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Viele Unglücke im
1800 Jahrhundert sorgten für Verschuldung und Armut.
Das Dorf Weiler, das so
oft von Feuerbrünsten und anderen Drangsalen heimgesucht worden war, hatte sich
in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erholt und war zu einem gewissen
Wohlstand gekommen.
Dann aber folgte ein
Unglück dem anderen. Im Jahre 1768 wurde das Dorf zum größten Teil durch
einen Brand vernichtet, dem auch das Rat-, Back- und Schulhaus zum Opfer fiel.
Der Bericht der
Weilerer an die Hofkammer spricht von der erstaunlichen Feuerbrunst, da das
halbe Dorf durch Verhängnis Gottes eingeäschert war. Ein neuer Brand suchte
das Dorf im Jahre 1778 heim. Damals schrieb der Amtsverwalter an die
Schulkommission des Kurfürsten:
"Der Ort ist
dreimal durch Brand unglücklich geworden, daher so verschuldet, dass die
Gemeinde kaum die Hälfte des Schulgeldes zahlen kann. Die Gemeinde hat das
Gemeindeholz dieses Jahr meistens verkauft, um
Gemeindeschulden zu bezahlen. Die Schulden sind so groß, dass ich kein Mittel
sehe, die Schulden binnen 10 Jahren zu tilgen.
Im selben Jahre hatte
eine Viehseuche einen großen Teil des Weilerer Viehbestandes vernichtet. Im
Jahre 1783 brannten 25 Häuser ab.
Die Hofkammerprotokolle
aus den Jahren 1778 bis 1893 sprechen eine beredte Sprache über die
Bedrängnisse des Dorfes. Im Jahre 1778 hatten verschiedene Weilerer Bürger die
Hofkammer um Brotkorn, da sie wegen der Viehseuche zahlungsunfähig seien.
Brandgeschädigte erhielten in demselben Jahre das gewöhnliche Brandalmosen,
das aus je einem Malter Korn und Hafer bestand.
Im Jahre 1780 baten
Johann und Michel Bach und Georg Kaspar um Ausstand für die Rückgabe von 6
Malter an die Kellerei, da sie wegen Brand, Viehseuche und Misswachs nichts
zahlen oder zurückgeben konnten. Der Kurfürst beharrte zwar auf der Rückgabe,
schenkte ihnen aber 100 Reichstaler.
1790 bat die Gemeinde
die Hofkammer um Ausstand für die 1789 geborgte Saatgerste, da sie durch den
schlechten Herbst und die schlechte Ernte noch mehr in Armut gefallen sei. Im
Jahre 1791 bat Kaspar um Verabreichung eines halben Malters Brotgetreide, das
halb aus Roggen, halb aus Gerste bestand. Es wurde ihm als Almosen gegen
Rückgabe nach der nächstjährigen Ernte gegeben.
Das im Koblenzer
Staatsarchiv liegende Aktenstück gibt Auskunft über die Verschuldung Weilers.
Danach hatte die Gemeinde geliehen
1768:
vom Sendschöffen
Johann Carbach aus Kestert: 200 Rtlr. a 54 Albus,
vom Pfarrer von St.
Martin zu Oberwesel: 500 Rtlr.,
vom Amtskellner Bridoul
von Bernkastel: 1000 Rtlr.,
von Herrn von
Umbscheiden aus Koblenz: 600 Rtlr.
1776:
von Frau
Reichskammergerichtsassessorin Dorothea von Albani zu Wetzlar: 1000 Rtlr.,
1782:
von Anton Kirch aus
Boppard: 800 Rtlr.
von Vogt Niell aus
Hirzenach: 200 Rtlr.
Im Jahre 1784 forderte
der Hofrat das Amt Boppard zum Bericht auf, wie der Gemeinde Weiler wieder
aufzuhelfen sei. Auf Anweisung des Kurfürsten schenkte der Amtsverwalter Herger
aus Boppard der total verschuldeten Gemeinde 659 Rtlr. zur Abtragung ihrer
Schulden.
Als Grund der
Verschuldung wurde in diesem Schriftstück auch angegeben der mehr als 40 Jahre
schwelende Rechtsstreit wegen puncto lignandi mit Salzig, d.H. der Waldstreit zu
Salzig.
Aus dem Hintergrund
dieser Armut ist die von Frau Selma Bach aufgeschriebene Geschichte
verständlich, die besagt, dass um 1800, 40 Weilerer Familien arm gewesen seien.
Einst habe ein Bürger aus Werlau, wohin man zum Betteln ging, einen Weilerer
gefragt, ob denn ihr Schultheiß nicht betteln käme. Die Antwort lautete,
derselbe habe keine Schuhe, sonst käme er auch.
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