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Kriegsende in Weiler
1945
Am 16. März 1945 gegen 18:00 Uhr
rückten die amerikanischen Kampftruppen mit 3 schweren Panzern und
mehreren Fahrzeugen in Weiler ein. Drei Tage vorher sollte der Weilerer
Volkssturm, bestehend aus dem Volkssturmführer Herr Zorn und sieben Mann,
über den Rhein abrücken. Die sieben Volkssturmmänner zogen es aber vor,
vielleicht auf Anraten ihrer Ehefrauen, statt mit Gewehren und Patronen,
mit Decken und Verpflegung sich in einem undurchdringlichen Teil des
Waldes zu verbergen. Der Anführer ging also allein nach der anderen
Rheinseite, wurde später von den Amerikanern gefangen und kam in ein
Kriegsgefangenenlager in der Normandie. Dort musste er ½ Jahr bleiben. Die
sieben anderen ergaben sich am Roten Kreuz den amerikanischen
Kampftruppen, die von der Fleckertshöhe anrückten. Die Amerikaner ließen
sie kurzerhand auf die Panzer aufsitzen und kamen mit ihnen ins Dorf. Dort
hatten eine Stunde vorher 2 Kompanien der Waffen-SS Weiler verlassen. Ihr
Kommandant hat sich am Ziehbach erschossen.
Vor dem Einmarsch der Kampftruppen
hatte man Hitlerfahnen und Bücher, die von Hitler und seiner Zeit
berichteten, verbrannt. Auch die Schulbücherei verschonte man nicht. Dabei
fiel auch die Schulchronik den Flammen zum Opfer. Vielleicht hatte ein
übereifriger Lehrer darin Eintragungen vorgenommen, die man lieber den
Flammen als den anrückenden Amerikanern anvertraute. Jedenfalls verdanke
ich es dem Umstand, dass ich nun fast 5 Jahre dazu brauchte, um in meiner
Freizeit alles für diese Schulchronik zusammenzutragen. Dazu waren auch 2
Ermahnungen von Herrn Schulrat Zensen notwendig.
Die Weilerer Bevölkerung hatte sich
im Dorfe, beim Hause der Wwe. Fleischhauer einen Bunker in den Felsen
gesprengt. Dorthin waren alle Einwohner geflüchtet. Man hatte eine weiße
Fahne vor dem Bunker angebracht und harrte mit Angst und Schrecken der
Dinge, die da kommen sollten. Beim Erscheinen der Panzer ging Herr
Karbach, unser damaliger Bürgermeister, den Amerikanern entgegen. Es fiel
kein Schuss. Nach Erkundigung der Lage wurden die beiden Weilerer Soldaten,
die sich gerade im Urlaub befanden, festgenommen und am nächsten Tag in
ein Kriegsgefangenenlager gebracht. Es waren Toni Bender, der den Amis in
Uniform mit EK I entgegentrat und Ludwig Börsch. Beide sind aber wieder
heimgekehrt. Am gleichen Abend mussten die Waffen abgeliefert werden, die
teilweise im Besitz der Leute von Weiler waren und auch teilweise von den
abrückenden Soldaten stammten. Am anderen Tag hatte die Zivilbevölkerung
schon drei Stunden Ausgang und zwar von 8:00 Uhr bis 9:00 Uhr, von 12:00
Uhr bis 13:00 Uhr und von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Jeder durfte in sein
Haus zurück.
14 Tage später mussten sich sämtliche
Einwohner im Hofe des Herrn Karbach einfinden, wo sie registriert wurden.
Die Amerikaner suchten besonders nach Kriegsverbrechern und Nazis. In
Weiler gab es aber keine berühmten und berüchtigten dieser Sorte, trotzdem
auch hier einige Männer wohl mehr aus Angst um Stellung, Beruf und
Fortkommen als aus Überzeugung der SA angehörten. So konnten alle hier im
Dorf bleiben.
Die amerikanischen Truppen gingen
hier mit Granatwerfern und schweren Maschinengewehren in Stellung. Die
Panzer rollten weiter nach Bad Salzig und Boppard. Nach den Kampftruppen
lagen 14 Tage lang 60 amerikanische Soldaten hier. Nach 8 Tagen wurde
erste die andere Rheinseite eingenommen. Dann zogen die Amerikaner nach
Bad Salzig. Bei diesen Truppen waren auch erstmals Neger dabei. Im
allgemeinen benahmen sich die Soldaten anständig gegen die
Zivilbevölkerung. Die große Registrierung wurde durchgeführt und jeder
Einwohner bekam eine Registrierkarte mit seinem Daumenabdruck. War jemand
in der SS, SA, HJ oder einer sonstigen Formation, so wurde das vermerkt.
Nach einiger Zeit wurden die
Amerikaner von französischen Truppen abgelöst. In den Hotels von Bad
Salzig lagen als Besatzung 1 Kompanie und 1 Stab. Wegen der Naturalabgabe
wurde Weiler und Bad Salzig ein Platzkommandantenbereich. Der franz.
Küchenchef verlangte im Auftrage des Kommandanten pro Woche von Weiler 1 ½
- 2 kg Butter, 1 Zentner Kartoffeln und in erträglichen Grenzen Gemüse,
Obst und Eier. Ein Jahr musste Weiler diese Abgaben entrichten. Das die
Forderungen nicht größer waren, können die Weilerer nur ihrem
Bürgermeister Karbach verdanken, der am 2.4.1945 Bürgermeister geworden
war und mit den Franzosen geschickt verhandelte.
Der Krieg hatte viele Landstriche,
Städte, Dörfer und Verkehrswege zerstört. Dazu waren viele Menschen
heimatlos geworden. Mit ihnen bevölkerten Vagabunden und Verbraucher die
Straßen und machten diese unsicher. Hunger und Elend waren entsetzlich.
Viele Städter kamen nach Weiler, um ihre wenige Habe bei den Kleinbauern
gegen Esswaren einzutauschen. Das Geld war längst wertlos geworden. Die
nichts zum Tauschen hatten, die stahlen wo sie nur konnten. So pflückte
ein Weilerer Kirschen. Während des Pflückens stahl man ihm Korb und
Kirschen unter dem Baum weg. Kartoffelfelder und Gärten wurden nachts von
Dieben heimgesucht. Von den Kornkasten, die zum Trocknen auf den Feldern
standen, schnitten dreiste oder hungernde Menschen die Ähren ab. Auf die
einzelnen Gemeinden wurden die Naturalabgaben für die Zivilbevölkerung
umgelegt. So mussten die Bauern noch Schlachtvieh, Milch, Butter, Eier,
Kartoffeln, Roggen, Weizen und Ölfrüchte je nach Größe der Felder abgeben.
Jeder Hof konnte kontrolliert werden. Bonbons, Schokolade, Südfrüchte,
Bohnenkaffee, Tee und viele Dinge bekam man überhaupt nicht zu sehen.
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1948
Am 20, Juni 1948 wurde endlich die
Währungsreform durchgeführt. Besonders hart getroffen waren die Besitzer
von Sparguthaben, weil diese im Verhältnis 100 RM zu 6,50 DM abgewertet
wurden. Für viele war es sehr schmerzlich. Dafür konnte man aber nun über
Nacht für die DM wieder kaufen. Die Lebensmittelkarten wurden abgeschafft,
die Geschäfte füllten sich mit Waren und das Leben begann wieder normal zu
werden
Nachkriegszeit
Wie überall, so wurde auch in Weiler
von der französischen Besatzungsmacht Holz eingeschlagen. Im Weilerer Wald
schlugen französische Arbeitskommandos 2000 Festmeter ein. Das war ein
harter Schlag für die Gemeinde und viele Kahlflächen entstanden. Da in
Deutschland Inflation herrschte, bezahlten die Franzosen das Holz mit der
wertlosen Reichsmark. So wurden viele Gemeinden schwer geschädigt. Weiler
hatte jedoch insofern Glück, dass der Holzeinschlag später getätigt und die
Währungsreform gerade noch rechtzeitig durchgeführt wurde. So erhielt
Weiler für die 2000 cbm Holz 39.000,-- DM.
