Weiler unter französischer Herrschaft.
Die Tage der
kurtrierischen Herrschaft waren gezählt. Im Oktober 1794 wurde unsere Heimat
endgültig von den französischen Revolutionstruppen besetzt und 1797 mit dem
übrigen linken Rheinufer offiziell ein Bestandteil des französischen Staates.
Die in Frankreich
durchgeführte Revolutionierung auf allen Gebieten griff auch auf unsere Heimat
über. Die zahlreichen Territorialstaaten wurden ebenso wie die feudale
Grundherrlichkeit beseitigt. Verwaltungspolitisch wurde Weiler mit den anderen
Orten des linksrheinischen Teiles des Oberamtes Boppard zu dem Rhein- und
Mosel-Department geschlagen.
Aus den Ortschaften
Boppard, Salzig, Weiler, Hirzenach und Rheinbay wurde die Mairie Boppard
gebildet, an deren Spitze der Agent-Maire stand. Für jede Gemeinde ernannte der
Präfekt zwei Männer, die im Sinne der französischen Regierung arbeiten mussten.
An die Stelle des
ehemaligen Schultheißen oder Bürgermeisters trat der Agent, und sein
Stellvertreter war der Adjoint. Sie waren in erster Linie Befehlsempfänger und
Ausführer der vorgesetzten Behörde.
So waren sie nicht
zu beneiden, besonders wenn Einquartierungskosten und Kontributionen
einzutreiben waren. Das völlig verarmte Weiler musste in den Jahren 1798 bis
1800 an Kontributionen und Steuern ca. 5630 Francs aufbringen.
Die Enteignung der
vielen adligen und geistlichen Grundherren begrüßten die meisten Weilerer, weil
es ihnen nun möglich war, das bisherige Pacht- und Zinsland einschließlich der
Drittelweinberge als Eigentum erwerben.
Aber der
unversöhnliche Hass der Revolutionstruppen gegen Religion und Kirche sagte den
Weilerern nicht zu. Die Einführung der neuen Zeitrechnung, die nicht mehr mit
Christi Geburt, sondern mit dem 22. September 1792, dem Tage der Errichtung der
Fränkischen Republik, begann und welche die siebentätige Woche durch die
zehntägige Dekade ersetzte, lehnten sie innerlich ab und feierten die Sonn. und
Feiertage gegen den Willen der neuen Herrschaft wie bisher.
Man begrüßte es,
dass Napoleon I, so manche Übertreibungen der französischen Republik beseitigte,
die bestehende Rechtsunsicherheit durch ein neues vorzüglich Bürgerliches
Gesetzbuch, den Code Napoleon, ersetzte und durch ein Konkordat den Frieden der
Kirche wiederherstellte. Die kirchliche Neueinstellung, die das Rhein- und
Mosel-Department zum neu errichteten Bistum Aachen schlug, traf Weiler
unangenehm, da ihre Kirche durch Dekret des Präfekten vom 30.9.1807 aufgehoben
und alle Paramente, sowie das noch vorhandene Kirchenvermögen der Pfarrkirche
Salzig überwiesen wurde.
Unangenehm empfand
man es auch, dass die jungen Männer zur französischen Armee ausgehoben wurden
und nun in den vielen Kriegen Napoleons ihr Leben aufs Spiel setzen mussten. Die
erste Rekrutierung fand bereits im Jahre 1802 statt.
Die finanzielle Lage
der Gemeinde wie auch ihrer Bürger besserte sich in der Franzosenzeit nicht.
Dazu trugen Jahre des Misswuchses bei. Ein ausgesprochenes Hungerjahr war das
Jahr 1812. Wie Selma Bach berichtete, buk man Brot aus Kartoffeln und Kohlraben
und kochte Suppe aus Klee.
Als der erste mit
Korn beladene Wagen in die Stadt Boppard einfuhr, ging ihm eine Prozession mit
dem Allerheiligsten entgegen und begleitete ihn in feierlicher Weise durch die
Stadt.
Damit die
Schuldenlast der Gemeinden vermindert würde, befahl die Behörde im Jahre 1810
dass die Gemeinden ihren Besitz an Gebäuden und Ländereien zur Nutzung für 9
Jahre meistbietend ver-
pachteten und den
Erlös bei der Mairie einzahlten.
Obwohl sich Weiler
mit aller Gewalt gegen diese Anordnung wehrte, wurde sie doch am 2.3.1810 auf
dem Gemeindehaus in Salzig für die Gemeinden salzig, Weiler und Hirzenach
durchgeführt. Auch das Recht, Asche zur Herstellung von Pottasche zu sammeln
wurde versteigert.
Im Jahre 1812
versuchte Napoleon, Russland zu bezwingen. Sicherlich wurden auch Weilerer
Jungen für diesen Feldzug aufgeboten, wir kennen jedoch weder Zahl noch Namen.
Wir wissen aber, dass die rückflutenden, geschlagenen französischen Truppen den
Typhus einschleppten, so dass im Jahre 1813 auch in unserer Pfarrei ein großes
Sterben einsetzte. Selma Bach berichtet, dass viele französische Soldaten in den
Orten am Rhein zum Schutz gegen die nachrückenden verbündeten Truppen untergebracht waren. Sie
sollen sich zum Teil ungebührlich aufgeführt haben, z.B. in Weiler den Winzern
den Wein aus den Fässern gestohlen und die Fässer zerschlagen und den Bauern
einfach das Vieh abgeschlachtet haben. Mädchen und Frauen wurden von den
Soldaten belästigt. Die einquartierten Soldaten aßen mit den Bauern an einem
Tische und teilten das ohnehin knappe Essen.
