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Wie der Volksschullehrer A. Kunz aus Damscheid in seiner Schrift „Der Kreis St. Goar“ berichtet, müssen wir unsere Heimat unter der Herrschaft folgender Völker betrachten: Treverer, Römer, Franken, Deutschen, Franzosen, Preußen

 

Der Treverer waren nach Tacitus und Julius Cäsar eines der mächtigsten der deutschen Völker und etwa 150 Jahre vor Christus über den Rhein gezogen, sich fruchtbarere Wohnplätze zu suchen. Wegen Empörung versetzte Kaiser Augustus eine Anzahl Treverer nach Kleinasien. Das waren Menschen, die von Apostel Paulus in seinem Briefe Gallater, das heißt Einwohner von Kleingallien, genannt werden. Die völlige Unterjochung, der in zwei Lager geteilten Treverer geschah durch Julius Cäsar in der Schlacht bei Bingen.

Die Römer waren etwa 60 bis 50 Jahre vor Christus in unsere Gegend gekommen. Damals stand schon Boppard welches Baudobriga hieß. Die Römer bauten eine Straße von Bingen über den Hunsrück nach Koblenz. Sie besteht heute noch teilweise und heißt noch Römerstraße. Eine Seitenstraße davon führte nach Boppard. Die Römer herrschten hier bis 455 nach Christus.

Childerich, der Vater Clodwigs des Frankenkönigs, machte der Herrschaft der Römer ein Ende. Die Franken teilten ihr Reich in Herzogtümer. Die Herzogtümer wurden in Gaue und diese in Hundertschaften eingeteilt. Zur Zeit Karls des Großen, im 9. Jahrhundert, gehörte unsere Gegend zum Herzogtum Mosellanien. Der Gau, in dem wir wohnten, hieß Trechir- oder Trachgau. 

870 kam das Herzogtum Mosellanien an das Deutsche Reich, und wir gehörten dann zum Herzogtum von Lothringen. Die Gaugrafen des Rechirgaues waren von da an den Herzögen von Lothringen unterstellt. Zur Zeit Otto I. empörten sich die Herzöge von Lothringen gegen denselben. Deswegen teilte er dieses Herzogtum in zwei Herzogtümer und nahm ihnen verschiedene Gebiete ganz ab. Auch unser Trechirgau kam von Lothringen weg. Kaiser Otto I. gab ihn den Gaugrafen zu Lehen.

Als Gaugrafen werden genannt:

Bercelin /1005), Berchtold (1018), Bertold (1039), Berchtold (1043), Bertold (1072), Bertold (1084), Bercelin (1103) und Adalbert (1112)

(Quelle: Geschichte des Trechir- oder Trachgaues, Kreislehrerbücherei)

Die Gaugrafen, unter der Herrschaft der Franken, hatten richterliche und militärische Gewalt. Da die Gewalt der Gaugrafen später den Bischöfen übertragen wurde, hat sich auf diese Weise die landesherrliche Gewalt der Bischöfe gebildet.

Unter fränkischer Herrschaft kannte man folgende Stände:

1. Prälaten, Bischöfe, Äbte

2. Grafen, Reichsadelige, Reichsritterschaft. Sie besaßen freies Grundeigentum und persönlicheFreiheit

3. Bauern und Hörige

Geistliche und weltliche Herren teilten die ihnen vom Kaiser geschenkten Ländereien in Hauben oder Hofgüter zu etwa 30 Morgen, die den Leibeigenen ganz oder teilweise zu Leben gegeben wurden. Sie mussten den Lebenseid leisten und versprechen, nicht ohne Loskauf wegzuziehen. Dieser Loskauf durfte nicht mehr wie 10 Gulden kosten. Die geringe Pacht der Lehnshöfe wurde während 300 Jahren nicht erhöht. Es  gab Höfe, die jährlich ein fettes Schwein und vier Hühner, andere, die sechs Pfund Flachs, 50 Eier und 200 Weinbergspfähle als Pacht gaben.