1949
Auf Beschluss des Gemeinderates wurde
mit diesem Geld 1949 die Dorfstraße gepflastert, die Flurwege größtenteils
mit einer Schotterdecke versehen, der Backes, der zu verfallen drohte,
wurde teilweise erneuert, ein neuer Backofen eingesetzt, ein neuer
Backtisch angefertigt und die Schule frisch gestrichen. Das Jahr 1949
schließt im Haushaltsplan der Gemeinde mit der Nachkriegsrekordsumme von
38.391,-- DM in Einnahmen und Ausgaben.
1950
Am 6.3.1950 kaufte die Gemeinde von
der Erbengemeinschaft Mallmann den Dorfplatz. Er ist 1 Ar groß und kostete
400,-- DM. Außerdem ging man daran, die Kahlschläge, die die Franzosen
geschlagen hatten, wieder aufzuforsten. An die Bezirksregierung zu Koblenz
richtete man durch den Herrn Schulrat Himstadt in Boppard die Bitte, einen
Lehrer zu versetzten, der die instand gesetzte Wohnung beziehen sollte, da
seit Jahren kein Lehrer mehr in Weiler ansässig war, weil eben die Wohnung
fehlte. So wurde ich, Lehramtswärter Hermann Schulz, geboren am 19.11.1924
in Koblenz-Horchheim, am 15.5.1950 von Langscheid bei Oberwesel nach
Weiler versetzt.
Die Wohnung bestand aus Küche und 2
Zimmern. Die Miete dafür betrug 25,-- DM. Später bekam ich die Räume im
Erdgeschoß dazu. Jetzt zahlte ich eine Monatsmiete von 43,-- DM. Heute
(1964) bewohne ich die Lehrerdienstwohnung in der neuen Schule und zahle
für Küche, Bad, 5 Zimmer und Garten eine Monatsmiete von 96,-- DM.
Am 24.8.1950 erhielt der Sportverein
Felder, die zuvor Hans Bach erworben hatte und dem Verein schenkte, auf
dem „Dünchen“ und richtete einen Sportplatz her. Der Weilerer Sportverein
blau-weiß erhielt von der Totozentrale Koblenz dazu eine Beihilfe von
1.500,-- DM. Irrtümlich zahlte die Totogesellschaft gleich zweimal. Es war
schnell verausgabt und die Zurückzahlung unterblieb. Die Mitglieder des
Sportvereins ebneten kostenlos die Felder ein und richteten den Sportplatz
her. Auch die Schuljugend beteiligte sich an diesen Arbeiten.
Der Frondienst wurde abgeschafft, da
die Männer Geld verdienen mussten und daher ihre Frauen oder ihre größeren
Kinder zum Frondienst schickten. So brachte der Frondienst zwar für die
Familien keinen Schaden, für die Gemeinde aber auch keinen Nutzen.
Für 10.000,-- DM wurde die Dorfstraße
im Ortsteil Fleckertshöhe und die Zufahrtswege mit Mayener Schotter
ausgebaut, dazu die dortige Kapelle instand gesetzt und das Türmchen neu
errichtet.
1951
Baute die Gemeinde den Weg zum
Landhaus Rheinberg aus. Herr Wuppermann der Besitzer des Landhauses, gab
der Gemeinde als Beihilfe 17.500,-- DM für dieses Vorhaben.
Das Fest der Goldenen Hochzeit
feierten Philipp Bach und seine Frau Christine, geb. Krautkrämer. Abends
brachte der Kirchenchor, dem der Jubilar lange Zeit angehörte, unter
Leitung seines Dirigenten, Herrn Karbach, dem Jubelpaar ein Ständchen. Das
ganze Dorf war vor dem Hause des Jubelpaares versammelt und freute sich
mit den zahlreichen Verwandten und Gratulanten.
1952
Wurde ein ganz neuer Backesofen
eingemauert. Fast alle Familien buken zu dieser Zeit noch selbst ihr
tägliches Brot. Wenn die Mittagsglocke läutete, kamen die Frauen, die am
nächsten Tage backen wollten, vor dem Backhaus zusammen und losten die
Reihenfolge der Backzeit aus. Es war keine Seltenheit, dass der Backes von
morgens um 5:00 Uhr bis spät in abends in Betrieb war. Vor hohen Festtagen
wurde sogar nachts durchgebacken und scherzhaft konnte man annehmen, dass
man an solchen Tagen Weiler mit Kuchen zudecken konnte. Jedenfalls bringt
kein Bäcker heute solch gutes Brot zum Verkauf als damals die Leute selbst
buken. Heute (1964) sieht man nur noch ganz selten jemanden, der sich sein
Brot noch selbst backt und das tut eigentlich ein bisschen weh. Man hat
halt keine Zeit mehr und beim Bäcker kauft es sich bequemer.
Die Lehrerin Frl. Hildegard Hesch kam
als 2. Lehrerin nach Weiler. Heute ist sie Lehrerin in Bad Salzig, mit dem
Schuhmacher Albert Schladt verheiratet und hat 2 Kinder.
1952 war unsere Kirche zu klein
geworden und fasste an den Sonn- und Feiertagen nicht mehr die Gläubigen.
Insbesondere die Männer, die ja immer hinten standen, fanden keinen Platz
mehr. Deshalb beschloss man, die Kirche 6 Meter zu verlängern. Dabei wollte
man auch gleich eine Warmluftheizung einbauen. Bei den
Ausschachtungsarbeiten stieß man auf ein Massengrab, in dem die Skelette
in großer Zahl und dicht gedrängt und kreuz und quer übereinander lagen.
Der ehemalige Vorsteher Anton Bender glaubte, es sei das Pestgrab, von dem
ihm noch seine Urgroßeltern erzählt hätten. Im 15. Jahrhundert habe die
Pest Weiler fast entvölkert, so hätten hier die schwarzen Pocken gewütet
(vielleicht lässt sich daraus erklären, dass niemand mehr von Schloss
Wiesenstein weiß. Heute noch heißt ein Flurteil in der Nähe des
Schlossgrabens und dem vermutlichen Standort des Schlosses „Parrb“
(Pfarrhof).
Mit dem Kirchenbau riss man auch die alte
Sakristei ab und baute eine geräumigere an dieselbe Stell.
Die Maul- und Klauenseuche brach im
Orte aus. Vier Gehöfte waren von dieser schrecklichen Plage befallen. Es
waren die Familien Mayer, Dorweiler, Rheinbay und Waldforst, in deren
Ställen die Seuche festgestellt wurde. Die 4 Familien wohnten alle
zusammen. Kein Tier durfte mehr aus dem Ort. Selbst Katzen mussten
eingesperrt werden, was für viele schon mehr als ein Kunststück war. Vor
jedem Stalle lagen dicke Säcke, die mit Desinfektionsmittel getränkt
waren. Jetzt putzten sich die Bauersleute sogar fleißig die Schuhe ab,
wenn sie ihren Stall betraten. Äußerste Sauberkeit musste herrschen, wollte
man die Seuche nicht weiter tragen.
Da es kurz vor Weihnachten war und
die Familie Dorweiler sich durch ihr Lebensmittelgeschäft für das Fest
gerichtet hatte, so blieb sie auf den ganzen Waren sitzen. Kaum einer
wagte sich dort einzukaufen, aus Angst es könne sich selbst die Seuche in
den Stall schleppen. Die bedauernswerten Familien wurden in dieser Zeit
wohl mehr gemieden als wenn sie die Pest hätten.
Bei der Familie Mayer gingen auch 2
Rinder an der Seuche zugrunde.
1953
wurde ein weiterer Teil der Dorfstraße
gepflastert. Im Oberdorf versah man die Straße mit einer Teerdecke. Dabei
setzte sich eine schwere Straßenwalze in Bewegung. Der Fahrer konnte nicht
mehr abbremsen und lenkte sie geistesgegenwärtig in den nächsten Hof.
