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Weiler entwickelt sich zur Arbeitnehmersiedlung.

 

Auf der Suche nach neuen Erwerbsmöglichkeiten.             

 

Auch die übrigen Weilerer legten die Hände nicht in den Schoß. Sie intensivierten den Obstbau und Obsthandel. Vor allem brachten sie die begehrten Kirschen an die Verkaufsstelle in Salzig oder fuhren bzw. trugen sie in Körben zu den Ortschaften des Hunsrücks bis Kastellaun und Simmern.

Einige wanderten in andere Berufe ab. Manche wurden in der Rheinschifffahrt tätig. Andere arbeiteten in den Bergwerken bei Werlau und Braubach. Einige Familien verlegten sich auf den ambulanten Handel mit Strickwolle und Stoffen aller Art.

Der überwiegende Teil der Bürger Weilers blieb jedoch der Landwirtschaft treu, und zwar im eigenen Betrieb oder als Tagelöhner in benachbarten Weinbaugemeinden. Wo der Vater in fremden Berufen oder auswärts tätig war, sprangen die Frauen und Kinder ein, um den landwirtschaftlichen Betrieb aufrecht zu erhalten. Jede Familie bestrebt, Brotgetreide und Kartoffeln für den eigenen Bedarf selbst zu ziehen. Die Weinberge, die zum großen Teil mit Klein-Riesling bepflanzt waren, wurden mit Sorgfalt bearbeitet. Der Verkauf der Trauben brachte in manchen Jahren eine gute Einnahme. Nur wenige Winzer legten ihren Wein selbst zum Verkauf an Weinhändler und Wirte oder zum Ausschank  in einer Heckenwirtschaft.

Auch Viehzucht wurde nicht vernachlässigt. Die Viehzählung im Jahre 1892 ergab, dass Weiler damals 54 Ochsen, 94 Kühe, 25 Rinder und 47 Schweine hatte.

 

Vom Winzer- und Bauerndorf zur Arbeitnehmersiedlung            

 

Nach dem ältesten Flurbuch von 1719 war Weiler zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein reines Bauern- und Winzerdorf. Außer den 32 Land besitzenden Familien gab es weder Wirte noch Krämer oder andere Gewerbetreibende.

 

Die landwirtschaftlichen Nutzflächen waren damals recht klein. 1719 hatte Weiler etwa 12 Hektar Weinberge, 111 Hektar Felsland und knapp 45 Hektar Wiesen.

Die Feldflächen der Gemarkung waren in zwei große Hälften eingeteilt, von denen ursprünglich jeweils die eine mit Roggen besät wurde, während die andere brach lag.

Im nächsten Jahr wechselte das Ganze. Mann nennt diese Anbauweise eine Zweifelderwirtschaft.

 

Durch die starke Viehhaltung in Weiler hatte man aber so viel Dünger, dass man die Feldbahnhälfte, die an der "Zeil" lag, 1719 schon vom übrigen Ackerland abgetrennt hatte und im ersten Jahr mit Roggen, im zweiten mit Hafer bebaute, während sie im dritten Jahr brach lag.

Auf dieser Hälfte trieb man also eine Dreifelderwirtschaft. Der andere Teil der Felder wurde dagegen in althergebrachter Weise nur jedes zweite Jahr mit Roggen besät.

 

Die einzelnen Familien hatten nur sehr wenig Landbesitz. Kaum ein Weilerer besaß mehr als 5 Hektar. Da man damals noch keine Kartoffeln kannte, hätten viele Familien von ihrem geringen Besitz nicht leben können, wenn die Weinberge nicht gewesen wären.

Fast jeder Bürger besaß einige Wingerte, deren Erträge er im Herbst verkaufte und womit er etwas Bargeld verdiente.

 

Im Jahre 1743, also etwa eine Generation später, war die Bevölkerung schon auf 44 Familien gestiegen. Allmählich reichten die Landflächen zur Ernährung der Bevölkerung nicht mehr aus, zumal durch Kriegsunruhen und Misswuchs auch die Einkünfte aus dem Weinbau zurückgegangen waren.

Man war daher bestrebt, die Feldflächen dadurch auszuweiten, dass man ehemalige Ödland- und Heideflächen urbar machte, die vorher nur als Viehweide gedient hatten.

 

1893 besaß Weiler rund 19 Hektar Weinberge, aber 245 Hektar Ackerland und 55 Hektar gute Wiesen. Das Ackerland war also um mehr als das Doppelte gewachsen.

Von diesen 245 Hektar Feldland waren 60 Hektar mit Roggen und 60 Hektar mit Kartoffeln bebaut; beide dienten den Einwohnern zur Selbstversorgung.

Daneben zog man auf 30 Hektar Sommergetreide und auf 37 Hektar Rüben für das Vieh. Den Rest nahmen Ölfrüchte und Klee ein.

 

Auch um das 1900 Jahrhundert war Weiler noch ganz landwirtschaftlich ausgerichtet; denn 1895 gab es zwar 89 landwirtschaftliche Betriebe, aber nur 3 Gewerbetreibende.

Erst um 1930 und vor allem in der Periode des wirtschaftlichen Aufschwunges nach 1950 zeigten sich stärke Veränderungen. Man erkannte dies u.a. an den vielen Feldern, die nicht mehr bebaut werden, und an den Wiesen, die ungemäht liegen blieben. In sehr weit vom Ort entfernten Gemarkungsteilen begann sich langsam der Wald wieder anzusiedeln.

Diese Brachfallen und Kulturflächen hatte nun weder in schlechten Böden noch in geringen Ernteer- trägen sine Ursache, sondern in ein Teichen für einen sozialen und wirtschaftlichen Umwandlungs- prozess innerhalb der Bevölkerung. In diesem Rahmen gehört auch das Aufgeben der Viehhaltung und der Umbau von Scheunen und Ställen zu Garagen und Wohnräumen.

So kam es das die meisten landwirtschaftlichen Betriebe nicht mehr als 5 ha Land besaßen. Unter dem Einfluss der EWG war ein Großteil dieser Betriebe mit ihren zersplitterten Parzellen nicht mehr konkurrenzfähig. Dazu kamen billige Weinimporte aus dem Ausland, die den Rebanbau unrentabel werden ließen, und nicht zuletzt die Industrie mit ihrem Angebot an Arbeitsplätzen, die eine bessere Versorgung bot als die mühevolle und manchmal sogar unrentable Feldarbeit.

Mit der sinkenden Zahl der Betriebe nahm auch die Zahl der Viehhalter ständig ab. Die Folge war ein starker Rückgang der Viehbestände in Weiler. Mir der Abkehr von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft war jedoch ein besonderes Problem verbunden: Es fehlte in Weiler an nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen. Deshalb war ein Teil der Ortsbewohner gezwungen, an einem anderen Ort Arbeit zu suchen. Es entwickelten sich die sog. Pendler, die morgens ihre Heimatgemeinde verlassen und erst abends wieder eintreffen. Diese Pendler hatten ihre Arbeitsplätze vor allem im Raum Boppard - Koblenz. Eine Folge der täglichen Abwesenheit vieler Familienoberhäupter vom Ort war, dass zahlreiche kleinbäuerliche Betriebe zwar noch eine zeitlang von Frauen geführt wurden, dann aber doch in zu- nehmenden Maße aufgegeben wurden.

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