dorflinde. Bänke wurden ebenfalls an der neuen Straße, auf der Ziehlay, dem Vierseenblick und am Roten Kreuz aufgestellt.

Die Schule bekam ein Tonfilmgerät „Siemens 2000“ für 2.662,80 DM.

Auf der Fleckertshöhe wurden die Kanalisationsarbeiten in Angriff genommen.

Witterungsschäden beeinflussten den Obstmarkt.

Durch die anhaltenden hohen Niederschläge – bis Mitte Juni waren es 163,1 mm, im zwanzigjährigen Mittel für den ganzen Monat Juni 78,8 mm – leidet nicht nur der im Kreis gut eingeführte Fremdenverkehr, sondern auch die Marktlage in der Landwirtschaft, im Obst- und Gartenbau.

Neben dem starken Unkrautwuchs zeigen Rüben und Kartoffeln eine recht dürftige Entwicklung. Die bis nahe der Reifezeit viel versprechenden Erdbeer- und Kirschenbehänge sind durch Fäulnis und Schimmelerkrankungen so stark zurückgegangen, das nur ein Bruchteil der berechtigten Hoffnungen Wirklichkeit werden konnte.

Ein Blick in die Erdbeer- und Kirschenstapelungen in den Versteigerungshallen zeigt, das bei aller Ungunst der Witterung, die Obsterzeuger sich alle erdenklichen Mühe geben, den strengen Sortierungsbestimmungen nachzukommen.

Vergeblich suchen wir bei den mittelfrühen Kirschen, die vor Jahren neu eingeführten größeren Kirschensorten wie: Bigarreau, Kassins Frühe u.a. in den Markthallen. Die hielten derartige Niederschläge nicht aus. Die Früchte platzen und sind marktunfähig. Das Ernten dieser Sorten ist zwecklos.

Die Sorten Geisepitter und Simonis fallen all dem Regen in der Qualität noch recht gut aus. Besonders verdient die dunkle Simonis als robuste und unempfindliche Kirschensorte in unserem Anbaugebiet mit gutem Preis herausgestellt zu werden. Eine Tatsache, die es künftigen Veredlungen stärker zu beachten gilt.

Die späteren Kirschensorten dürften keine größeren Witterungsschäden genommen haben. Sie versprechen bei Wetterbesserung die Entwicklung einer guten Qualität als Einmachware

Die wärmebedürftige Erdbeere bringt neben Fäulnis häufig Fruchtverkrüppelungen, die auf nasskalte Witterung zurückzuführen sind.

Im Garten laufen die Bohnen vielfach schlecht auf oder werden stark von Nacktschnecken angenagt. Ohne Verwendung von Schneckenkorn sollte man keine Bohnen nachlegen. Die trifft sinngemäß auch für andere empfindliche Gartenkulturen zu. Hauptanbausorten der Erdbeeren von Weiler sind: Senga Sengana, Soldwedel und Regina.

Alte Kirschsorten heißen Nagelschmieds, Häppches, Molkekirschen, Kesterter und dicke Schwarze.

Außerdem findet man vielfach noch die Straßenkirschen oder Niederlahnsteiner, Geisepittersch, Simonis, schwarz Harte und helle Harte. Neu hinzugekommen sind Bigarreau, Hedelfinger, die Kaiserkirsche und verschiedene Arten von Sauerkirschen.

1962

Findet die Gründung der neu aufgestellten Feuerwehr statt,

In diesem Jahr wurde die Quelle in der „Grünen Wiese“ gefasst und an das Weilerer Versorgungsnetz angeschlossen. Gleichzeitig installierte man in jedem Hause Wasseruhren.    1 cbm kostet jetzt 50 Pfennig. Dazu ist eine Messermiete von 6,00 DM jährlich zu entrichten. Die Wasserknappheit ist seit dieser Zeit behoben.

Der Lebensstandard der Weilerer steigt von Jahr zu Jahr. Hier eine kleine Übersicht.