Als Ritter aus dem Trachgau werden genannt:

1. die Ritter von Braunshorn, ihr Schloss stand bei dem heutigen Braunshorn,

2. die Ritter von Millewald, ihre Burg stand im Mühlpfad, westlich von Pfalzfeld,

3. die Ritter von Stahleck, die Ruinen stehen bei Bacharach,

4. die Ritter von Schönburg bei Oberwesel,

5. die Ritter von Wiesenstein, die Burgruinen standen zwischen Weiler und Rheinbay,

6. die Ritter von Kleeburg aus Wyler genannt. Beim Dorfe Weiler stand ihr Schloß. Otto III, von dem Boppard seinen Wald

    erhalten haben soll, weilte wiederholt auf der Kleeburg und eines seiner Kinder soll allda geboren sein. Mit Name„Kliewerich“

    (Kleeburg) wird heute noch ein Teil eines Wiesengrundes unterhalb des Dorfes benannt,

7. die Ritter von Ehrenburg, ihr zerfallenes Schloß steht am Ehrbachtal / Mosel, in der Nähe von Brodenbach,

8. in Boppard uns St. Goar hatten mehrere berühmte Rittergeschlechter ihren Sitz,

9. die Ritter von Schönecken, kaiserliche Vögte im Galgenscheider Gericht.

Schwere Gefängnisstrafen wurden beim Enkerstein bei Kratzenburg verbüßt

Unter dem berühmten Erzbischof Balduin, im 14 Jahrh. Betrug der Tagelohn 3 bis 6 Pfennige. Ein Maß = 2 l guten Weins kostete 1 – 2 Pfg, eine fette Gans 4 Pfg.

 

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Weiler

911 wird Weiler zum ersten Mal urkundlich erwähnt. König Konrad I. hat dem Ursulakloster zu Köln vom Bopparder Königsgut die Martinskapelle mit Hof und Scheune, von Salzig Wald und Wiesen und von Wilre (heute Weiler) Wiesen geschenkt.

991 gehörte Weiler zu den Dörfern der Großpfarrei Boppard, die von Kaiser Otto III. mit sämtlichen Kapellen des Bopparder Reiches und dem zuge-hörigen Zehntland dem St. Martinsstift zu Worms übertragen wurde.

1149 nahm König Lonrad III. den Ort Wilre, mit den Höfen Beie (Rheinbay), Quintinache (Quentin), Prade (Prath) und Overkestert (Oberkestert) unter seinen Schutz.

1206 wird in den Urkunden des Klosters Ebersbach ein Kloster beatre Mariae in Vilaris genannt. Ob das freilich mit Weiler etwas zu tun hat, konnte nicht festgestellt werden.

1311 Johann von Wylre, genannt von Emilshausen und Gemahlin verkaufen dem Kloster Eberbach einen Wingert zu Wylre und empfangen ihn als Erbpacht wieder.

In dem Wiestum des Landgerichts wird der Weilerer Bach „Bayerbach“ (nahe Zegerbach) genannt (Zegerbach heute Ziehbach)

1315 Die Kleeburg ist vermutlich das Stammhaus einer Familie, aus der 1315 Johann von Wylre, der Edelknecht. Kommt (Beim Ortsvorsteher Anton Bach erschien im Jahre 1910 ein Herr von Wylre. Er suchte die Überreste seiner Stammburg und nach Wappen der Familie, jedoch ohne Erfolg). Der Edelknecht Johann von Wylre oder ein späterer Johann von Wylre erhielt 1332 zu Burglehen auf Rheinfels: 8 Malter Korn, 9 Malter Hafer, 20 Schilling von sechs Hufen (Eine Hufe oder Hoube ist 30 Morgen groß)

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Aus dem Findbuch der Propstei St. Severi des Stiftes St. Martin.

1325 werden Güter des Martinstiftes in Wylre genannt.

1375 bei der Aufteilung des Zehnten erhielt das Kapitel das Gebiet zwischen Lauterbach (wahrscheinlich ein kleiner Bach bei Rhens) bis Bayerbach einschließlich der Weinberge des Schorczberges bei Weiler (Schorczberg – jetzt Schießberg – vorher Schiersberg)

1375 wird der Weilerer Bach (auch Bayerbach) als Grenze zwischen St. Goar und der Propstei Hirzenach bezeichnet.