Dieser Hof war aber sehr schmal und so kam die Walze erst im Wohnzimmer
der Eheleute Bröder zum Stehen. Die beiden älteren Leute kamen mit dem
Schrecken davon. Die Walze aber war gebrochen und musste auseinandergebaut
und abtransportiert werden. Den Schaden bezahlte die Versicherung.
In diesem Jahr versah der Kreis die
Straße von Bad Salzig nach Weiler mit einer Teerdecke. Endlich verband
eine feste Straße Weiler mit der Außenwelt. Früher konnte man nur durch
die Hohl Weiler erreichen. Das war ein steiler, enger und oft schlammiger
Hohlweg, den ein Auto kaum schaffen konnte. Wehe, wenn sich zwei Fuhrwerke
begegneten, denn keins konnte am anderen vorbei. Auf diesem Weg wurden die
Baumaterialien nach Weiler geschafft. Nur Ochsen zogen die schweren Wagen
bergauf.
1954
Die Wasserleitung, die der Vorsteher
Anton Bender 1929 hatte legen lassen, brachte schon längere Zeit nicht
mehr genügend Wasser. Da aber am Überlauf der Quelle viel Wasser abfloss,
musste die Zuleitung oder die Dorfleitung gebrochen oder verstopft sein.
Deshalb ließ die Gemeinde die Rohre säubern. Dabei wurde an verschiedenen
Stellen der Boden aufgegraben, die Wasserleitung angeschnitten und ein
starkes Drahtseil mit einem Bohrkopf durch die Leitung gezogen. Dabei
stellten die Arbeiter fest, dass sich die Rohre im Laufe der Zeit mit Rost
fast zugesetzt hatten. Auch fand man Rohrbrüche und an einer Stelle waren
sogar Baumwurzeln in die Rohre eingedrungen (wahrscheinlich infolge eines
früheren Bruches).
Das ganze Dorf hatte so längere Zeit
kein Wasser und somit kam der Dorfbrunnen wieder zu hohen Ehren. Tag und
Nacht standen die Leute mit Eimern und Kesseln an schleppten das
notwendige Nass für Mensch und Vieh nach Hause. Wehe, wenn die Frauen alle
14 Tage große Wäsche hatten. In langer Schlange stand man für 2 Eimer
Wasser an und alle Familienangehörigen mussten fleißig mithelfen. Oft
durfte es einen ganzen Tages, um genügend Wasser vorrätig zu haben. Man
wollte ja nicht nur alleine Wasser holen. Die Arbeiten dauerten fast 2
Monate. Nachher floss das Wasser zwar reichlicher, doch für den gestiegenen
Bedarf langte es immer noch nicht (In einige Häuser waren erstmals
Badewannen installiert worden). Das Problem war als damit nicht ganz
gelöst.
In diesem Jahr forderte der Verkehrstod
zwei Opfer von Weiler. Anna Maria Dormann, eine Tochter des Verwalters von
Haus Rheinberg, kamen bei einem Autounfall auf der Hunsrückhöhenstraße ums
Leben. Georg Minning verunglückte auf der Moselstraße tödlich.
Auf der Fleckertshöhe kaufte Gastwirt
Busjan das Berghotel und eröffnete wieder eine Gastwirtschaft.
1955
Der Winter herrschte hier mit strengem
Frost und Unmassen Schnee. 20° - 23° Kälte wurden im Ort gemessen. Fast
alle Nussbäume im Dorf erfroren. Lange blieb der hohe Schnee liegen. Die
Schulkinder von Fleckertshöhe fuhren mit ihren Schlitten zum Unterricht.
Viele Leute gingen mit Ketten oder Seilen in den Wald und schleppten wegen
der grimmigen Kälte Brennholz nach Hause.
Goldene Hochzeit feierten die Eheleute
Kunz („Reich-Kunz“) wohnhaft auf der Fleckertshöhe.
1956
eröffnete der Schreinermeister Helmut
Waldforst seine Schreinerei. Leider schloss der tüchtige Schmied Franz Thum
seine Werkstatt. Die Weilerer Landwirte mussten nun ihre Arbeitsgeräte beim
Schmied in Bad Salzig schärfen und in Ordnung bringen lassen.
Erstmalig schafften sich 4 Familien
Traktoren für die Felsarbeit an. Den ersten Traktor besaß Herr Peter
Rheinbay. Etwas später kauften sich die Familien Bender, Karbach und
Gilbert gleichfalls Traktoren.
Für 4.600,-- DM erhielt unsere Küche
neue Bänke. Gleichzeitig wurde von einem Bopparder Orgelbauer eine neue
Orgel erworben.
Die Dorfstraße besserte man aus und
ein weiterer Teil versah man mit einer Teerdecke. Auf der Fleckertshöhe
begann die Post mit dem Bau einer Fernsehstation.
Im Spätsommer brannte das Haus der
Familie Kasper (Fleckertshöhe) fast ganz ab. Der Besitzer war aber zum
größten Teil versichert, so dass die Versicherungsgesellschaft für den
Schaden aufkam.
1957
Endlich wurde auch einmal etwas für
die Schule getan. Der Schulsaal erhielt einen neuen Anstrich und eine
Neuwieder Schulmöbelfabrik brachte eine neue Wandschiebetafel an. So
konnten wir die alten Tafeln, die noch auf Holzgestellen ruhten und dazu
leicht umfielen, endlich abschieben. Für den Handarbeitsunterricht
bewilligte der Gemeinderat 400,-- DM zum Ankauf einer Nähmaschine.
Die Salziger Firma Kahl baute die
Bruchsteinmauer hinter der Kirche für 8.200,-- DM.
Erstmals wurden in Weiler Drillinge
geboren. Die Frau des Schrankenwärters Willi Bröder schenkte drei gesunden
Buben das Leben. Das ganze Dorf nahm Anteil an diesem Ereignis. Mutter und
Kinder sind wohlauf. Prächtig wachsen die drei Buben heran. 1963 wurden
alle drei eingeschult.
Der Gemeinderat beschließt, die
Jahrespauschale für den Wasserverbrauch von 8,-- DM auf 12,-- DM pro Haus
zu erhöhen.
In diesem Jahr hat Weiler nach dem
Haushaltsplan an Einnahmen 83.317,12 DM und an Ausgaben 79.432,43 DM. Es
bleibt ein Überschuss von 3.884,69 DM
Beschlossen wird, den Brandweiher,
der neben der Gastwirtschaft Rheinbay lag, einebnen zu lassen.
Gleichzeitig überlässt man dem Schifferverein 25 m2 zum Bau eines
Schiffermastes. Dafür muss der Verein eine jährliche Anerkennungsgebühr von
0,50 DM an die Gemeinde zahlen.
Da die Einwohner von Fleckertshöhe
immer noch keine Wasserleitung besaßen, beschloss man erstmals dort nach
Wasser zu schürfen. Diese Schürfkosten betrugen 2.197,27 DM.
Die Schulreinigung wurde neu
vergeben, da die Wwe. Gertrud Krambrich ihr Arbeitsverhältnis zum
31.10.1957 kündigte. Auf die öffentliche Bekanntmachung meldete sich aber
niemand, der fortan die Reinigung übernehmen wollte. Auf die Bemühung des
Vorstehers hat sich schließlich Frl. Elisabeth Bach bereiterklärt, ab
1.11.1957 die Schulreinigung für eine Jahresentschädigung von 600,-- DM zu
übernehmen. Darüber hinaus hat die Gemeinde die Sozialversicherung zu
zahlen. Der Gemeinderat erklärte sich mit dieser Regelung einstimmig
einverstanden. Mit Rücksicht darauf, dass die vorstehende Vergütung mehr
als das Doppelte der bisher an Frau Krambrich bezahlten Vergütung beträgt,
beschließt der Gemeinderat dieser Frau als Anerkennung für ihre
langjährige Arbeitsleistung eine einmalige Zahlung von 300,-- DM zu
leisten.
1958
In der Sitzung vom 31.1.1958
beschließt der Gemeinderat den Bau eines Backhauses auf der Fleckertshöhe.
Die Arbeiten werden wie folgt vergeben:
1.