Die Weilerer besaßen:

4 Lastkraftwagen          40 Kühlschränke             37 Personenwagen                 30 Fernsehgeräte

17 Traktoren                19 Telefongeräte            14 Einachsschlepper               43 Staubsauger

15 Motorräder              86 elektrische Öfen         25 Mopeds                            16 Gasöfen

51 Waschmaschinen     38 Bäder

Auch die Verbindungsstraße Bad Salzig-Weiler-Rheinbay-Holzfeld wird fertig gestellt. Fahrplanmäßig verkehrt ein Bus auf dieser Strecke.

Die Gemeinde schafft Blumenkästen an und verteilt sie kostenlos an die Hausbesitzer. So wurde unser Dorf bald ein Kleinod an Ordnung, Sauberkeit und Blumenschmuck.

Der Müll wird alle 14 Tage abgefahren. Allmählich verschwinden auch die kleinen und großen Müllabfallstellen am Rande des Dorfes.

Pfingsten 1962  findet unter großer Beteiligung der Schiffervereine unserer Umgebung die Einweihung des Schiffermastes statt. Für Weiler war das ein Volksfest. Jung und alt war auf den Beinen. Die Mitglieder des Vereins hatten manche freie Stunde für diesen Tag geopfert.

Der Sportverein erneuert den Zaun um den Sportplatz.

Auf der Fleckertshöhe gingen die Arbeiten weiter. Nach der Kanalisation musste die Straße eingeebnet und geteert werden. Für die Bewohner war das eine üble Zeit, konnte doch im Herbst und Frühjahr kein Mensch mehr die Dorfstraße benutzen, ohne gleich bis zu den Knien im Schlamm zu stecken.

Am Dorfrand von Fleckertshöhe siedelte der Landwirt Jakob Kasper. Er baute dort einen großen Hof mit einem netten Wohnhaus. Dabei wurde er aus den Mitteln des „Grünen Planes“ unterstützt. Sein Haus im Dorf verkaufte er.

Für die Schule wurden Turngeräte angeschafft (1 Jugendbarren, 1 Kasten, 2 Sprungständer, 1 Sprungbrett, verschiedene Bälle und Seile). Diese Geräte kosteten 1.728,90 DM.

Die Weilerer Jagd wurde neu verpachtet. 1952 hatte sie Lothar Fannei für 800,-- DM Jahrespacht und vollem Wildschadenersatz für 9 ½ Jahre gepachtet. An Wildschaden zahlte er durchschnittlich 1.000,- DM pro Jahr.

Neu Pächter wurden nun ab 1.4.1962 Karl Hofmann und Architekt Johann Schulze-Beuthner, beide aus Köln-Lindenthal. Sie ersteigerten die Jagd für 8.250—DM und 300,-- DM Forstwildschaden pro Jahr auf die Dauer von 9 Jahren. Auch sie leisteten bei dieser hohen Pachtsumme noch vollen Wildschadenersatz, der im 1. Jahr ebenfalls 1.000,-- DM betrug, heute aber nur noch 250,-- DM jährlich ausmacht.

Der Sportverein spielte erstmals wieder in der C-Klasse. Längere Zeit hatte der Verein wegen Spielermangel darauf verzichten müssen.

1963

Wurde die Kirche zu Weiler renoviert. Eine Dorfsammlung sollte das nötige Geld erbringen. Durchschnittlich spendete jede Familie 40,-- DM. Dafür wurde das Gotteshaus in einen würdigen Zustand gebracht. Der Innenanstrich war mehr als notwendig gewesen. Er wurde von den beiden Weilerer Malern Zorn und Vickus ausgeführt.

Auch das Heiligenhäuschen auf dem „Dienchen“ erhielt einen neuen Anstrich und das Dach wurde ausgebessert. Neue Kommunionbänke wurden angeschafft, ebenfalls neue Schränke für die Messgewänder gekauft. Auch eine neue Lampe für`s „Ewige Licht“ konnte erworben werden.