1399 Im Jahre 1399 empfing diese Familie auch das Pfalzhaus zu St. Goar als Burglehen.

Die Gemarkung von Weiler enthielt damals 322 Morgen und 42 Ruten Ackerland, 13 Morgen und 63 Ruten Wiesen, 33 Morgen und 46 Ruten Heideland und 129.683 Rebstöcke, deren Produkt dem Oberweseler gleich geschätzt wird. Den großen Frucht- und Weinzehnten empfing die kurtrierische Hofkammer, das Stift St. Martin zu Worms und Freiherr zu Elz. Das Pastorat erhielt den Blutzehnten, den Zehnten von Schoten- und Hülsenfrüchten und den Noval- oder Neubruchzehnten.

Die Gemeinde hat gemeine und Privatwaldungen und Hecken, die aber erst unter Napoleon vermessen wurden. Napoleon schaffte auch den Zehnten ab.

Adlige und weltliche Familien besaßen Güter in der Gemarkung.

1.                  Das adlige Frauenkloster Marienberg einige Weinberge

2.                  Der Deutschorden

3.                  Das Karmeliterkonvent zu Boppard Weinberge und Ackerland

4.                  Das Hospital zu Boppard Weinberge und Ackerland

5.                  Die Propstei zu Hirzenach Weinberge und Ackerland

6.                  Das Präbendat zu Boppard 4 Weinberge

Die Gemeinde hat ein Gemeindeback- und Schulhaus und 3 Hirtenhäuser. Die Salziger Kirche, 100 Schritt vom Ort gelegen, ist die Pfarrkirche von Salzig und Weiler. Die Decimatoren (Zehntherrn) bauen und unterhalten die Kirche, die Gemeinde das Schulhaus und den „Backes“.

Über die heute noch existierende, wenn auch sehr holprige, alte Landstraße, „Zeil“ genannt, sagt von Stramberg: „Aus dem Orte Salzig und durch den Filialort Weiler führt eine Landstraße; „Zeil“ genannt, vom Rhein auf den Hunsrück.

Münzen wurden in alten Gräbern öfter gefunden. Die letzten vom Weilerer Totengräber Anton Schuster (1895) und von Herrn Pastor Nick als „Kurmainzsche“ bestimmt.

In früheren Zeiten hatten die Bewohner von Weiler das alte Recht, in dem Wiesengrund „Hinterdick“ bis an die oberste Mühle der Gemeinde Salzig das Vieh zu hüten. Dieses Recht ging um 1840 verloren durch einen Prozess, den der damalige Bürgermeister Jacobs in Boppard ausfochte.

Bewohner von anderen Orten z.B. Karbach, Hausbay und Hungenroth hatten früher Grundstücke in hiesiger Gemarkung und verlangten und erhielten auch nach der Veräußerung das Obst, welches auf diesen Feldern wuchs. Um 1880 bis 1890 wehrten sich die Eigentümer von Weiler gegen diese Obstabgaben. Da die Fremden das Recht nicht erbringen konnten, fiel die Obstabgabe fort.

Mittelrheinische Regesten

1426 befiehlt Erzbischof Otto von Ziegenhain von Trier, in Koblenz seinem Unterschultheiß zu Boppard, die, Hälter (Grundzinsen), Zehnten von Wylre und dem Bopparder Hamm, die er dem Conrad von Husiltam abgekauft habe, von der Propstei St. Martin, von der dieselben Lehen sind, in Lehen zu empfangen.

 

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Aus dem Visitationsprotokoll 1467:

Den Zehnten in Wylre hat größtenteils der Kurfürst von Trier, zum kleineren Teil das Kapitel von St. Martin in Worms, die Herren von Eltz-Rübenach und der Propst von Hirzenach, „decimant in augustis dedinati“.

1563 erhält Salzig eine Taufkapelle mit einem Taufstein, so dass die Weilerer Kinder dort getauft werden können. Damit ist Salzig zur Pfarrei geworden.

1563 hat Weiler 27 Feuerstellen.

1657 Visitationsprotokoll über Weilerer Kapelle

Für die Pfarrerbesoldung hatte Weiler an den Pfarrer zu Salzig jährlich 1 Malter Korn, 35 Gulden und 18 Bündel Heu zu liefern und zu zahlen. Die Weinberge werden für ein Drittel ihres Ertrages verpachtet.

1667 wird die Reliquie in Weiler, der Zahn der Heiligen Apollonia ohne Urkunde erwähnt, das heißt, dass man an seiner Echtheit zweifelte.