Erd- und Maurerarbeiten Baugeschäft Kühn,
Buchholz 3.866,70 DM
2.
Zimmer- und Schreinerarbeiten Heidesäge Jak. Vogt,
Buchholz 862,20 DM
3.
Dachdecker- und Klempnerarbeiten Ww. Anton Staaden, Boppard
581,40 DM
4.
Backofen Herbert Schlich, Bell, Kr. Mayen
937,00 DM
5.
Die Anstreicherkosten werden geschätzt
auf 150,00 DM
6.
Die unvorhergesehenen Ausgaben sind zu beziffern auf
402,70 DM
6.800,00 DM
Nachdem der Gemeinderat die Kosten
für das Kriegerdenkmal bewilligt hatte, lieferte dies die Firma Karl
Schneider aus Würzburg für einen Preis von 1.100,00 DM. Für die
Transportkosten zahlte Weiler 237,60 DM. Am 30.11.1958 fand die Einweihung
statt.
Heuer setzte sich der Schuster Kleemann
zur Ruhe und die Weilerer müssen ihre Schuhe zum Flicken nach Bad Salzig
tragen.
Das Wirtschaftswunder geht auch an
Weiler nicht spurlos vorüber. Als ich 1950 nach Weiler kam, besaß nur eine
Familie ein Lastauto, Personenautos, Traktoren, Einachsschlepper,
Motorräder, Mopeds, Fernsehgeräte, Waschmaschinen, Kühlschränke,
Staubsauger und elektrische Öfen fehlten vollkommen.
Heute sieht die Sache schon anders
aus. Am 15.12.1958 besaßen die Weilerer: 2 Lastautos, 15 Personenautos, 7
Traktoren, 12 Einachsschlepper, 13 Motorräder, 7 Mopeds, 8 Fernsehgeräte,
außer 2 Familien besaßen alle ein Radio, 12 Waschmaschinen, 10
Kühlschränke, 20 Staubsauger und 54 elektrische Öfen. Dazu entstanden 11
neue Wohnhäuser und 34 Familien bauten ihre Häuser um oder an.
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Preistafel 1958 in Kg (Dez. 1958
1 kg Butter
6,80 DM 1 kg Linsen 1,20 DM
1 kg Margarine
2,04 DM 1 kg Salz 0,40 DM
1 kg Weißmehl
0,98 DM 1 kg Zucker 1,22 DM
1 kg Schmalz
3,20 DM 1 kg Bohnenkaffee 24,00 DM
1 kg Rinderfett
1,00 DM 1 kg Malzkaffee 2,20 DM
1 kg Speck
4,40 DM 1 kg Haferflocken 0,90 DM
1 kg Schweinefleisch 5,00
DM 1 kg Gemüsenudeln
1,40 DM
1 kg Ochsenfleisch
5,00 DM 1 kg Reis 0,90 DM
1 kg Kalbfleisch
5,60 DM 1 kg Bananen 0,98 DM
1 kg Erbsen
0,90 DM 1 kg Apfelsinen 0,95 DM
1 kg Bohnen
1,20 DM 1 kg Mandarinen 1,10 DM
1 kg Brot (3Pfd.)
1,10 DM 1 Tafel Schokolade 1,00 DM
1 l
Öl 1,50 DM
1 l Milch
0,43 DM
1 Moped
600,00 DM
1 Fernsehgerät
1.150,00 DM
1 l
Essig 0,60 DM 1 Motorrad
1.884,00 DM
1 l Wein 2,20 DM 1 Gogo (Auto) 3.300,00 DM
1 l Kognak
12,50 DM 1 Mercedes 10.000,00 DM
1l
Likör
6,50 DM
Auch in Weiler wird das Wasser knapp.
So schürften die Weilerer selbst nach Wasser. Auch ein Wünschelrutengänger
wurde bemüht.
1958
Erntebericht
Kirschen erbrachten eine mittelgute
Ernte. Das Pfd. Kostete 28 – 5 Pfg. Die Erdbeerernte war verregnet. Der
Preis betrug 0,75 DM – 1,18 DM. Äpfel und Birnen erbrachten Rekordernte
(Preis 3 – 15 Pfg. je Pfund). Weinberge brachten mehr Quantität als
Qualität (1 Kg – 0,56 DM). 1 Zentner Kartoffeln kostete 7,50 DM.
1959
Beginn der Ausschachtungsarbeiten zur
Verlegung der Fleckertshöher Wasserleitung. Den Auftrag übernimmt die
Firma K. und P. Monnerjahn aus Emmelshausen zu einem Preis von 74.708, 66
DM.
Das Jahr brachte eine große Hitze und
eine Dörre, wie sie seit langem nicht mehr festgestellt wurde. Der Rhein
führte nur noch wenig Wasser. Die Schiffe mußten in Bad Salzig geleichtert
werden. Die Wiesen verbrannten, die Kartoffeln blühten ununterbrochen und
die Erdbeeren vertrockneten an den Pflanzen. Einzig die Winzer freuten
sich auf die Qualitätsernte.
Auch in Weiler wurde das Wasser
knapp. Deshalb wurde das Wasser abwechselnd für´s Ober- und Unterdorf
angestellt. Der Dorfbrunnen brachte aber noch immer Wasser und war von
früh bis spät belagert. In den Gärten vertrocknete das Gemüse. Gießen war
bei Strafe verboten. Da fasste Weiler den Entschluss, die Quelle „in der
grünen Wiese“ zu fassen. Die Hauptquelle dort brachte noch bei der
anormalen Trockenheit in 30 Sek. 8,5 l Wasser, die Nebenquelle brachte in
10 Sek. 0,5 l Wasser. Pro Tag brachten beide also 28,8 cbm.
Die Altanlage lieferte zur Zeit noch
17 cbm pro Tag. Damit würden dann 45,8 cbm/Tag zur Verfügung stehen. Der
Wasserverbrauch beliefe sich ungefähr für Weiler auf 30 cm/Ta. Somit sei
die Wasserversorgung auf absehbare Zeit sichergestellt. Die Kosten der
Quellenfassung wurden auf etwa 30.000,-- DM veranschlagt.
Der Haushaltsplan wird immer größer
in Einnahmen und Ausgaben. In diesem Jahr beträgt beides 265.000,-- DM.
Trotzdem beschließt der Gemeinderat wegen der unzureichenden
Wasserversorgung in diesem Jahr nur ein Pauschalbetrag von 6,00 DM je
Familie festzusetzen.
Bei der Hitze konnte es auch nicht
ausbleiben, dass Waldbrände entstanden. Auch der Weilerer Wald wurde in
Mitleidenschaft gezogen. Die „Buchlay“ stand 8 Tage in Flammen. Der
Verwalter des Hauses Trift machte auf seiner Wiese ein Feuerchen und in
kurzer Zeit stand die Buchlay in Flammen. 6 Hektar Niederwald und Hecken
fielen dem Brand zum Opfer. Die Feuerwehren der Nachbarorte Bad Salzig,
Boppard und St. Goar eilten herbei, die Einwohner des ganzen Dorfes liefen
zur Brandstelle und nur mit Hilfe der Bundeswehr konnte man den Brand
unter Kontrolle bringen. Noch heute (1964) zeugen verbrannte Baumstümpfe
von dieser Katastrophe.
1960
In diesem Jahr wurde die Wasserleitung
auf der Fleckertshöhe in Betrieb gesetzt.
In der Kirche wurden die neuen Stationen
angebracht.
Die alte Straßenbeleuchtung wurde
erneuert und erweitert.
Zur Schuleinweihung stiftete die
Landesregierung der Schule ein neues Rundfunkgerät (Nord-Mende-Parzifal).
Von der Schuleinrichtung habe ich bereits auf einer vorherigen Seite
berichtet.
Die Neuwahl des Gemeinderates und des
Bürgermeisters fand statt. Neuer Vorsteher von Weiler wurde Herr Willi
Krambrich.