Der Gemeinderatbehandelte den Bebauungsplan auf dem „Bungert“ und dem “Buchstiefel“. Letzterer liegt auf der Fleckertshöhe. Endlich hatte man Wasser genug und konnte somit den Bauvorhaben der Einheimischen und Fremden entgegenkommen.

 

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1964

Die Hunsrückhöhenstraße

Vor 25 Jahren wurde mit ihrem Bau begonnen. Sie sollte als Aufmarschstraße gegen Frankreich dienen. Ihre Ausführung wurde „streng geheim“ gehalten. Hermann Göring gab damals den Befehl „In 4 Monaten muss die Straße fertig sein“. Sie war es auch.

Schon an der Moselbrücke in Koblenz steht ein gelbes Hinweisschild: „Zur Hunsrückhöhenstraße“. Und wenn man von der anderen Seite, von Westen herkommt, begegnet man diesen Schildern überall, in Saarbrücken, in Saarburg und Trier: „Zur Hunsrückhöhenstraße“. Sie zerschneidet den Hunsrück zwischen der nördlichen Hochfläche und den südlichen Bergzügen in zwei ungleiche Teile und stellt die kürzeste, schnellste und beste Verbindung vom Rhein zur Saar, von Koblenz nach Trier, ja sogar vom Industriegebiet an der Ruhr zu dem saarländisch-lothringischem Revier.

Etwa 120 km ist sie lang, diese B 327. Sie zieht sich als dunkles Band über die Höhen des noch vor 25 Jahren als unwegsam verschrienen Gebietes zwischen Saar und Rhein, Mosel und Nahe, umgeht nahezu alle Ortschaften und behält in fast gerader Linienführung ihre Richtung bei. Heute dürfte sie eine der am meisten befahrenen Fernverkehrstraßen Westdeutschlands sein. Chromglitzernde Straßenkreuzer, schwere Lastkraftwagen und Zugmaschinen, Sattelfahrzeuge und Personenwagen in nicht abreißender Folge. Zu manchen Zeiten zählt man 600 in der Stunde; der Durchschnitt des Sommers 1958 lag noch bei 384 in 60 Minuten.

Vor genau 25 Jahren endete ihr Bau. Man erinnert sich: 1938-39 Kriegsvorbereitungen, Kriegspläne, Rüstungssteigerungen. Der deutsche Generalstab hat den Aufmarschplan gegen Frankreich fertig gestellt. Was man noch braucht, ist eine breite, feste und schnelle Straße über den Hunsrück, geeignet für die Bereitstellung der Panzerdivisionen und der motorisierten Kolonnen.

Göring befiehlt die Vertreter der größten deutschen Straßenbaufirmen aus Berlin, Leipzig, München, Breslau und Essen zu sich, legt ihnen die Pläne für den Bau dieser strategisch wichtigen Straße vor, fordert ihre Fertigstellung in höchstens 4 Monaten. Die Baufachleute halten das für unmöglich, lehnen ab. Göring wird massiv: „Ich mache Sie dafür persönlich verantwortlich!“ Das Unmögliche wird möglich gemacht. Ingenieure stecken die Linienführung ab. Ganze Wälder werden abgeschlagen, die Baukolonnen rücken an. Tausende, Zehntausende von Männern, moderne Maschinen; Geld spielt keine Rolle. Tag und Nacht rastlose Arbeit, an Dutzenden Stellen wird zugleich angefangen. Nach 4 Monaten ist die Hunsrückhöhenstraße, ein „Meisterwerk deutscher Straßenbaukunst, eine Straße des deutschen Friedenswillens“ (so Göring bei ihrer Einweihung), fertig.

Keine Zeitung jener Jahre (auch nicht die Hunsrücker Zeitung) berichtet über ihren Bau, ihre Fertigstellung und Eröffnung. Das Vorhaben läuft unter „Streng geheim“.

