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Weitere Berichte der Dorfgeschichte Weiler.

1923

Seit 1923 hat Weiler elektrisches Licht. An einem Dezembersonntag brannte es erstmals. 1924 wurden sogar de Straßen beleuchtet. Diese Beleuchtung muss aber unvollkommen gewesen sein, da die Oberdörfer sich beschwerten, dass sie keine Straßenbeleuchtung bekommen hätten.

Auf unserer Kirche war ein Turm aus Holz. Um 1900 drohte er einzustürzen und wurde daher abgerissen. Die Bürger beschlossen eine Sammlung durchzuführen und brachten im Laufe des Jahres auch 9.000 Mark zusammen. Auch der Industrielle Theodor Wuppermann, der heute noch das Haus Rheinbay besitzt, stifte dazu eine namhafte Summe.

1920 sollte der Turm aus Bruchsteinen gebaut werden, und zwar auf die Nordseite an dem Haupteingang der Kirche. Die Steine wurden an der „Kier“ im Tagelohn gebrochen und von den Bauern unentgeltlich angefahren. Da kam die Inflation, das Geld war in wenigen Monaten keinen Groschen mehr wert. Hätte man den Bau schnell in Angriff genommen, dann wäre der Turm noch rechtzeitig fertiggestellt und bezahlt worden. Herr Pastor Krimmel, der sonst für Weiler mehr getan hatte als alle früheren Geistlichen, war zu ängstlich, um ohne genügend Geld zu besitzen, den Bau zu beginnen.

Ebenso ging es mit der Wasserleitung.

Unter dem Vorsteher Johann Krautkrämer wurde ein Stück Wald abgetrieben und das Geld für die Bohrung verwendet. Über dem Dorfe suchte man nach Wasser. Vorher hatte ein Wasserrutengänger dort Wasser festgestellt. Aber ganz wider Erwarten fand man so wenig Wasser, dass kostspielige Pumpenwerke nötig gewesen wären. Dadurch war nun rasch alles Geld ausgegeben. Damals machte man dem Vorsteher große Vorwürfe. Die Inflation brachte auch dieses wichtige Vorhaben zu Fall.

1926

Unter dem Vorsteher Anton Bender wurde wieder nach Wasser gesucht und zwar am Okelter Born. Man fand eine Stelle, wo die Quelle tief in den Berg hinein mit schweren Steinen abgedeckt war. Nach der Meinung des Bonner Professors Olmann, der die Quelle besichtigte, haben die Römer diese Quelle gefasst und geschützt und in der Nähe habe ein römischer Hof gestanden.

Es ist aber auch leicht möglich, dass die Quelle von der Burg Wiesenstein aus gebaut und geschützt wurde. Burg oder Schloß Wiesenstein lag zwischen Weiler und Rheinbay. Leider weiß man von diesem Schloss nichts. Kunde davon gibt lediglich noch der Schloßgraben, der vom Weilerer Bach bis zum Roten Kreutz führte. Die Okelter Quelle war aber auch nicht ergiebig und so suchte man in den Okelter Wiesen. Jedenfalls baute Bürgermeister Anton Bender die Wasserleitung für seine Weilerer Bürger und nahm den Bau des Kirchturm in Angriff.

1929

Am 29.10. unterbreitet die Firma Otto Dietrich, Rohrleitungsbau – AG Bitterfeld, Abt. Düsseldorf der Gemeinde Weiler ihr Angebot für die Herstellung einer zentralen Wasserversorgungsanlage. Sie berechnete für

1.      Brunnenstuben             735,50 RM

2.      Zuleitung                17.272,00 RM

3.      Ortsnetz                 11.506,60 RM

4.      Hochbehälter            8.426,60 RM

5.      Hausanschlüsse        6.912,00 RM

6.      Insgemein               1.386,00 RM

Gesamtsumme              46.238,10 RM

 Die Gemeinde nahm das Angebot an und die Firma führte die Arbeiten durch.

1933

Übernahm der Diktator Adolf Hitler die Macht in Deutschland. In Weiler merkte man wohl wenig davon. Die meisten Leute lebten in ärmlichen Verhältnissen, und es gab viele Arbeitslose (allmählich). Jeder betrieb seine kleine Landwirtschaft mit wechselndem Erfolg. Damals hatte man noch Feld unter dem Pflug, das heute schon lange brach liegt und nicht mehr als Acker zu erkennen ist (1964).

Allmählich besserte sich die Lage. Da viele Arbeit und Brot fanden, stand man dem Regime nicht mehr so ablehnen gegenüber.

 Als 1939 jedoch der 2. Weltkrieg ausbrach, gab`s viele ernste und besorgte Gesichter. Auch die Männer von Weiler wurden eingezogen und so mussten die Frauen und Kinder wie 1914/1918 die Feldarbeit wieder aufnehmen. Bald schon hatte Weiler  Einquartierung. Gebirgsjäger wurden nach Weiler gelegt, die sich für Angriff und Einmarsch in Frankreich bereithalten mussten.

Nach der französischen Kapitulation wurden die franz. Soldaten in Kriegsgefangenenlager in Deutschland untergebracht. Da fast alle deutschen Männer als Soldaten eingezogen waren, die franz. Kriegsgefangenenlager aber überfüllt waren, bot man die Kriegsgefangenen den Bauern als Arbeitskräfte an. So kamen auch nach Weiler 17 Franzosen. Sie schliefen im Saal des Gasthauses Rheinbay und wurden streng bewacht. Morgens brachten die deutschen Posten sie zu den Bauern und abends holte man sie wieder ab. Dafür bekamen die franz. Kriegsgefangenen im Monat 16 Reichsmark an Geld und freie Kost von den Landwirten. Aber die Weilerer Bauern sagten sich: „Wir schaffen und essen zusammen“. Sie pflegten mit den Kriegsgefangenen ein gutes Einvernehmen und halfen ihnen soweit sie es vermochten. So gingen die Gefangenen nur ungern ins Lager zurück.

1940

Mit diesen 17 franz. Landarbeitern waren am 17. Juni 1940 auch 50 franz. Kriegsgefangene gekommen, die für den Straßenbau Salzig-Weiler-Rheinbay-Holzfeld eingesetzt wurden. Bis zur Invasion in der Normandie hatten sie die Straße von Salzig nach Weiler bis auf die Straßendecke fertig. Da wurde die Arbeit eingestellt, weil man keine Fahrzeuge und kein Benzin mehr hatte, um das Baumaterial heranzuschaffen. Die Franzosen wurden weiter ins Innere Deutschlands verlegt. Die Straße aber blieb vorläufig im halbfertigen Zustand liegen, bis der Kreis sie 1954 mit einer Teerdecke versah. 1958 wurde das Teilstück bis zum Roten Kreuz fertig. 1961 baute der Kreis dann die Straße bis nach Rheinbay. So kann man heute von Bad Salzig schnell die Hunsrückhöhenstraße erreichen.

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