1961
Erstmals konnte man nun von Weiler
nach Bad Salzig mit einem Linienbus, der im Auftrag der Bundesbahn
verkehrte, fahren. Für viele, besonders für die, die jeden Tag Boppard
oder Koblenz zur Arbeit mussten, bedeutet das eine große Erleichterung. Der
Bus fährt zweimal frühmorgens, einmal um 14:00 Uhr und kommt abends
dreimal nach Weiler.
Weiler beteiligt sich auch an dem
Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und errang auch gleich einen
achtbaren Preis. Der Dorfplatz wurde in Ordnung gebracht. Die
Gemeindeverwaltung stellte dort zwei Ruhebänke auf und pflanzte die
Dorflinde. Bänke wurden ebenfalls an der neuen Straße, auf der Ziehlay,
dem Vierseenblick und am Roten Kreuz aufgestellt.
Die Schule bekam ein Tonfilmgerät
„Siemens 2000“ für 2.662,80 DM.
Auf der Fleckertshöhe wurden die
Kanalisationsarbeiten in Angriff genommen.
Witterungsschäden beeinflussten den
Obstmarkt.
Durch die anhaltenden hohen
Niederschläge – bis Mitte Juni waren es 163,1 mm, im zwanzigjährigen
Mittel für den ganzen Monat Juni 78,8 mm – leidet nicht nur der im Kreis
gut eingeführte Fremdenverkehr, sondern auch die Marktlage in der
Landwirtschaft, im Obst- und Gartenbau.
Neben dem starken Unkrautwuchs zeigen
Rüben und Kartoffeln eine recht dürftige Entwicklung. Die bis nahe der
Reifezeit viel versprechenden Erdbeer- und Kirschenbehänge sind durch
Fäulnis und Schimmelerkrankungen so stark zurückgegangen, das nur ein
Bruchteil der berechtigten Hoffnungen Wirklichkeit werden konnte.
Ein Blick in die Erdbeer- und
Kirschenstapelungen in den Versteigerungshallen zeigt, das bei aller
Ungunst der Witterung, die Obsterzeuger sich alle erdenklichen Mühe geben,
den strengen Sortierungsbestimmungen nachzukommen.
Vergeblich suchen wir bei den
mittelfrühen Kirschen, die vor Jahren neu eingeführten größeren
Kirschensorten wie: Bigarreau, Kassins Frühe u.a. in den Markthallen. Die
hielten derartige Niederschläge nicht aus. Die Früchte platzen und sind
marktunfähig. Das Ernten dieser Sorten ist zwecklos.
Die Sorten Geisepitter und Simonis
fallen all dem Regen in der Qualität noch recht gut aus. Besonders
verdient die dunkle Simonis als robuste und unempfindliche Kirschensorte
in unserem Anbaugebiet mit gutem Preis herausgestellt zu werden. Eine
Tatsache, die es künftigen Veredlungen stärker zu beachten gilt.
Die späteren Kirschensorten dürften
keine größeren Witterungsschäden genommen haben. Sie versprechen bei
Wetterbesserung die Entwicklung einer guten Qualität als Einmachware
Die wärmebedürftige Erdbeere bringt
neben Fäulnis häufig Fruchtverkrüppelungen, die auf nasskalte Witterung
zurückzuführen sind.
Im Garten laufen die Bohnen vielfach
schlecht auf oder werden stark von Nacktschnecken angenagt. Ohne
Verwendung von Schneckenkorn sollte man keine Bohnen nachlegen. Die trifft
sinngemäß auch für andere empfindliche Gartenkulturen zu. Hauptanbausorten
der Erdbeeren von Weiler sind: Senga Sengana, Soldwedel und Regina.
Alte Kirschsorten heißen
Nagelschmieds, Häppches, Molkekirschen, Kesterter und dicke Schwarze.
Außerdem findet man vielfach noch die
Straßenkirschen oder Niederlahnsteiner, Geisepittersch, Simonis, schwarz
Harte und helle Harte. Neu hinzugekommen sind Bigarreau, Hedelfinger, die
Kaiserkirsche und verschiedene Arten von Sauerkirschen.
1962
Findet die Gründung der neu
aufgestellten Feuerwehr statt,
In diesem Jahr wurde die Quelle in
der „Grünen Wiese“ gefasst und an das Weilerer Versorgungsnetz
angeschlossen. Gleichzeitig installierte man in jedem Hause Wasseruhren.
1 cbm kostet jetzt 50 Pfennig. Dazu ist eine Messermiete von 6,00 DM
jährlich zu entrichten. Die Wasserknappheit ist seit dieser Zeit behoben.
Der Lebensstandard der Weilerer steigt
von Jahr zu Jahr. Hier eine kleine Übersicht.
Die Weilerer besaßen:
4 Lastkraftwagen 40
Kühlschränke
37 Personenwagen 30 Fernsehgeräte
17 Traktoren 19
Telefongeräte
14 Einachsschlepper 43 Staubsauger
15 Motorräder 86
elektrische Öfen 25
Mopeds 16 Gasöfen
51 Waschmaschinen 38 Bäder
Auch die Verbindungsstraße Bad
Salzig-Weiler-Rheinbay-Holzfeld wird fertig gestellt. Fahrplanmäßig
verkehrt ein Bus auf dieser Strecke.
Die Gemeinde schafft Blumenkästen an
und verteilt sie kostenlos an die Hausbesitzer. So wurde unser Dorf bald
ein Kleinod an Ordnung, Sauberkeit und Blumenschmuck.
Der Müll wird alle 14 Tage
abgefahren. Allmählich verschwinden auch die kleinen und großen
Müllabfallstellen am Rande des Dorfes.
Pfingsten 1962 findet unter großer
Beteiligung der Schiffervereine unserer Umgebung die Einweihung des
Schiffermastes statt. Für Weiler war das ein Volksfest. Jung und alt war
auf den Beinen. Die Mitglieder des Vereins hatten manche freie Stunde für
diesen Tag geopfert.
Der Sportverein erneuert den Zaun um den
Sportplatz.
Auf der Fleckertshöhe gingen die
Arbeiten weiter. Nach der Kanalisation musste die Straße eingeebnet und
geteert werden. Für die Bewohner war das eine üble Zeit, konnte doch im
Herbst und Frühjahr kein Mensch mehr die Dorfstraße benutzen, ohne gleich
bis zu den Knien im Schlamm zu stecken.
Am Dorfrand von Fleckertshöhe
siedelte der Landwirt Jakob Kasper. Er baute dort einen großen Hof mit
einem netten Wohnhaus. Dabei wurde er aus den Mitteln des „Grünen Planes“
unterstützt. Sein Haus im Dorf verkaufte er.
Für die Schule wurden Turngeräte
angeschafft (1 Jugendbarren, 1 Kasten, 2 Sprungständer, 1 Sprungbrett,
verschiedene Bälle und Seile). Diese Geräte kosteten 1.728,90 DM.
Die Weilerer Jagd wurde neu
verpachtet. 1952 hatte sie Lothar Fannei für 800,-- DM Jahrespacht und
vollem Wildschadenersatz für 9 ½ Jahre gepachtet. An Wildschaden zahlte er
durchschnittlich 1.000,- DM pro Jahr.
Neu Pächter wurden nun ab 1.4.1962
Karl Hofmann und Architekt Johann Schulze-Beuthner, beide aus
Köln-Lindenthal. Sie ersteigerten die Jagd für 8.250—DM und 300,-- DM
Forstwildschaden pro Jahr auf die Dauer von 9 Jahren. Auch sie leisteten
bei dieser hohen Pachtsumme noch vollen Wildschadenersatz, der im 1. Jahr
ebenfalls 1.000,-- DM betrug, heute aber nur noch 250,-- DM jährlich
ausmacht.
Der Sportverein spielte erstmals
wieder in der C-Klasse. Längere Zeit hatte der Verein wegen Spielermangel
darauf verzichten müssen.
1963
Wurde die Kirche zu Weiler renoviert.
Eine Dorfsammlung sollte das nötige Geld erbringen. Durchschnittlich
spendete jede Familie 40,-- DM. Dafür wurde das Gotteshaus in einen
würdigen Zustand gebracht. Der Innenanstrich war mehr als notwendig
gewesen. Er wurde von den beiden Weilerer Malern Zorn und Vickus
ausgeführt.