1671 Im Salziger Taufbuch wird Weiler „Katzweiler“ genannt. Katz dürfte wohl im damaligen Sprachschatz soviel wie Vorwerk oder kleine Festung bedeuten. Es ist anzunehmen, dass der Joh. Von Wylre zunächst auf Katz wohnte, ehe er die Kleeburg bezog. Daher der Name Katzweiler.

1689 Weiler wurde von den Franzosen verbrannt und viele Häuser eingeäschert. Boppard sollte damals gebrandschatzt werden, um das zu verhindern, zahlten die Bopparder eine große Summe Geldes. Das Geld konnte Boppard aber nicht alleine aufbringen und empfing von Salzig und Weiler geldliche Unterstützung unter der Bedingung, diese beiden Orte ebenfalls loszukaufen. Während Boppard verschont blieb, hatten Salzig und Weiler viel zu leiden. In beiden Orten steckten die Franzosen die Häuser an und von Salzig holten sie noch eine Anzahl von Geiseln mit, die später für viel Geld losgekauft werden mussten. Aus dieser Zeit stammt das Versprechen der Salziger der jährlichen Wallfahrt nach Not Gottes.

1767 die Weilerer Gemarkung wurde von Boppard abgetrennt. Salzig und Boppard blieben eins.

1845 Aus dem Gemeindebuch (Wie Weiler zu einem Teil seines Waldes kam)

Der Nachbarort Karbach und Weiler stritten sich um ein Stück Wald. Es kam zum Prozess. Dieser wurde in Wetzlar ausgetragen. Nach einiger Zeit schickten die Weilerer einen Mann aus ihrem Ort, einem Herrn Krautkrämer, nach Wetzlar mit dem Auftrag, es solle Erkundigungen einziehen, wie der Prozess verliefe. Man versprach ihm dafür eine Wiese auf dem Kliewerich, die der Gemeinde gehörte.

Der alte Krautkrämer packte sich gehörig Proviant ein und machte sich zu Fuß auf den Weg nach Wetzlar. Nach 8 Tagen war er dort und erfuhr, dass der Prozess für Weiler verloren sei. Eiligst reiste er mit Eilpost zurück, um in Weiler zu berichten. Da brach der Weilerer Gemeinderat schnell nach Karbach auf, um sich mit den Karbachern zu einigen. Da der Bescheid dort noch nicht angekommen war, kam wirklich im Bürgermeisteramt zu Halsernbach eine Einigung zustande. „was solle mir dä Häre unser paar Grosche och gäwe“, war die einhellige Meinung. Als die Karbacher jedoch erfuhren, dass der Prozeßausgang zu ihren Gunsten verlaufen war, sie jedoch durch den Vergleich nichts mehr ändern konnten, da sagten sie: „Die Weilerer haben uns den Wald gestohlen“.

Weiler, Filialort von Bad Salzig grenzt gegen Süden an Karbach, liegt 30 Minuten von Bad Salzig, eine Stunde von Boppard. An Weiler vorbei fließt ein geringer Bach. Er entspringt in zwei Wiesengründen, etwa 1 bis 2 Stunden über dem Ort und fließt zwischen Weiler und Hirzenach in den Rhein. Er scheidert da den Bopparder Amts- von dem Stadtbezirk vom Amt Wellmich. Er heißt der Mühlenbach, am Einfluss in den Rhein aber Baierbach. An diesem Bach, der öfters austrocknet, stehen zwei Mahlmühlen, Privateigentümer gehörig (Albert Bach um 1700). Die andere Mühle stand etwas oberhalb. Man nannte sie die „Wabenthals-Mühle“. Diese obere Mühle Mühle, von der heute nur noch die Grundmauern stehen, gibt jährlich 9 Albus, das sind 9 Weißpfennige Kirchenzins an die Propstei zu Hirzenach.

In ältesten Zeiten stand am Orte Weiler eine Burg, die hatte den Namen Kleeburg. Man findet davon keine Überrest mehr. Der Platz ist geebnet und Wiesenland. Der zu dieser Burg gehörende Weiher ist auch zu Wiesenland gemacht und wurde vom Nonnenkloster zu Camp benutzt (Nach alter Sage hat ein Nonnenkloster an diesem Weiher gestanden. Der Ort heißt heute noch Nonnenweiher).

Von Bingen bis Boppard wird von Kaiser Otto III. viel gesprochen. Beide Städte wollen von diesem Kaiser ihre großen Waldungen als Geschenk erhalten haben.

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