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Seite 3: Römisches Bad Boppard,
Bodobrica Romana
Im Archäologischen Park konnte unmittelbar auf der Stadtseite
hinter Turm 9 das Kellergeschoss eines kleinen, aber sehr wehrhaften Baues
freigelegt werden. Dieses "Feste Haus" gehört zu der von hier aus
sich nach Norden erstreckenden Propstei, welche sich seit etwa 1000 im Besitz
des Wormser Stiftes St. Martin befand. Zeitgleich mit diesem Bau dürften drei
massiv gemauerte Pfeilerfundamente, für einen zweischiffigen Bau sein, dessen
südliche Abschlusswand die römische Kurtine bilden sollte. Mehr als diese
Fundamente scheinen von diesem Bau nicht ausgeführt worden zu sein
Die bis auf die
sichtbare Höhe abgebrochenen Mauern des Konventbaues wurden etwa im 15.
Jahrhundert von einem Zeug- und Kaufhaus überlagert, welches sich von seinem
Westgipfel mit dem noch aufrecht stehenden gotischen Tor aus entlang der
römischen Kurtine bis zur östlichen Außenfront des älteren Konventbaues
erstreckte. In dessen rückwärtigen, östlichen Untergeschoss befand sich eine
Mühle, die im Schutz der Stadtmauer auch während einer Belagerung genutzt
werden konnte. Der Grundriss dieser Mühle konnte bei den Ausgrabungen äußert
gut dokumentiert werden, so dass sie rekonstruiert werden kann.

Im
Archäologischen Park sind heute lediglich der Lagerstein für die Mittelache
sowie einige Ständerbasen aus Basalt erhalten geblieben. Das Untergeschoss der
Mühle hatte einen Innendurchmesser von gut 12 m und war kreisrund von einer
starken, kniehohen Brüstungsmauer umgeben. In diesem Geschoss liefen die Tiere
im Kreis, um das darüber gelegene Malwerk anzutreiben.
Im Boden des
Untergeschosses waren in großer Zahl steinerne Schleuderkugeln wie eine Art
Pflaster eingebaut. Diese können sehr gut aus der Beschießung der Stadt
während des so genannten Bopparder Krieges 1497 stammen.
Schriftliche Quellen
erwähnen 1497 und 1530 seitlich der Dantzhusspforte, einem
Durchbruch der
Kirchgasse durch die Kastellmauer, ein "Gemeinde- und Dantzhuss". Von
diesem ist noch heute die gotische Westfront mit dem Hauptportal in großen
Teilen original erhalten. Zu beiden Seiten des Portals befanden sich
ursprünglich kleinere Tore. Im Untergeschoss soll sich das Zeughaus der Stadt
befunden haben, und darüber lagen Räume für Festlichkeiten, weswegen dieser
Bau auch "Tanzhaus" genannt wurde. Im rückwärtigen Teil des
Obergeschosses befand sich die bereits genannte Rossmühle.
Den skizzierten
Funden der Grabungen 1990 - 1991 wären dem auf dem ehemaligen Stierstallgelände
geplanten Polizeidienstgebäude und Parkhaus zum Opfer gefallen, wenn sich nicht
1991 staatliche Denkmalpflege, Denkmalpflegeorganisationen sowie eine Vielzahl
an ihrer eigenen Geschichte interessierten Bürger der Stadt Boppard gegen ein
solches Vorhaben gewendet hätten.
Im
Zuge einer vorgezogenen Bauausschachtung für die geplanten Baumaßnahmen konnte
zuvor das Denkmalamt Koblenz 1990 und 1991 in dem Stierstallgelände Ausgrabungen
durchführen. Bis dahin befand sich die Kurtine der römischen Mauer und der Turm
8 unter dem Niveau der vorhergehenden Bebauung, aus der Turm 9 etwa 3 m hoch im
Aufgehenden herausragte. Die Kastellmauer konnte sodann auf einer Länge von mehr
als 55 m lückenlos bis zu ihrem Fundamentsockel freigelegt werden und die Türme
8 und 9, welche im Aufgehenden unterschiedlich hoch erhalten sind, konnten
ebenfalls freigelegt werden.
Die hier sichtbaren Verluste an der Bausubstanz sind auf
Eingriffe des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Dennoch steht nunmehr im
Mittelpunkt des Archäologischen Parks Mauerwerk des 4. Jahrhunderts bis zu
einer Höhe von mehr als 8 m im Original und in ausgezeichnetem
Erhaltungszustand an. Qualität und Umfang des erhaltenen Denkmals sind wohl
einmalig.

Links auf dem Foto sehen Sie hinter der Südfront des
Kastells eines "Festen Hauses" (etwa 11. Jahrhundert) und der Giebel
eines spätgotischen Kaufhauses (heute Archäologischer Park)
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