Auch das Heiligenhäuschen auf dem „Dienchen“
erhielt einen neuen Anstrich und das Dach wurde ausgebessert. Neue
Kommunionbänke wurden angeschafft, ebenfalls neue Schränke für die
Messgewänder gekauft. Auch eine neue Lampe für`s „Ewige Licht“ konnte
erworben werden.
Der Gemeinderatbehandelte den
Bebauungsplan auf dem „Bungert“ und dem “Buchstiefel“. Letzterer liegt auf
der Fleckertshöhe. Endlich hatte man Wasser genug und konnte somit den
Bauvorhaben der Einheimischen und Fremden entgegenkommen.
Seitenanfang
1964
Die Hunsrückhöhenstraße
Vor 25 Jahren wurde mit ihrem Bau
begonnen. Sie sollte als Aufmarschstraße gegen Frankreich dienen. Ihre
Ausführung wurde „streng geheim“ gehalten. Hermann Göring gab damals den
Befehl „In 4 Monaten muss die Straße fertig sein“. Sie war es auch.
Schon an der Moselbrücke in Koblenz
steht ein gelbes Hinweisschild: „Zur Hunsrückhöhenstraße“. Und wenn man
von der anderen Seite, von Westen herkommt, begegnet man diesen Schildern
überall, in Saarbrücken, in Saarburg und Trier: „Zur Hunsrückhöhenstraße“.
Sie zerschneidet den Hunsrück zwischen der nördlichen Hochfläche und den
südlichen Bergzügen in zwei ungleiche Teile und stellt die kürzeste,
schnellste und beste Verbindung vom Rhein zur Saar, von Koblenz nach
Trier, ja sogar vom Industriegebiet an der Ruhr zu dem
saarländisch-lothringischem Revier.
Etwa 120 km ist sie lang, diese B
327. Sie zieht sich als dunkles Band über die Höhen des noch vor 25 Jahren
als unwegsam verschrienen Gebietes zwischen Saar und Rhein, Mosel und
Nahe, umgeht nahezu alle Ortschaften und behält in fast gerader
Linienführung ihre Richtung bei. Heute dürfte sie eine der am meisten
befahrenen Fernverkehrstraßen Westdeutschlands sein. Chromglitzernde
Straßenkreuzer, schwere Lastkraftwagen und Zugmaschinen, Sattelfahrzeuge
und Personenwagen in nicht abreißender Folge. Zu manchen Zeiten zählt man
600 in der Stunde; der Durchschnitt des Sommers 1958 lag noch bei 384 in
60 Minuten.
Vor genau 25 Jahren endete ihr Bau.
Man erinnert sich: 1938-39 Kriegsvorbereitungen, Kriegspläne,
Rüstungssteigerungen. Der deutsche Generalstab hat den Aufmarschplan gegen
Frankreich fertig gestellt. Was man noch braucht, ist eine breite, feste
und schnelle Straße über den Hunsrück, geeignet für die Bereitstellung der
Panzerdivisionen und der motorisierten Kolonnen.
Göring befiehlt die Vertreter der
größten deutschen Straßenbaufirmen aus Berlin, Leipzig, München, Breslau
und Essen zu sich, legt ihnen die Pläne für den Bau dieser strategisch
wichtigen Straße vor, fordert ihre Fertigstellung in höchstens 4 Monaten.
Die Baufachleute halten das für unmöglich, lehnen ab. Göring wird massiv:
„Ich mache Sie dafür persönlich verantwortlich!“ Das Unmögliche wird
möglich gemacht. Ingenieure stecken die Linienführung ab. Ganze Wälder
werden abgeschlagen, die Baukolonnen rücken an. Tausende, Zehntausende von
Männern, moderne Maschinen; Geld spielt keine Rolle. Tag und Nacht
rastlose Arbeit, an Dutzenden Stellen wird zugleich angefangen. Nach 4
Monaten ist die Hunsrückhöhenstraße, ein „Meisterwerk deutscher
Straßenbaukunst, eine Straße des deutschen Friedenswillens“ (so Göring bei
ihrer Einweihung), fertig.
Keine Zeitung jener Jahre (auch nicht
die Hunsrücker Zeitung) berichtet über ihren Bau, ihre Fertigstellung und
Eröffnung. Das Vorhaben läuft unter „Streng geheim“.
Dann kommt der Krieg. Nach Westen
rollen Panzertruppen, Artillerie, Pioniere, schwere Heersflak,
marschierende Infantrie, Nachschubeinheiten, Munitionskolonnen,
Kriegsmaterial, vier, fünf Jahre lang. Dann der Rückzug: Zerschlagene
Armeen, von Tieffliegern gejagt, die Reste der russischen Wlassow- und
Hiwi-Einheiten von der Westfront , pferdebespannte Kolonnen, aufgelöste
Divisionen, dezimierte Abteilungen, Tote an den Straßenrändern. Im März
1945 von der Mosel aus dem Trierer Raum her die verstoßenen Truppen der
amerikanischen Invasionsarmee; die Hunsrückhöhenstraße als letzter
deutscher Sperrriegel westlich des Rhein wird zäh von Gebirgsjägertruppen
unter hohen Verlusten verteidigt. Endlich das Kriegsende, die Straße
intakt und verschont, immer noch schön, immer noch gut befahrbar, ohne
Bombenkrater und Beschädigungen. Und die Hunsrückhöhenstraße heute, 25
Jahre nach ihrem Bau? Wenn man in Koblenz die Höhe der Karthause gewonnen
hat, öffnet sich weit der Blick hinab ins Rheintal, hinüber zu den blau im
Dunst verschwimmenden Eifelbergen, voraus zu den Ketten der Hunsrückhöhen.
Soonwald, Idarwald, Hochwald. Stundenlang führt die Straße durch den Wald:
Fichten, Eichen, Buchen, eingestreute Tannenflecken, Ginsterheide,
Schonungen, Douglasien, Mischwald, Wildwechsel, kleine Forsthäuser,
schmale Schneisen, Holzabfuhrwege. Kaum eine zweite deutsche Straße wird
auf solch einer Länge von Waldbegleitet. Auch die Namen mancher
Ortschaften deuten es an: Pfaffenheck, Buchholz, Gödenroth.
Es hat sich nicht viel geändert seit
1600 Jahren, seit jener Zeit, als der Römer Ausonius, Prinzenerzieher
Gratians, am Kaiserhof zu Trier, über den Hunsrück fuhr und Dach seine
Eindrücke indem Preisgedicht „Mosella“ zusammenfasste:
„Waldeinsamkeit umfing mich, verödet sind die Fluren,
und nirgends nah und fern, von Menschenwerk die Spuren,
vorbei gings`s an Dumnissus, verdortt vom Brand er Sonnen,
vorbei auch an Taberuae mit seinen kühlen Bronnen“.
Auch heute noch geht es manchmal an
den gleichen Orten vorbei; die neue Hunsrückhöhenstraße folgt in großen
Teilen der alten Römerstraße über den Hunsrück von Mainz nach Trier und
ihrer Abzweigung nach Koblenz. Reste von Kastellaun, ausgegrabene
Römervillen und Landhäuser, Heiligtümer und Tempel und der Stumpfe Turm
grüßen herüber. Bei Wederath hat man einen keltisch-römischen Friedhof
entdeckt. Mehr als 1000 Gräber wurden freigelegt.
Überall an der Straße begegnete man
Zeugen geschichtlicher Vergangenheit: römische Friedhöfe, römische
Friedhöfe, römische Siedlungen, Orte des fränkischen Trechirgaues, Burgen
der mächtigen Sponheimer Grafen, Festen der Trierer Erzbischöfe,
Schwedenschazen. Nicht weit hinter Kastellaun-Kappel an der linken
Straßenseite ein kilometerlanger Stachel- und Maschendrahtzaun. Wachposten
in Khaki, bunte Schilderhäuschen, Betonpisten und Rollbahneb,
ebenholzschwarze Yankees, Motorengedröhn und heulende Düsenjäger, weiß aus
den Wäldern herüberleuchtende Kasernen, Hallen und Hangars,
Raupenschlepper und Bulldozer auf dem Flugfeld: Air-Base Hahn. Und man
weiß, in den Wäldern abseits der Straße an vielen Stellen Munitionsdepots,
ABC-Kampfstoffeinheiten, Nike-Abschussrampen.
