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Direkt am Rhein, in unmittelbarer Nähe von Koblenz, mit
tollem Blick auf die Marksburg bei Braubach, befindet sich die
Mittelrheingemeinde Spay. Mit der Stadt Rhens und den Ortsgemeinden Brey
und Waldesch gehört Spay zur Verbandsgemeinde Rhens.
Spay ist einer der an Fachwerkhäusern reichsten Orte im
ganzen Mittelrheintal und besitzt eine ausgedehnte Fachwerkfront am
Rheinufer. Viele der dazugehörigen Häuser stammen aus dem 17. und 18.
Jahrhundert.
Landschaftlich ist Spay durch den großen Hakenbogen des
Rhein geprägt, den Bopparder Hamm, an dessen Nordende sich der
langgestreckte Ort an das westliche (linksrheinische) Ufer schmiegt.
Nachbarorte sind Brey (stromabwärts) und Boppard (stromaufwärts). Am
nördlichen Ortsende liegt Spay gegenüber von Braubach mit der Marksburg.
Die Ursprünge Spays gehen bis in die
Jungsteinzeit zurück. Aus dieser Epoche fanden sich Steinbeile und
Hammer, im Nachbarort eine Anzahl Silexartefakte. In der darauffolgenden
Bronzezeit nahm die Besiedlung weiter zu, aus dieser Ära stammt unter
anderem ein Hallstattbecher mit Spitzfuß. In der Eisenzeit folgte die
Besiedlung durch die Kelten auf die nach allgemeiner Auffassung der
Ortsname zurückgeht. Der Name Spay entwickelte sich demnach aus der
Wurzel „spah“ (für „spähen“), was auf die Lage an einem zum Spähen
geeigneten Ort an der dortigen Rheinschleife hinweist. Unterstützt wird
dies durch das Vorkommen des Namens „Osterspai“, eines Ortes am
östlichen Rheinufer, nur wenige Kilometer entfernt (siehe Bild). Das
ganze Waldgebiet hinter der Spayer Landzunge vom Koblenzer Stadtwald
über den Rhenser und Bopparder Wald ist voll von den für diese Zeit
typischen Hügelgräbern.
Spay lag an der ehemaligen Rheinstraße der
Römer, zwischen dem Lager Bodobrica (Boppard) und der Stadt Confluentes
(Koblenz), nahe einem vermuteten Kastell im heutigen Brey.
Die Römer waren nicht zuletzt auch kulturelle Lehrmeister, während die
Einwohner in Lehmhütten hausten, errichteten sie mächtige Steinbauten
mit Heizung und Ziegelbedeckung. Sie werden die ersten Reben gepflanzt
und so den Grundstein für den Weinbau gelegt haben. 1957 wurden in Spay
die Grundmauern eines römischen Gutshofes (Villa rustica) aus dem ersten
Drittel des 4. Jahrhunderts entdeckt. In Oberspay fanden sich auch Teile
römischer Statuen aus der gleichen Zeit, darunter der Kopf einer
kolossalen Jupiterstatue und ein Knabenkopf, welche zu den besten
Stücken des Koblenzer Amtes für Vor- und Frühgeschichte zählen.
In der Mitte des 5. Jahrhunderts brachen dann die Franken über die
Rheinlinie vor und ergriffen von dem Land Besitz.
Spay wurde erstmals 816
urkundlich erwähnt, als es in den Schutz Ludwig des Frommen genommen
wurde. 821 wurden Ober- und Niederspay zusammen mit Brey in einer
Schenkungsurkunde erwähnt.
Teile Spays waren im
Besitz verschiedenster Grundherren, wie dem St. Martinsstift zu Worms
und den Grafen von Isenburg. Der Ort war seit dieser Zeit Teil des
Bopparder Reiches und gehörte nach dessen Verpfändung an Erzbischof
Balduin von Trier im weiteren Geschichtsverlauf zu Kurtrier. Damals
traten auch die Ritter von Spey als Grundherren auf.
Spay bestand bis zum
Dreißigjährigen Krieg aus drei Dörfern: Oberspay (manchmal auch als
Mittelspay bezeichnet), Niederspay (zeitweilig als Kieselspay bekannt)
und Peterspay (Standort der Peterskapelle). Während des Krieges waren
die Bevölkerungsverluste so groß, dass Peterspay aufgegeben wurde. In
den anderen Orten wurden zahlreiche Häuser niedergebrannt, daher stammen
die meisten der noch heute erhaltenen Häuser aus der Folgezeit. 1670
wurde eine neue Pfarrkirche (spätere Alte Kirche) in Niederspay
erbaut.
1794 zogen die französischen
Revolutionstruppen ein und 1795 wurden die linksrheinischen Gebiete
französisch. Spay wurde von seinen Verbindungen mit Boppard gelöst und
erstmals Rhens zugeschlagen. Zu dieser Zeit fanden in Spay zum ersten
Mal allgemeine und gleiche Wahlen statt.