Dann kommt der Krieg. Nach Westen rollen Panzertruppen, Artillerie, Pioniere, schwere Heersflak, marschierende Infantrie, Nachschubeinheiten, Munitionskolonnen, Kriegsmaterial, vier, fünf Jahre lang. Dann der Rückzug: Zerschlagene Armeen, von Tieffliegern gejagt, die Reste der russischen Wlassow- und Hiwi-Einheiten von der Westfront , pferdebespannte Kolonnen, aufgelöste Divisionen, dezimierte Abteilungen, Tote an den Straßenrändern. Im März 1945 von der Mosel aus dem Trierer Raum her die verstoßenen Truppen der amerikanischen Invasionsarmee; die Hunsrückhöhenstraße als letzter deutscher Sperrriegel westlich des Rhein wird zäh von Gebirgsjägertruppen unter hohen Verlusten verteidigt. Endlich das Kriegsende, die Straße intakt und verschont, immer noch schön, immer noch gut befahrbar, ohne Bombenkrater und Beschädigungen. Und die Hunsrückhöhenstraße heute, 25 Jahre nach ihrem Bau? Wenn man in Koblenz die Höhe der Karthause gewonnen hat, öffnet sich weit der Blick hinab ins Rheintal, hinüber zu den blau im Dunst verschwimmenden Eifelbergen, voraus zu den Ketten der Hunsrückhöhen. Soonwald, Idarwald, Hochwald. Stundenlang führt die Straße durch den Wald: Fichten, Eichen, Buchen, eingestreute Tannenflecken, Ginsterheide, Schonungen, Douglasien, Mischwald, Wildwechsel, kleine Forsthäuser, schmale Schneisen, Holzabfuhrwege. Kaum eine zweite deutsche Straße wird auf solch einer Länge von Waldbegleitet. Auch die Namen mancher Ortschaften deuten es an: Pfaffenheck, Buchholz, Gödenroth.

Es hat sich nicht viel geändert seit 1600 Jahren, seit jener Zeit, als der Römer Ausonius, Prinzenerzieher Gratians, am Kaiserhof zu Trier, über den Hunsrück fuhr und Dach seine Eindrücke indem Preisgedicht „Mosella“ zusammenfasste:

„Waldeinsamkeit umfing mich, verödet sind die Fluren,

und nirgends nah und fern, von Menschenwerk die Spuren,

vorbei gings`s an Dumnissus, verdortt vom Brand er Sonnen,

vorbei auch an Taberuae mit seinen kühlen Bronnen“.

Auch heute noch geht es manchmal an den gleichen Orten vorbei; die neue Hunsrückhöhenstraße folgt in großen Teilen der alten Römerstraße über den Hunsrück von Mainz nach Trier und ihrer Abzweigung nach Koblenz. Reste von Kastellaun, ausgegrabene Römervillen und Landhäuser, Heiligtümer und Tempel und der Stumpfe Turm grüßen herüber. Bei Wederath hat man einen keltisch-römischen Friedhof entdeckt. Mehr als 1000 Gräber wurden freigelegt.

Überall an der Straße begegnete man Zeugen geschichtlicher Vergangenheit: römische Friedhöfe, römische Friedhöfe, römische Siedlungen, Orte des fränkischen Trechirgaues, Burgen der mächtigen Sponheimer Grafen, Festen der Trierer Erzbischöfe, Schwedenschazen. Nicht weit hinter Kastellaun-Kappel an der linken Straßenseite ein kilometerlanger Stachel- und Maschendrahtzaun. Wachposten in Khaki, bunte Schilderhäuschen, Betonpisten und Rollbahneb, ebenholzschwarze Yankees, Motorengedröhn und heulende Düsenjäger, weiß aus den Wäldern herüberleuchtende Kasernen, Hallen und Hangars, Raupenschlepper und Bulldozer auf dem Flugfeld: Air-Base Hahn. Und man weiß, in den Wäldern abseits der Straße an vielen Stellen Munitionsdepots, ABC-Kampfstoffeinheiten, Nike-Abschussrampen.