Die Hunsrückhöhenstraße dient noch
dem gleichen Zweck wie einst: von Koblenz aus rollen die
Bundeswehreinheiten zu Übungen und Manövern. Der größte Truppenübungsplatz
links des Rheins
-Baumholder- liegt nicht weit
entfernt. Bei Ellweiler findet man Uranerz. Wer weiß, was der Boden noch
birgt außer dem alten Dachschiefer, den heute niemand mehr haben will.
Panzerkolonnen rattern wie eh und je
über die Straße. Es hat nicht viel verändert seit 25 Jahren, aber auch
nicht viel seit 2000 Jahren: römische Legionäre und Kohorten, fränkische
Krieger, schwedische Söldner, kroatische Reiter, französische
Revolutionsscharen, die Truppen Napoleons, preußische, österreichische und
russische Armeen, die Soldaten der deutschen Wehrmacht, die Amerikaner.
Nur die Art und die Schnelligkeit der Fortbewegung hat sich ein wenig
geändert. Aber das ist alles.
Wald schiebt sich immer wieder bis an
die Straße heran, große, weite, uralte Wälder, dazwischen in Mulden Äcker
und Wiesenflächen, Weideland, kleine verträumte Dörfer, Fachwerkbauten,
Schieferdächer, Weizen-, Kartoffel-, Hafenfelder und Kleebreiten. Manchmal
mündet in die neue Straße in alte Handelswege ein: Händlerstraßen und Wege
der Bronzezeit, Römerstraßen, Salz-, Kohlen-, Pfaffen-, Pilger-, Post-,
Flandern-, Kaffee-, Napoleons-, Prämien-, preußische Provinzialstraßen. Wo
nur ein Stück alter Linienführung verwendbar war, wurde es einbezogen in
die Linienführung der neuen Straße. So ist die Straße zwar neu und doch in
vielen Teilen alt, uralt. Bei ihrem Bau blieb keine Zeit zu umfangreichen
Ausgrabungen, aber man kennt wohl die Stellen, wo der Boden Funde und
Schätze geschichtlicher Vergangenheit birgt.
Die Hunsrückhöhenstraße, die B 327,
hat den heutigen Hunsrück erst erschlossen. Sie bildet die große Verkehrs-
und Lebensader der Landschaft. Schon werden neue Pläne erhoben: der Bau
einer zweiten Hunsrückhöhenstraße aus der Pfalz herkommend über die Nahe,
quer über den Hunsrück zur Mosel und weiter durch die Eifel, so die
Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands enger knüpfend,
die Rheinuferstraße entlastend. Teile dieser Straße sind projektiert,
schon abgesteckt und schon im Bau. Bis zu ihrer Fertigstellung wird
freilich noch Zeit vergehen.
Inzwischen erfüllt die 25jährige
Hunsrückhöhenstraße von Koblenz bis Zerf immer noch gut und gerne ihren
Zweck und ihre Aufgabe: die Landschaft des Hunsrücks zu erschließen, den
Rhein mit der Saar zu verknüpfen, Koblenz, Tier, Saarbrücken und die
Zwischenstationen Emmelshausen, Kastellaun, Morbach und Hermeskeil
miteinander zu verbinden.
Im letzten Stück der
Hunsrückhöhenstraße stehen rechts und links im Westen noch die gesprengten
und geborstenen Bunker des alten Westwalls. Dicht hinter Koblenz, in
Buchholz und Pfaffenheck, erheben sich unter Birken die weißen Kreuze
kleiner Ehrenfriedhöfe. Wer auf der Hunsrückhöhenstraße daran vorbeifährt,
wird an beides – an Tod und Leben, an Krieg und Frieden – erinnert. Möge
diese Straße in Zukunft nur noch eine Straße des Friedens sein!
1965
Straßenneubau vom Roten Kreuz zur
Fleckertshöhe
Nach vielen Diskussionen und
Planungen über die Notwendigkeit und die Linienführung der neuen Straße,
einigten sich Landrat, Gemeinderat und die Sachverständigen für den Weg
durch die Buchley. Zur Wahl standen noch der Geißeweg und der alte Fuhrweg
zur Fleckertshöhe. Man wählte den ersten Vorschlag, weil dieser sich
technisch am günstigsten der Landschaft anpasste. Die Straße wird 2,283 km
lang. Sie soll 1.450,-- DM kosten. Ungefähr 76.000 cbm Erde müssen bewegt
werden. Die Firma Schnorpfeil aus Treis an der Mosel erhielt den Auftrag
das Fußbett der Straße zum Frühjahr 1965 fertig zustellen.
Als die Firma im Dezember 1964 mit
ihren Arbeiten beginnen wollte, hatten unbekannte Täter einen großen Teil
der Vermessungspunkte entfernt und diese Stellen mit Erde und Rasen wieder
zugedeckt. Daraufhin musste der Vermessung zum Teil wiederholt werden. Der
Weilerer Gemeinderat stellte Strafanzeige gegen Unbekannt. Bis heute weiß
man jedoch über den oder die Täter noch nichts.
Mitte Dezember 1964 begannen endlich
die Arbeiten. Mit 4 Planierrraupen, 2 Vorderladern, einem Löffelbagger, 2
Vibrationswalzen und 10 und mehr Muldenkippern und Lastautos wurde die
Arbeit aufgenommen. Außer den Fahrern und dem Sprengtrupp arbeiteten nur 2
– 3 Hilfsarbeiter mit Hacke und Schaufel. Zügig geht die Arbeit voran. Man
will sogar schon im Juni 1965 die Straße einweihen.
Mit einem Teil der anfallenden Erde
füllte man die Säuhohl auf. So stoßen jetzt die Felder auf gleicher Höhe
zusammen. 5 Meter und mehr musste man die Erde dort aufwerfen. Der Weg
durch die Säuhohl zum Roten Kreuz war der Schuttabladeplatz von Weiler.
Keiner wird ihm wohl nachtrauern.
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1966
Am 3. April 1966 wurde in der
Pfarrkirche zu Bad Salzig unser neuer Herr Pastor Werner Mathieu feierlich
in sein neues und verantwortungsvolles Amt eingeführt. Er ist am
13.10.1932 geboren. Vor seiner Ernennung war Herr Pastor Mathieu
Religionslehrer an der Koblenzer Hildaschule.
Wahl des Elternbeirates und des
Klassenelternbeirates.
Am 20.05.1966 um 20:00 Uhr erfolgte
nach eingehenden Ausführungen des Schulleiters über Pflichten und Rechte
des Elternbeirates die Wahl.
Erschienen waren 29 Wähler (ca. 33%)
Als Elternbeirat wurden gewählt:
Herr Alfred Thiedau, Weiler Nr. 83, mit
19 Stimmen
Frau Änni Krambrich, Weiler Nr. 28a, mit
19 Stimmen
Frau Marianne Mayer, Weiler Nr. 10, mit
16 Stimmen
Herr Josef Becker, Weiler Nr. 84, mit 16
Stimmen
Als Klassenelternbeirat wurden
gewählt:
Oberstufe: Herr Alfred Thiedau,
Herr Franz Mayer, Herr Willi Bröder
Unterstufe: Frau Änni Krambrich,
Herr Josef Becker, Frau Marianne Mayer
Die Wahl wurde vom Schulleiter und
Wahlausschuss geleitet, die anschließend die Wahlniederschrift aufstellten
und unterschrieben.
19.12.1966
Die Kinder von Weiler und
Fleckertshöhe, die im 7., 8. Und 9. Schuljahr sind, mußten von jetzt ab
die Volksschule in Bad Salzig besuchen. Dadurch wurde die hiesige Schule
wieder einklassig. Die Lehrerin Frl. Ternus wurde gleichzeitig nach Bad
Salzig versetzt. Ich unterrichtete jetzt das 1. Bis 6. Schuljahr mit 44
Kindern.
