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Das Römische Bad Boppard, Bodobrica Romana

Rekonstruktion des spätrömischen Kastells Bodobrica

A. Schmickler 2.97

Das Mittelrheingebiet war wegen seiner günstigen Bedingungen schon seit frühesten Zeiten relativ intensiv besiedelt. Die Hauptwohngebiete der damaligen Bevölkerung befanden sich jedoch weniger in der Enge des Rheintals, als vielmehr auf dem weiten Talniederungen der benachbarten Höhenzüge des Hunsrücks und des Taunus. In den letzten Jahrhunderten vor Christus Geburt war diese Region am Mittelrhein geprägt von der Latenekultur, jener hochentwickelten und stark differenzierten Zivilisation der Kelten. Erst mit den Eroberungszügen des römischen Feldherren Gaius Julius Cäsar in den Jahren 58 bis 52 v.Chr. kam auch das Rheintal in den Herrschaftsbereich der römischen Weltmacht. Nur vereinzelt bestanden schon in vorrömischer Zeit kleinere Ansiedlungen unmittelbar an den Ufern des Rheines. Darauf weisen archäologische Funde und auch der für Boppard überlieferte keltische Name Baudobriga hin.

Die Anfänge von Boppard sind in einer offenen Straßensiedlung, einem viscus, bekannt, der an der Südseite der großen Rheinschleife, dem heutigen Bopparder Hamm, gelegen hat. Dieses kleine Dorf bestand bereits aus festen Häusern, die zum Teil sogar unterkellert waren. Aus einem solchen Keller stammt die nachfolgend abgebildete Epona, eine ursprünglich keltische Fruchtbarkeitsgöttin.

Die Ansiedlung lag günstig am Fuß des Gebirges auf dem Schwemmkegel des Mühlbaches, an der römischen Rheintalstraße und nicht weit vom Ufer des Wasserweges Rhein. Es boten sich hier als Umschlagplatz für Schwergüter aus dem nahen Bergland und für Transporte zwischen Land- und Wasserstraße gute Voraussetzungen. Die aus dem vicus stammenden Kleinfunde weisen auf eine ausgeprägte Blütezeit dieser Ortschaft im 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus hin.

Nach endgültiger Aufgabe des rechtsrheinischen Limes (335) bildete der Rhein selbst wieder die nasse Grenze des römischen Herrschaftsgebietes. Unter Kaiser Julian (360 bis 363) wurde diese durch die Anlage einer Reihe von ufernah gelegenen Kastellen entsprechend militärisch gesichert. So musste Boppard als Handelsplatz und militärischer Stützpunkt am Mittelrhein mit einer starken Festungsanlage ausgestattet werden. Diese spätrömische Kastell Bodobrica wurde östlich des bestehenden Weilers (vicus) auf hochwasserfreiem Gebiet unmittelbar am Rheinufer errichtet. Dabei wurde ein Rechteck von 308 x 154 m mit etwa 4,7 ha Flächeninhalt mit einer Wehrmauer umgeben. Die Mauer selbst hat eine Stärke von 3 m auf der Landseite und von nur 2 m an der Rheinseite, sie ist im Aufgehenden 8,5 m hoch. Insgesamt waren ihr 28 Halbrundtürme in fast regelmäßigem Abstand von 27 Meter vorgelagert, die zum Teil noch im aufgehenden Mauerwerk nahezu vollständig bis heute erhalten sind. Die Reste dieses spätantiken Kastells, im Ortskern des heutigen Boppard gelegen, gelten als die am besten erhaltenden Festungsmauern auf deutschem Boden (siehe Fotos und Skizze oben)

Tore sind im Osten und Westen an den zwei Schmalseiten des Kastells nachgewiesen. Es handelt sich dabei um Kammertore mit flankierenden Tortürmen. Die heutige Oberstraße bildete die Hauptverkehrsachse in Ost-West-Richtung, auf welcher auch in römischer Zeit der Verkehr auf der römischen Rheintalstraße von Mainz nach Köln durch das Kastell hindurchfloss. Die Nord-Süd verlaufende Querachse führte an der Westfront der heutigen St. Serveruskirche am ehemaligen Kastellbad vorbei, und man gelangte durch einen nur schmalen Durchlass in der Nordmauer an das unmittelbar dahinter liegende Rheinufer. Südlich des Kastells sowie an seiner Ost- und Westflanke ist im Vorfeld ein Graben als Annäherungshindernis parallel zur Festungsmauer anzunehmen, der jedoch archäologisch bis heute nicht belegt ist.

Noch bis in das 12. Jahrhundert diente die römische Mauer als Befestigung der mittelalterlichen Stadt. Erst der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg ließ im 14. Jahrhundert die neuen Wohngebiete im Osten und Westen der Stadt durch eine weitere Mauer umgeben und band dabei die römischen Befestigungen mit ein.

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