Die Hunsrückhöhenstraße dient noch dem gleichen Zweck wie einst: von Koblenz aus rollen die Bundeswehreinheiten zu Übungen und Manövern. Der größte Truppenübungsplatz links des Rheins

-Baumholder- liegt nicht weit entfernt. Bei Ellweiler findet man Uranerz. Wer weiß, was der Boden noch birgt außer dem alten Dachschiefer, den heute niemand mehr haben will.

Panzerkolonnen rattern wie eh und je über die Straße. Es hat nicht viel verändert seit 25 Jahren, aber auch nicht viel seit 2000 Jahren: römische Legionäre und Kohorten, fränkische Krieger, schwedische Söldner, kroatische Reiter, französische Revolutionsscharen, die Truppen Napoleons, preußische, österreichische und russische  Armeen, die Soldaten der deutschen Wehrmacht, die Amerikaner. Nur die Art und die Schnelligkeit der Fortbewegung hat sich ein wenig geändert. Aber das ist alles.

Wald schiebt sich immer wieder bis an die Straße heran, große, weite, uralte Wälder, dazwischen in Mulden Äcker und Wiesenflächen, Weideland, kleine verträumte Dörfer, Fachwerkbauten, Schieferdächer, Weizen-, Kartoffel-, Hafenfelder und Kleebreiten. Manchmal mündet in die neue Straße in alte Handelswege ein: Händlerstraßen und Wege der Bronzezeit, Römerstraßen, Salz-, Kohlen-, Pfaffen-, Pilger-, Post-, Flandern-, Kaffee-, Napoleons-, Prämien-, preußische Provinzialstraßen. Wo nur ein Stück alter Linienführung verwendbar war, wurde es einbezogen in die Linienführung der neuen Straße. So ist die Straße zwar neu und doch in vielen Teilen alt, uralt. Bei ihrem Bau blieb keine Zeit zu umfangreichen Ausgrabungen, aber man kennt wohl die Stellen, wo der Boden Funde und Schätze geschichtlicher Vergangenheit birgt.

Die Hunsrückhöhenstraße, die B 327, hat den heutigen Hunsrück erst erschlossen. Sie bildet die große Verkehrs- und Lebensader der Landschaft. Schon werden neue Pläne erhoben: der Bau einer zweiten Hunsrückhöhenstraße aus der Pfalz herkommend über die Nahe, quer über den Hunsrück zur Mosel und weiter durch die Eifel, so die Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands enger knüpfend, die Rheinuferstraße entlastend. Teile dieser Straße sind projektiert, schon abgesteckt und schon im Bau. Bis zu ihrer Fertigstellung wird freilich noch Zeit vergehen.

Inzwischen erfüllt die 25jährige Hunsrückhöhenstraße von Koblenz bis Zerf immer noch gut und gerne ihren Zweck und ihre Aufgabe: die Landschaft des Hunsrücks zu erschließen, den Rhein mit der Saar zu verknüpfen, Koblenz, Tier, Saarbrücken und die Zwischenstationen Emmelshausen, Kastellaun, Morbach und Hermeskeil miteinander zu verbinden.

Im letzten Stück der Hunsrückhöhenstraße stehen rechts und links im Westen noch die gesprengten und geborstenen Bunker des alten Westwalls. Dicht hinter Koblenz, in Buchholz und Pfaffenheck, erheben sich unter Birken die weißen Kreuze kleiner Ehrenfriedhöfe. Wer auf der Hunsrückhöhenstraße daran vorbeifährt, wird an beides – an Tod und Leben, an Krieg und Frieden – erinnert. Möge diese Straße in Zukunft nur noch eine Straße des Friedens sein!

