Das Mittelrheingebiet war wegen seiner günstigen Bedingungen schon seit
frühesten Zeiten relativ intensiv besiedelt. Die Hauptwohngebiete der damaligen
Bevölkerung befanden sich jedoch weniger in der Enge des Rheintals, als
vielmehr auf dem weiten Talniederungen der benachbarten Höhenzüge des
Hunsrücks und des Taunus. In den letzten Jahrhunderten vor Christus Geburt war
diese Region am Mittelrhein geprägt von der Latenekultur, jener
hochentwickelten und stark differenzierten Zivilisation der Kelten. Erst mit den
Eroberungszügen des römischen Feldherren Gaius Julius Cäsar in den Jahren 58
bis 52 v.Chr. kam auch das Rheintal in den Herrschaftsbereich der römischen
Weltmacht. Nur vereinzelt bestanden schon in vorrömischer Zeit kleinere
Ansiedlungen unmittelbar an den Ufern des Rheines. Darauf weisen archäologische
Funde und auch der für Boppard überlieferte keltische Name Baudobriga hin.
Die Anfänge von Boppard sind in einer offenen Straßensiedlung, einem viscus,
bekannt, der an der Südseite der großen Rheinschleife, dem heutigen Bopparder
Hamm, gelegen hat. Dieses kleine Dorf bestand bereits aus festen Häusern, die
zum Teil sogar unterkellert waren. Aus einem solchen Keller stammt die
nachfolgend abgebildete Epona, eine ursprünglich keltische
Fruchtbarkeitsgöttin.
Die Ansiedlung lag günstig am Fuß des Gebirges auf dem
Schwemmkegel des Mühlbaches, an der römischen Rheintalstraße und nicht weit
vom Ufer des Wasserweges Rhein. Es boten sich hier als Umschlagplatz für
Schwergüter aus dem nahen Bergland und für Transporte zwischen Land- und
Wasserstraße gute Voraussetzungen. Die aus dem vicus stammenden Kleinfunde
weisen auf eine ausgeprägte Blütezeit dieser Ortschaft im 1. bis 3.
Jahrhundert nach Christus hin.
Nach endgültiger Aufgabe des rechtsrheinischen Limes (335)
bildete der Rhein selbst wieder die nasse Grenze des römischen
Herrschaftsgebietes. Unter Kaiser Julian (360 bis 363) wurde diese durch die
Anlage einer Reihe von ufernah gelegenen Kastellen entsprechend militärisch
gesichert. So musste Boppard als Handelsplatz und militärischer Stützpunkt am
Mittelrhein mit einer starken Festungsanlage ausgestattet werden. Diese
spätrömische Kastell Bodobrica wurde östlich des bestehenden Weilers (vicus)
auf hochwasserfreiem Gebiet unmittelbar am Rheinufer errichtet. Dabei wurde ein
Rechteck von 308 x 154 m mit etwa 4,7 ha Flächeninhalt mit einer Wehrmauer
umgeben. Die Mauer selbst hat eine Stärke von 3 m auf der Landseite und von nur
2 m an der Rheinseite, sie ist im Aufgehenden 8,5 m hoch. Insgesamt waren ihr 28
Halbrundtürme in fast regelmäßigem Abstand von 27 Meter vorgelagert, die zum
Teil noch im aufgehenden Mauerwerk nahezu vollständig bis heute erhalten sind.
Die Reste dieses spätantiken Kastells, im Ortskern des heutigen Boppard
gelegen, gelten als die am besten erhaltenden Festungsmauern auf deutschem Boden
(siehe Fotos und Skizze oben)
Tore sind im Osten und Westen an den zwei Schmalseiten des
Kastells nachgewiesen. Es handelt sich dabei um Kammertore mit flankierenden
Tortürmen. Die heutige Oberstraße bildete die Hauptverkehrsachse in
Ost-West-Richtung, auf welcher auch in römischer Zeit der Verkehr auf der
römischen Rheintalstraße von Mainz nach Köln durch das Kastell hindurchfloss.
Die Nord-Süd verlaufende Querachse führte an der Westfront der heutigen St.
Serveruskirche am ehemaligen Kastellbad vorbei, und man gelangte durch einen nur
schmalen Durchlass in der Nordmauer an das unmittelbar dahinter liegende
Rheinufer. Südlich des Kastells sowie an seiner Ost- und Westflanke ist im
Vorfeld ein Graben als Annäherungshindernis parallel zur Festungsmauer
anzunehmen, der jedoch archäologisch bis heute nicht belegt ist.
Noch bis in das 12. Jahrhundert diente die römische Mauer als
Befestigung der mittelalterlichen Stadt. Erst der Trierer Erzbischof Balduin von
Luxemburg ließ im 14. Jahrhundert die neuen Wohngebiete im Osten und Westen der
Stadt durch eine weitere Mauer umgeben und band dabei die römischen
Befestigungen mit ein.
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