Nach dem Wiener
Kongress 1815 wird das Rheinland preußisch. Zur Förderung der
Rheinschifffahrt und des Handels begann der Ausbau des rheinischen
Flussbettes. Dies betraf insbesondere die besonders schwer befahrbaren
Abschnitte des Rheins vor Spay, wie die Schottel und den
Braubacher Grund. Dennoch blieb vor allem die Schottel
noch lange Zeit schwer befahrbar und Lotsen wurden gebraucht. Mit
Zunahme der Dampfschifffahrt nahm die alte Treidelschifffahrt immer mehr
ab. Nun wechselten die früheren Treidler auf die Schiffe. Aus dieser
Zeit stammt die Tradition von Nieder- und Oberspay als Lotsen- bzw.
Schifferdorf. Viele Bürger lebten auch von der Fischerei (vor allem
Salmenfang). Von der Vergangenheit als Schiffereiort zeugen heute noch
die Schiffermasten in Ober-und Niederspay, die vom örtlichen
Schiffer-Verein unterhalten werden.
1896 wurde Spay an die
Eisenbahn angeschlossen und 1899 mit dem Bau der heutigen Pfarrkirche
begonnen. (1900 beendet)
Mit der Einrichtung der
ersten Telefonanschlüsse 1912, von elektrischem Strom 1920 und eines
neuzeitlichen Wassersystems 1925–27 begann die neuzeitliche Entwicklung
in Spay. Im Jahre 1921 gründete Josef Becker in einer alten Scheune die
Schottel-Werft. Der Zweite Weltkrieg brachte große Zerstörungen durch
Luftangriffe. Nach dem Krieg gehörte Spay zum Landkreis St. Goar. Seit
1969 bilden Ober- und Niederspay eine Gemeinde. 1970 wurde die neu
gegründete Gemeinde Teil der Verbandsgemeinde Rhens und des Landkreises
Mayen-Koblenz.
1993 und 1995 war Spay von
Jahrhunderthochwassern betroffen.

Seit Juni 2005 sind zahlreiche
Sehenswürdigkeiten in Spay im Rahmen der Wiedereröffnung des
Kulturweges Brey-Spay-Jakobsberg mit Informationsplaketten versehen
worden. Neben eisenzeitlichen Hügelgräbern wird eine teilweise begehbar
gemachte römische Wasserleitung eingebunden, die bereits im
19.Jahrhundert geortet, aber erst nach 1963 wissenschaftlich aufbereitet
wurde.
Der frühere Zehnthof
des Klosters St. Martin in Worms aus dem frühen 19. Jahrhundert
(Gebäudekern spätmittelalterlich) ist ein massives Herrschaftsgebäude am
Rheinufer. Der Bau diente der Aufnahme der Abgaben (Zehnt) der
ortsansässigen Bauern.
Spay ist der Sitz des
Stammhauses der Schottel-Werft, die auf den Bau von
Schottel-Ruderpropellern und anderer Antriebssysteme (wie z. B.
Pod-Antriebe) für See- und Binnenschiffe spezialisiert ist, sie wurde
1921 von Josef Becker, dem Erfinder jenes Propellers gegründet. Der Name
Schottel geht auf eine lokal gebräuchliche Bezeichnung für den
dortigen Rheinabschnitt zurück. Heute ist die Schottel-Werft ein
weltweit agierendes mittelständisches Unternehmen mit einem ausgedehnten
Vertriebsnetz und anderen Werken in Wismar, USA und Suzhou (China).

Nicht zu übersehen die örtlichen Aktivitäten
und Vorkommnisse über die man sich, anhand von aufgestellten und an die
Häuserfronten angebrachten Hinweisschilder aus neuer und vergangener
Zeit, ausgiebig informieren kann.
Ein besonderen Hinweis findet man an der
Rheinfront über den Boxelöfter-Glocke-Platz aus dem Jahre 1933, der sich
dort direkt neben einer aufgestellten Glocke befindet
In
Oberspay ist der Neckname Boxelöfter geläufig, der von einem der
örtlichen Karnevalsvereine als Name übernommen wurde. Die Bezeichnung
Boxelöfter, lokal für „Hosenlüfter“, geht auf die Treidelschifffahrt
zurück, als man um nicht nass zu werden die Hosen hochkrempelte.
Allerdings zeigt das Logo des gleichnamigen Karnevalsverein das weitaus
kuriosere, lustigere jedoch historisch nicht korrekte, Bild eines Mannes
der seinen Hintern entblößt. Ein 12 meter langes, sehenswertes Bild des
Boxelöfters vor der historischen Kulisse des Oberdorfes ziert eine Wand
der Spayer Dorfhalle.
weitere sehenswerte Fotos von
Spay |