1965

Straßenneubau vom Roten Kreuz zur Fleckertshöhe

Nach vielen Diskussionen und Planungen über die Notwendigkeit und die Linienführung der neuen Straße, einigten sich Landrat, Gemeinderat und die Sachverständigen für den Weg durch die Buchley. Zur Wahl standen noch der Geißeweg und der alte Fuhrweg zur Fleckertshöhe. Man wählte den ersten Vorschlag, weil dieser sich technisch am günstigsten der Landschaft anpasste. Die Straße wird 2,283 km lang. Sie soll 1.450,-- DM kosten. Ungefähr 76.000 cbm Erde müssen bewegt werden. Die Firma Schnorpfeil aus Treis an der Mosel erhielt den Auftrag das Fußbett der Straße zum Frühjahr 1965 fertig zustellen.

Als die Firma im Dezember 1964 mit ihren Arbeiten beginnen wollte, hatten unbekannte Täter einen großen Teil der Vermessungspunkte entfernt und diese Stellen mit Erde und Rasen wieder zugedeckt. Daraufhin musste der Vermessung zum Teil wiederholt werden. Der Weilerer Gemeinderat stellte Strafanzeige gegen Unbekannt. Bis heute weiß man jedoch über den oder die Täter noch nichts.

Mitte Dezember 1964 begannen endlich die Arbeiten. Mit 4 Planierrraupen, 2 Vorderladern, einem Löffelbagger, 2 Vibrationswalzen und 10 und mehr Muldenkippern und Lastautos wurde die Arbeit aufgenommen. Außer den Fahrern und dem Sprengtrupp arbeiteten nur 2 – 3 Hilfsarbeiter mit Hacke und Schaufel. Zügig geht die Arbeit voran. Man will sogar schon im Juni 1965 die Straße einweihen.

Mit einem Teil der anfallenden Erde füllte man die Säuhohl auf. So stoßen jetzt die Felder auf gleicher Höhe zusammen. 5 Meter und mehr musste man die Erde dort aufwerfen. Der Weg durch die Säuhohl zum Roten Kreuz war der Schuttabladeplatz von Weiler. Keiner wird ihm wohl nachtrauern.

 

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1966

Am 3. April 1966 wurde in der Pfarrkirche zu Bad Salzig unser neuer Herr Pastor Werner Mathieu feierlich in sein neues und verantwortungsvolles Amt eingeführt. Er ist am 13.10.1932 geboren. Vor seiner Ernennung war Herr Pastor Mathieu Religionslehrer an der Koblenzer Hildaschule.

Wahl des Elternbeirates und des Klassenelternbeirates.

Am 20.05.1966 um 20:00 Uhr erfolgte nach eingehenden Ausführungen des Schulleiters über Pflichten und Rechte des Elternbeirates die Wahl.

Erschienen waren 29 Wähler (ca. 33%)

Als Elternbeirat wurden gewählt:

Herr Alfred Thiedau, Weiler Nr. 83, mit 19 Stimmen

Frau Änni Krambrich, Weiler Nr. 28a, mit 19 Stimmen

Frau Marianne Mayer, Weiler Nr. 10,  mit 16 Stimmen

Herr Josef Becker, Weiler Nr. 84, mit 16 Stimmen 

Als Klassenelternbeirat wurden gewählt:

Oberstufe:        Herr Alfred Thiedau, Herr Franz Mayer, Herr Willi Bröder

Unterstufe:       Frau Änni Krambrich, Herr Josef Becker, Frau Marianne Mayer

Die Wahl wurde vom Schulleiter und Wahlausschuss geleitet, die anschließend die Wahlniederschrift aufstellten und unterschrieben.

19.12.1966

Die Kinder von Weiler und Fleckertshöhe, die im 7., 8. Und 9. Schuljahr sind, mußten von jetzt ab die Volksschule in Bad Salzig besuchen. Dadurch wurde die hiesige Schule wieder einklassig. Die Lehrerin Frl. Ternus wurde gleichzeitig nach Bad Salzig versetzt. Ich unterrichtete jetzt das 1. Bis 6. Schuljahr mit 44 Kindern.