Der Übergang
Blüchers über den Rhein in der Neujahrsnacht 1813/14 vertrieb die Franzosen auch
aus Salzig und Weiler. Die Franzosen sollen so überrascht gewesen sein, dass sie
in wilder Flucht von dannen liefen, so dass der Weg von Weiler nach der Zeil und
durch den Wald mit Gewehren und Uniformstücken übersät gewesen wäre.
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Weiler unter preußischer Herrschaft.
Mit dem Jahre 1814
hörte die französische Herrschaft auf. Unsere Heimat wurde im Jahre 1815 dem
König von Preußen zugesprochen und wurde ein Teil der Rheinprovinz. Die
Übergangszeit 1814/15 brachte vielerlei Beschwerden.
Wenn auch eine
Zivilverwaltung eingerichtet war, so übten doch die verbündeten Truppen die
eigentliche Macht aus. Die Einquartierungslasten und Fronarbeiten für russische,
österreichische, preußische und bayrische Truppen nahmen kein Ende. Dabei hatten
die Bauern selbst Not und Mangel, da ein Jahr der Missernte dem anderen folgte.
1814 hatte
vorzeitiger Frost die Hoffnung der Winzer auf einen guten Herbst zunichte
gemacht, nachdem die Obsternte nichts eingebracht hatte.
Die Jahre 1816 und
1817 waren reine Unglücksjahre. Im ganzen Juni 1816 und weiter bis zum 18. Juli
gab es fast täglich Regen, so dass das Getreide auf dem Feld verdarb. Der Hafer
konnte erst nach Allerheiligen eingefahren werden. Das Unwetter nahm 1817 seinen
Fortgang. Überall ging das Brotgetreide zur Neige, und die Preise für Roggen und
Brot stiegen auf das Dreifache des Normalpreises.
Der ärmeren
Bevölkerung drohte der Hungertod. In den Kirchen wurden Andachten zur "Abwendung
der großen Strafen Gottes" gehalten. Der Pfarrer Hoegg von Salzig ließ in
abgewandelter Form die Noth-Gottes-Prozession wieder aufleben, an der sich nun
auch die Weilerer beteiligten. Um "den großen Gott zu bitten, dass er die
dermalige jetzige Hungernot möge gnädig abwenden", wurde ein Bittgang von Bad
Salzig nach Weiler als Ersatz für die Wallfahrt nach Noth-Gottes vorgenommen.
Die preußische
Regierung blieb in dieser Not nicht untätig. Am 10. Juni 1917 ordnete sie die
Aufnahme aller Getreidevorräte an, um durch Rationierung das größte Elend zu
lindern. Das Ergebnis der Aufnahme war so enttäuschend, dass der Bürgermeister
von Boppard die Regierung in Koblenz um sofortige Hilfe bat. Er erreichte, dass
Mehl aus den Magazinen des Koblenzer Provinzamtes für die Zivilbevölkerung
freigegeben wurde.
Auch in den Jahren
1848 und 1852 kam die Regierung der hungernden Bevölkerung durch leihweise
Abgabe von Roggen und Brotmehl zur Hilfe.
An den Kriegen, die
Preußen im vorigen Jahrhundert führte, mussten auch Weilerer Jünglinge und
Männer teilnehmen.
Den dänischen Krieg
im Jahre 1864 machten Anton Schuster aus Weiler sowie Jakob Rheinbay und Jakob
Dieler von der Fleckertshöhe mit. Sie kämpften auch 1866 mit und außer ihnen
Peter Schön und Johann Winkel aus Weiler.
Außer Dieler und
Winkel mussten die Teilnehmer der beiden Kriege auch in deutsch-französischem
Kriege 1870/71 den Soldatenrock tragen.
Damals wurden auch
eingezogen: Georg Bach, Anton Bach, Sohn von Ant. Bach II und Anton Bach, Sohn
von Ant. Bach III., Johann Kasper, die beiden Wirte Peter Kasper und Johann
Rheinbay, ferner Anton Krambrich, Peter Krautkrämer, Anton Boost und Johann
Bach.
Johann Rheinbay
wurde für seine Unerschrockenheit in der Schlacht bei Gravelotte mit dem
Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Daher führte seither seine Familie den
Namen "Rittersch" oder "Eiserner Ritter".
Bittere Spuren
hinterließen die beiden Weltkriege in Weiler. Viele verbluteten auf den
Schlachtfeldern. Zu ihrem Gedächtnis brachte die Gemeinde 1958 an der
Sakristeiwand ein geschmackvolles Kriegerdenkmal in Sgraffiti.Malerei an.
Der zweite Weltkrieg
hätte sogar dem Bestand des Ortes gefährlich werden können. Erst kurz vor dem
Einrücken amerikanischen Truppen am 16. März 1945 verließen die SS-Truppen den
Ort, nachdem
sie ihren
Entschluss aufgegeben hatten, den Kampf hier aufzunehmen. Ihr Anführer erschoss
sich in der Ziehbach.
Etwa 60
amerikanische Soldaten blieben in Weiler, bis sie nach 8 Tagen über den Rhein
setzten.
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