Seitenanfang
Die Axt von
Weiler
Ein
500-Seelengemeinde mit Millionenschulden. Koblenz
Die 500-Seelengemeinde Weiler von den
Rheinhöhen über Boppard verfasste eine Resolution und drei Parolen:
„In diktatorischen und kommunistischer
Ländern mehr Freiheit als in Rheinland-Pfalz“.
„Knebelung des
Selbstverwaltungsrechtes“.
„Richtig ist, was dem Forstmeister
nützt“.
Seit Monaten schwelt ein Streit
zwischen dem Weilerer Gemeinderat und dem Bopparder Forstamt. Der Streit
drang in die Ohren der Bezirksregierung in Koblenz, und nicht genug damit,
seit wenigen Wochen sind alle Volksvertreter des Mainzer Landtags von dem
Ungeheuerlichen unterrichtet – der Streit um den Wald von Weiler wuchert
und wuchert.
Am Anfang stand ein Problem aus dem
Alltag vieler Gemeinden: Den großen Aufgaben der Kommune, die aus den
beiden Ortsteilen Weiler und Fleckertshöhe besteht, standen nur kleine
Einnahmen gegenüber. An Grund- und Gewerbesteuer fließen jährlich ganze
20.000,-- Mark
In die Dorfkasse; doch da war ja auch
noch der Wald. Zunächst vorsichtig, später aber mutiger, beantragten die
Gemeindevertreter beim Bopparder Forstamt „Sonderhiebe“, die über die im
Forstbetriebswerk festgesetzte Zahl von Festmetern Holz weit hinausging.
Das Forstamt sagte zu Anfang ja,
später kategorisch nein. Heute gesteht Bürgermeister Krambrich, der seit
Tagen seines Amtes enthoben ist: „Wir hatten das Geld aus dem Sonderhieb
leichtsinnigerweise, das gebe ich zu, schon eingeplant“.
Was die Männer von Weiler in den letzten
10 Jahren aus dem Nichts heraus planten und bauten, das waren keine
leichtfertig verwirklichten Projekte.
1960
Eine zweiklassige Volksschule
(220.000,-- Mark). Sie steht seit langer Zeit halb leer, weil im
benachbarten Bad Salzig eine Mittelpunktschule entsteht. Weiler leistet
hinhaltenden Widerstand. Es bleibt jährlich die 3.000,-- Mark anteiliger
Schulkosten hartnäckig schuldig.
Im 300 m über Weiler gelegenen
Fleckertshöhe
entstand im gleichen Jahr eine
Wasserleitung für
130.000,-- Mark
Zwei Jahre später folgte die
Kanalisation 150.000,-- Mark
1963 verschlang die Ortsstraße
Fleckertshöhe
140.000,-- Mark
Ende des vergangenen Jahres erhielt der
größere
Gemeindeteil neue
Wasserleitungen 350.000,--
Mark
Parallel hierzu entstand eine moderne
Kanalisation 700.000,-- Mark
Die Erschließung des neuen Ortsteils „Im
Bungert“ kostete 250.000,-- Mark
Die Ortsstraße in Weiler schlug
mit 350.000,-- Mark
zu Buche.
Kritiker dieser fröhlichen
Ausgabepolitik erhitzten sich besonders an einem Projekt, das bei weitem
nicht das kostspieligste war:
Am Bau des Sportplatzes
für 60.000,--
Mark
Trotz Beihilfen des Landes zwischen
50 und 70 Prozent, trotz Waldverkaufs, der 300.000,-- Mark einbrachte,
stieg die Verschuldung des Dorfes auf rund eine Million Mark. Das sind
2.000,-- Mark pro Kopf der Bevölkerung.
In dieser Situation geschah das, was
der Bopparder Oberforstmeister Blank so kommentierte: „Ich wüsste nicht,
wann so etwas schon einmal vorgekommen ist“.
Die Volksvertreter von Weiler
entschlossen sich einstimmig für einen Sonderhieb von 8.000 Festmeter
(Krambrich: „Der sollte uns 500.000,-- Mark einbringen“.) obwohl sie das
Nein der Forstverwaltung schon in der Tasche hatten.
Die Weilerer Protestresolution
schildert den Vorgang später so: „Die Selbsthilfe der Gemeinde bestand nun
darin, dass Mitglieder des Gemeinderates und andere Bürger, mit Motorsägen
ausgerüstet, in den gemeindeigenen Wald gingen und dort das hiebreife, von
Rotfäule befallene Holz fällten. Dieses Vorgehen wurde dreimal durch
Einsatz von Polizeikommandos im Auftrag des Landratamtes St. Goar
unterbrochen.
In der Ortschronik von Weiler
allerdings liest sich die Geschichte anders. Unverhohlen erfreut berichtet
der Chronist: „Mit großem Aufgebot harrten die Gemeindevertreter am
vergangenen Samstag an der Einschlagstelle aus, wo Stamm auf Stamm ringsum
krachend zu Boden ging. Für diese Woche ist damit die Beschäftigung der
Jugoslawen im Gemeindewald von Weiler gesichert. Sie haben mit der
Aufarbeitung der Stämme genug zu tun.“
Ex-Bürgermeister Krambrich sieht sich
deshalb dem Vorwurf ausgesetzt, er habe das Ansehen der Bundesrepublik im
Ausland geschmälert. Allerdings glaubt Krambrich, Äußerungen wie
„Halbwilde im Balkan“ nach den Polizeieinsatz gehört zu haben. Das teilte
er der jugoslawischen Botschaft in Mehlem mit, was nach Ansicht vom
Landrat Reinhard in Simmern, Herr über den neuen Großkreis
Rhein-Hunsrück-, zur Bestbeschmutzung ausreichte.
Weiler hätte auf legalem Weg, so
Amtsrat Erwin Leist von der Außenstelle St. Goar, weit mehr erreichen
können. „Bei einer so hohen Verschuldung bestand alle Aussicht auf
Bewilligung von Bedarfszuweisungen durch das Land“. Doch die
Gebührenhaushalte der Gemeinde für Wasser und Kanalisation waren nicht
ausgeglichen. Leist findet jedoch bereit zu konzedieren, daß die
Revolutionäre von Weiler ihr Geld nicht verplempert haben.
Wie die Affäre noch zu einem guten
Ende geführt werden kann, weiß im Augenblick niemand. Bei einer
Einnahmesumme von 180.000 Mark drücken den seit Jahren nicht mehr
ausgeglichenen Etat der Gemeinde allein Zins- und Tilgungslasten von rund
100.000 Mark.
Die alte Mannschaft darf nicht mehr
regieren, seit den Bürgermeister und seinen ersten Beigeordneten der
Bannstrahl des Landrats getroffen hat. Nur der zweite Beigeordnete, der in
der Gemeindearbeit noch ein Neuling und deshalb nicht vorbelastet ist,
steht als „Regierender“ noch zur Verfügung.
Die Oppositionswut der Bewohner von
Weiler hat Tradition. Schon im Jahre 1788 hatte der Schultheiß von Weiler
den Koblenzer Kurfürsten Klemens Wenzeslaus gebeten, die Zustimmung der
Versteigerung von Bäumen des Gemeindewaldes zu geben. Ein Teil der hohen
Gemeindeschulden sollte damals abgetragen werden können.
Die Weilerer aber nahmen dem
Schultheiß die Anrufung des Landesherrn sehr übel. Der Obrigkeit, so
sagten sie, stehe keinerlei Recht zu, über den Kommunalwald mitzureden.
1970/71
Ab 1970 besucht das 5. Und 6. Schuljahr
die Volksschule Bad Salzig.
Am 14.07.1971 wird die hiesige Schule
geschlossen. Genau 21 Jahre und 2 Monate war ich nun Lehrer in Weiler.
Wenn ich auch viel Arbeit hatte, so war`s doch sicher die beste Zeit
meines Lebens
Hermann Schulz
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