 

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Die Axt von Weiler

Ein 500-Seelengemeinde mit Millionenschulden. Koblenz

Die 500-Seelengemeinde Weiler von den Rheinhöhen über Boppard verfasste eine Resolution und drei Parolen:

„In diktatorischen und kommunistischer Ländern mehr Freiheit als in Rheinland-Pfalz“.

„Knebelung des Selbstverwaltungsrechtes“.

„Richtig ist, was dem Forstmeister nützt“.

Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen dem Weilerer Gemeinderat und dem Bopparder Forstamt. Der Streit drang in die Ohren der Bezirksregierung in Koblenz, und nicht genug damit, seit wenigen Wochen sind alle Volksvertreter des Mainzer Landtags von dem Ungeheuerlichen unterrichtet – der Streit um den Wald von Weiler wuchert und wuchert.

Am Anfang stand ein Problem aus dem Alltag vieler Gemeinden: Den großen Aufgaben der Kommune, die aus den beiden Ortsteilen Weiler und Fleckertshöhe besteht, standen nur kleine Einnahmen gegenüber. An Grund- und Gewerbesteuer fließen jährlich ganze 20.000,-- Mark

In die Dorfkasse; doch da war ja auch noch der Wald. Zunächst vorsichtig, später aber mutiger, beantragten die Gemeindevertreter beim Bopparder Forstamt „Sonderhiebe“, die über die im Forstbetriebswerk festgesetzte Zahl von Festmetern Holz weit hinausging.

Das Forstamt sagte zu Anfang ja, später kategorisch nein. Heute gesteht Bürgermeister Krambrich, der seit Tagen seines Amtes enthoben ist: „Wir hatten das Geld aus dem Sonderhieb leichtsinnigerweise, das gebe ich zu, schon eingeplant“. 

Was die Männer von Weiler in den letzten 10 Jahren aus dem Nichts heraus planten und bauten, das waren keine leichtfertig verwirklichten Projekte.

1960

Eine zweiklassige Volksschule (220.000,-- Mark). Sie steht seit langer Zeit halb leer, weil im benachbarten Bad Salzig eine Mittelpunktschule entsteht. Weiler leistet hinhaltenden Widerstand. Es bleibt jährlich die 3.000,-- Mark anteiliger Schulkosten hartnäckig schuldig.

Im 300 m über Weiler gelegenen Fleckertshöhe

entstand im gleichen Jahr eine Wasserleitung für                                  130.000,-- Mark

Zwei Jahre später folgte die Kanalisation                                              150.000,-- Mark

1963 verschlang die Ortsstraße Fleckertshöhe                                       140.000,-- Mark

Ende des vergangenen Jahres erhielt der größere

Gemeindeteil neue Wasserleitungen                                                    350.000,-- Mark

Parallel hierzu entstand eine moderne Kanalisation                               700.000,-- Mark

Die Erschließung des neuen Ortsteils „Im Bungert“ kostete                     250.000,-- Mark

Die Ortsstraße in Weiler schlug mit                                                     350.000,-- Mark

zu Buche.

Kritiker dieser fröhlichen Ausgabepolitik erhitzten sich besonders an einem Projekt, das bei weitem nicht das kostspieligste war:

Am Bau des Sportplatzes für                                                              60.000,-- Mark

Trotz Beihilfen des Landes zwischen 50 und 70 Prozent, trotz Waldverkaufs, der 300.000,-- Mark einbrachte, stieg die Verschuldung des Dorfes auf rund eine Million Mark. Das sind 2.000,-- Mark pro Kopf der Bevölkerung.

In dieser Situation geschah das, was der Bopparder Oberforstmeister Blank so kommentierte: „Ich wüsste nicht, wann so etwas schon einmal vorgekommen ist“.

Die Volksvertreter von Weiler entschlossen sich einstimmig für einen Sonderhieb von 8.000 Festmeter (Krambrich: „Der sollte uns 500.000,-- Mark einbringen“.) obwohl sie das Nein der Forstverwaltung schon in der Tasche hatten.

Die Weilerer Protestresolution schildert den Vorgang später so: „Die Selbsthilfe der Gemeinde bestand nun darin, dass Mitglieder des Gemeinderates und andere Bürger, mit Motorsägen ausgerüstet, in den gemeindeigenen Wald gingen und dort das hiebreife, von Rotfäule befallene Holz fällten. Dieses Vorgehen wurde dreimal durch Einsatz von  Polizeikommandos im Auftrag des Landratamtes St. Goar unterbrochen.

In der Ortschronik von Weiler allerdings liest sich die Geschichte anders. Unverhohlen erfreut berichtet der Chronist: „Mit großem Aufgebot harrten die Gemeindevertreter am vergangenen Samstag an der Einschlagstelle aus, wo Stamm auf Stamm ringsum krachend zu Boden ging. Für diese Woche ist damit die Beschäftigung der Jugoslawen im Gemeindewald von Weiler gesichert. Sie haben mit der Aufarbeitung der Stämme genug zu tun.“

Ex-Bürgermeister Krambrich sieht sich deshalb dem Vorwurf ausgesetzt, er habe das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland geschmälert. Allerdings glaubt Krambrich, Äußerungen wie „Halbwilde im Balkan“ nach den Polizeieinsatz gehört zu haben. Das teilte er der jugoslawischen Botschaft in Mehlem mit, was nach Ansicht vom Landrat Reinhard in Simmern, Herr über den neuen Großkreis Rhein-Hunsrück-, zur Bestbeschmutzung ausreichte.

Weiler hätte auf legalem Weg, so Amtsrat Erwin Leist von der Außenstelle St. Goar, weit mehr erreichen können. „Bei einer so hohen Verschuldung bestand alle Aussicht auf Bewilligung von Bedarfszuweisungen durch das Land“. Doch die Gebührenhaushalte der Gemeinde für Wasser und Kanalisation waren nicht ausgeglichen. Leist findet jedoch bereit zu konzedieren, daß die Revolutionäre von Weiler ihr Geld nicht verplempert haben.

Wie die Affäre noch zu einem guten Ende geführt werden kann, weiß im Augenblick niemand. Bei einer Einnahmesumme von 180.000 Mark drücken den seit Jahren nicht mehr ausgeglichenen Etat der Gemeinde allein Zins- und Tilgungslasten von rund 100.000 Mark.

Die alte Mannschaft darf nicht mehr regieren, seit den Bürgermeister und seinen ersten Beigeordneten der Bannstrahl des Landrats getroffen hat. Nur der zweite Beigeordnete, der in der Gemeindearbeit noch ein Neuling und deshalb nicht vorbelastet ist, steht als „Regierender“ noch zur Verfügung.

Die Oppositionswut der Bewohner von Weiler hat Tradition. Schon im Jahre 1788 hatte der Schultheiß von Weiler den Koblenzer Kurfürsten Klemens Wenzeslaus gebeten, die Zustimmung der Versteigerung von Bäumen des Gemeindewaldes zu geben. Ein Teil der hohen Gemeindeschulden sollte damals abgetragen werden können.

Die Weilerer aber nahmen dem Schultheiß die Anrufung des Landesherrn sehr übel. Der Obrigkeit, so sagten sie, stehe keinerlei Recht zu, über den Kommunalwald mitzureden.

1970/71

Ab 1970 besucht das 5. Und 6. Schuljahr die Volksschule Bad Salzig.

Am 14.07.1971 wird die hiesige Schule geschlossen. Genau 21 Jahre und 2 Monate war ich nun Lehrer in Weiler. Wenn ich auch viel Arbeit hatte, so war`s doch sicher die beste Zeit meines Lebens

Hermann Schulz

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